Datum23.05.2026 18:39
Quellewww.spiegel.de
TLDRDie Ukraine hat russische Öl-Anlagen in Noworossijsk mit Drohnen angegriffen, was zu einem Feuer führte. Gleichzeitig stieg in der besetzten Ostukraine die Zahl der Toten bei einem ukrainischen Drohnenangriff auf ein Studentenwohnheim in Starobilsk auf 18. Russland beschuldigt die Ukraine des Terrorismus und Putin droht mit Vergeltung. Die Ukraine erklärt, militärische Ziele zu treffen.
InhaltDie Ukraine hat bei Drohnenschlägen offenbar erneut russische Öl-Anlagen getroffen. In der von Russland besetzten Ostukraine steigt unterdessen die Zahl der Toten, nach einem Schlag gegen ein Wohnheim. Putin schwört Rache. Im Hafen von Noworossijsk am Schwarzen Meer ist nach einem ukrainischen Drohnenangriff ein Feuer ausgebrochen. Herabstürzende Trümmer hätten ein Öldepot und auch das Gelände des Kraftstoffterminals getroffen, teilten die russischen Behörden am Samstag mit. Zwei Menschen seien verletzt worden. Die Ukraine hatte zuletzt Angriffe auf die russische Öl- und Energieinfrastruktur verstärkt. Der Hafen von Noworossijsk in der südrussischen Grenzregion Krasnodar ist der größte Exportknotenpunkt Russlands am Schwarzen Meer: Rund ein Fünftel der per Schiff transportierten russischen Rohöllieferungen wird dort abgewickelt. Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte am Samstagmorgen mit, dass in der Nacht insgesamt 348 ukrainische Drohnen abgefangen und zerstört worden seien. Zuvor hatte die Ukraine in den vergangenen Wochen immer wieder erfolgreich Angriffe auf Export-Terminals nahe Sankt Petersburg an der Ostsee geführt. Hintergrund ist die Tatsache, dass Russland über drei Hauptrouten für den See-Export von Rohöl verfügt: Durch die Ostsee, durch das Schwarze Meer und über den Pazifik-Hafen Kosmino. Letztere liegt außerhalb der Reichweite ukrainischer Angriffsdrohnen. Die beiden anderen Routen hingegen werden verstärkt von der Ukraine beschossen. Unterdessen ist nach russischen Behördenangaben die Zahl der Opfer nach einem ukrainischen Angriff auf ein Gebäude einer Hochschule in der von Russland besetzten Region Luhansk in der Ostukraine auf 18 Menschen gestiegen. Russische Medien berichteten, durch den Angriff sei ein Studentenwohnhein in der Stadt Starobilsk eingestürzt. Die Zahl der Verletzten liegt laut russischen Angaben bei 42. Videos auf sozialen Medien sollen Rettungsarbeiten und verschüttete Opfer zeigen. Weder die Aufnahmen, noch die Angaben der russischen Seite lassen sich unabhängig verifizieren. Von der Nachrichtenagentur Reuters verbreitete Fotos scheinen allerdings Wandplakate und Einrichtung zu zeigen, die auch in einem zivilen Studentenwohnheim zu finden wären. "Die Region und das ganze Land teilt den Schmerz über das Schicksal dieser Menschen und ihrer Familien" erklärte der von Moskau eingesetzte örtliche Gouverneur Leonid Passetschnik. Nach seinen Angaben befanden sich zum Zeitpunkt des Drohnenbeschusses 86 Menschen in den Räumlichkeiten. Bei den Getöteten und Vermissten handele es sich größtenteils um Studentinnen im Alter von 18 bis 23 Jahren. Kiew begründete den Angriff mit einem Schlag gegen ein Militärhauptquartier der russischen Armee. Das Quartier einer russischen Militäreinheit befinde sich "im Gebiet der Stadt Starobilsk", erklärte der ukrainische Generalstab am Freitag. "Die Ukraine führt Angriffe gegen militärische Infrastrukturen und Einrichtungen durch, die für militärische Zwecke genutzt werden, und hält sich dabei strikt an die Vorgaben des humanitären Völkerrechts", erklärte der Generalstab weiter. Kreml-Chef Wladimir Putin, dessen Einheiten seit mehr als vier Jahren immer wieder Wohngebäude in der Ukraine bombardieren, sprach von einem "terroristischen Angriff". Er rief die russische Armee auf, Pläne für Vergeltungsaktionen auszuarbeiten. Der Angriff sei "kein Zufall" gewesen und "in drei Wellen" erfolgt, "wobei 16 Drohnen denselben Ort ins Visier nahmen", fügte Putin hinzu. Starobilsk liegt etwa 65 Kilometer von der Frontlinie in der Ostukraine entfernt. Die russische Armee hatte die Stadt bereits kurz nach Beginn ihrer Offensive im Februar 2022 erobert. Russland überzieht die Ukraine seit mehr als vier Jahren mit Luftangriffen. Die Ukraine reagiert mit Gegenangriffen auf russisches Staatsgebiet, insbesondere auf Ziele der Öl- und Energieinfrastruktur. Die Verhandlungen über eine Beendigung der Kämpfe liegen derzeit auf Eis.