Datum25.05.2026 04:48
Quellewww.spiegel.de
TLDRNach Protesten von Studenten hat Präsident Erdoğan die Schließung der liberalen Bilgi-Universität Istanbul rückgängig gemacht. Zuvor hatte er die Betriebsgenehmigung mit unzureichendem Bildungsniveau begründet. Die Universität, die Tausende Studierende zählt und am EU-Austauschprogramm teilnimmt, stand zuletzt wegen Vorwürfen von Geldwäsche und Steuerbetrug unter Zwangsverwaltung. Die Entscheidung fiel kurz vor wichtigen Prüfungen und inmitten repressiver Maßnahmen der Regierung gegen Oppositionelle.
InhaltAm Freitag hatte der türkische Präsident die Betriebsgenehmigung der Bilgi-Universität kassiert. Es folgten Demos, scharfe Kritik – und nun offenbar ein Rückzieher von Recep Tayyip Erdoğan. Nach Protesten Hunderter Studenten hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan seine umstrittene Anordnung zur Schließung der privaten Istanbuler Bilgi-Hochschule rückgängig gemacht. Ein entsprechendes Dekret wurde am Sonntag im türkischen Amtsblatt veröffentlicht. Es macht Erdoğans erst am Freitag in Kraft getretene Anordnung rückgängig, die als liberal geltende renommierten Hochschule zu schließen. Über die jüngste Entwicklung berichten türkische Medien, unter anderem "Türkiye" . Der türkische Staatschef hatte seine ursprüngliche Entscheidung mit einem angeblich "unzureichenden" Bildungsniveau der Einrichtung begründet. Die zwischenzeitliche Schließung erfolgte einen Monat vor den für Juni geplanten Examensprüfungen. Fast tausend Studierende sowie einige Dozenten demonstrierten am Sonntag auf dem Campus gegen den Entzug der Betriebsgenehmigung. Dutzende Studierende besetzten die Bilgi-Hochschule, wurden aber von Polizeibeamten aus dem Gebäude getragen. Nach den Worten einer Teilnehmerin wurden sie an Händen und Füßen gepackt und aus dem Gebäude geworfen, eine Studentin erlitt dabei einen Nasenbeinbruch. Die 1996 gegründete Universität zählt mehr als 20.000 türkische und ausländische Studierende. Sie nimmt am Erasmus-Austauschprogramm der Europäischen Union teil. Gleichzeitig machte die Universität zuletzt auch negative Schlagzeilen: Vorwürfe rund um Geldwäsche und Steuerbetrug sorgten dafür, dass die Institution seit einem Jahr von einem gerichtlich bestellten Verwalter geleitet werden musste. Die türkische Regierung geht seit Langem zunehmend repressiv gegen die Opposition vor und setzt dabei auch die Justiz ein. Zuletzt hatte am Donnerstag ein Gericht die Führung der Oppositionspartei CHP abgesetzt. Diese hatte der Regierungspartei AKP des islamisch-konservativen Präsidenten Erdoğan bei den Kommunalwahlen 2024 eine schwere Niederlage zugefügt.