Datum15.10.2025 15:17
Quellewww.spiegel.de
TLDRWladimir Putin empfing im Kreml den syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Sharaa, der die Rebellenallianz anführte, die Assad stürzte. Putin betonte die guten Beziehungen zwischen Russland und Syrien und lobte die jüngsten Parlamentswahlen als Erfolg. Sharaa bestätigte die enge Partnerschaft und den Austausch im Energiesektor. Das Treffen behandelte auch Russlands Militärbasen in Syrien, die für Moskau strategisch wichtig sind. Gerüchte besagen, dass Sharaa um die Auslieferung von Assad bitten könnte.
InhaltRussland gewährt Syriens langjährigem Diktator Assad seit seiner Flucht Asyl. Nun hat Präsident Putin den Anführer der Rebellenallianz, die Assad stürzte, im Kreml begrüßt. Für beide Seiten steht viel auf dem Spiel. Kremlchef Wladimir Putin hat Syriens Übergangspräsident Ahmed al-Sharaa in Moskau zu einem Treffen empfangen. Syrien erlebe schwierige Zeiten, aber die vergangenen Parlamentswahlen stärkten die Zusammenarbeit zwischen allen politischen Kräften, sagte Putin. Der Sieg der Kräfte, die den Übergangspräsidenten unterstützen, sei ein großer Erfolg. Putin sprach von freundschaftlichen Beziehungen zwischen Russland und Syrien in den vergangenen Jahrzehnten. Kremlsprecher Dmitrij Peskow hatte angekündigt, dass es bei dem Treffen auch um Russlands Militärbasen in Syrien gehen werde. Russland war unter der Herrschaft von Ex-Machthaber Baschar al-Assad einer der engsten Verbündeten des Landes. Anfang Dezember führte Sharaa als Kopf der islamistischen Gruppe Haiat Tahrir al-Scham eine Rebellenallianz an, die Assad stürzte. Dieser floh daraufhin nach Russland, wo ihm und seiner Familie Asyl gewährt wurde. Kremlchef Putin, der Assad jahrelang militärisch im Kampf gegen die jetzigen Machthaber geholfen hatte, will seine Stützpunkte in Syrien behalten. Der Hafen in Tartus an der Mittelmeerküste ist Russlands einziger und daher strategisch wichtiger Zugang zum Mittelmeer. Zudem nutzte Moskau bisher den Luftwaffenstützpunkt Hmeimim südöstlich der Stadt Latakia für seine Kampfflugzeuge und Hubschrauber. Für Russland ist Syrien nicht zuletzt Basis seiner militärischen Operationen in Afrika. Sharaa sagte, Syrien respektiere alle mit Moskau geschlossenen Verträge. "Wir unterhalten enge Beziehungen zu Russland, und ein bedeutender Teil des syrischen Energiesektors stützt sich auf russisches Fachwissen", sagte der Interimspräsident. "Es gibt bilaterale Beziehungen und gemeinsame Interessen, die uns mit Russland verbinden, und wir respektieren alle getroffenen Vereinbarungen", sagte Sharaa zu Beginn der Gespräche im Kreml. "Wir arbeiten daran, die Art der Beziehungen zu Russland neu zu definieren." Putin gratulierte Sharaa zu den Parlamentswahlen Anfang des Monats. "Ich glaube, dass dies ein großer Erfolg für Sie ist, denn es führt zur Konsolidierung der Gesellschaft", sagte Putin. Moskau sei bereit, die Beziehungen zu erneuern. Aus syrischen Sicherheitskreisen hieß es, Sharaa wolle bei seinem Besuch in Moskau Putin darum bitten, Assad auszuliefern. Sharaa wird von Außenminister Asaad al-Shaibani und Verteidigungsminister Marhaf Abu Kasra begleitet.