Datum25.05.2026 09:27
Quellewww.spiegel.de
TLDRForscher entdeckten vor den Galápagosinseln eine neue, blau gefärbte Oktopus-Art: *Microeledone galapagensis*. Das nur golfballgroße Tier fällt durch kurze, dicke Arme mit jeweils 30 Saugnäpfen auf. Die Wissenschaftler vermuten, dass die blaue Färbung dem Schutz dient und das Licht von Beutetieren absorbiert. Die Identifizierung erfolgte mithilfe fortschrittlicher 3D-Modellierung, da nur ein Exemplar untersucht werden konnte.
Inhalt"Oh, Du meine Güte, er ist wunderschön": Forscher haben in der Tiefsee vor den Galápagosinseln eine faszinierende Tierart entdeckt. Der winzige Oktopus ist blau und hat dicke Ärmchen mit 30 Saugnäpfen. Oben hellblau, unten dunkelviolett und nur so groß wie ein Golfball: Am Meeresboden in der Nähe der Galápagosinseln haben Forscher eine neue Oktopus-Art entdeckt. Die Oktopusse haben kurze, rund drei bis vier Zentimeter lange Ärmchen mit jeweils etwa 30 Saugnäpfen. Erstmals gesichtet wurde das Tier bei einer Expedition im Jahr 2015, in fast 1800 Meter Tiefe. Wissenschaftler der Charles-Darwin-Stiftung steuerten einen ferngesteuerten Unterwasserroboter über den Meeresboden, der insgesamt drei der kleinen Kraken filmte. Ein weibliches Tier wurde für Untersuchungen eingefangen. Im Fachjournal "Zootaxa" wird die neue Spezies nun mit dem Namen Microeledone galapagensis beschrieben. "Ich wusste sofort, dass das etwas wirklich Besonderes ist", sagte Oktopus-Expertin Janet Voight, die gebeten wurde, den kleinen Kraken zu identifizieren. Die Kuratorin des Field-Naturkundemuseums in Chicago ist Hauptautorin des Fachartikels. Sie hatte erst Fotos des Mini-Oktopus erhalten, später auch seinen konservierten Körper. "Als er ankam, dachte ich: ›Oh, Du meine Güte, er ist wunderschön‹." Voight und ihre Kolleginnen und Kollegen vermuten, dass die ungewöhnliche Farbe des Tieres dem Schutz dient. "Wenn der Oktopus sich ein Beutetier schnappt, das Licht abstrahlt, könnte dieses Licht Raubtiere anziehen." Die dunkle Unterseite verhindere das, indem sie Licht absorbiere. Abgesehen von der blauen Farbe, die in der Natur seltener vorkommt als andere Farben, weist der kleine Oktopus noch andere Besonderheiten auf. "Seine dicken Ärmchen mit nur einer Reihe Saugnäpfe unterscheidet ihn von den meisten anderen Oktopussen, die wir kennen", so Voight. Zudem sei die Haut an der Oberfläche des Rückens weich. Die Oktopus-Art, die der nun entdeckten äußerlich am nächsten kommt, lebt an der Küste von Uruguay – in einem anderen Ozean auf der anderen Seite von Südamerika. Um eine Oktopus-Art zu bestimmen, muss das Tier eigentlich aufgeschnitten werden, um seinen Mund, seinen Schnabel und andere Körperteile begutachten zu können. Da Voight aber nur über ein Exemplar verfügte, wollte sie es nicht zerschneiden. Stattdessen fertigten sie und ihre Kolleginnen und Kollegen Tausende hochauflösende Mikro-Computertomographie-Bilder des Kraken an und erstellten daraus ein 3D-Modell. So konnten feinste Details der inneren Organe und des Mundes sichtbar gemacht werden.