Datum23.05.2026 16:58
Quellewww.spiegel.de
TLDRZehntausende demonstrierten in Madrid den Rücktritt von Premier Sánchez aufgrund von Korruptionsskandalen, die die Sozialisten belasten. Eine kleine Gruppe versuchte, den Palast zu stürmen. Kritik richtet sich auch gegen Sánchez, der seinen Vorgänger Zapatero trotz Ermittlungen verteidigte. Der prominenteste Fall betrifft illegale Provisionen im Zusammenhang mit der Rettung einer Fluggesellschaft.
InhaltIn Spanien setzen zahlreiche Korruptionsskandale die regierenden Sozialisten unter Druck. Am Rande einer Demonstration in Madrid unterband die Polizei offenbar einen Sturm auf die Residenz des Premierministers. Bei einer Großkundgebung in Madrid haben am Samstag Zehntausende Menschen den Rücktritt des spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez gefordert. Eine kleine Gruppe der Demonstranten versuchte dabei offenbar, die Absperrungen rund um den Moncloa-Palast, den Wohnsitz des sozialistischen Regierungschefs, zu durchbrechen. Das panische Fernsehen sendete Aufnahmen, auf denen die Festnahme mehrerer Maskierter durch Polizeikräfte auf einer Zufahrtsstraße zu dem Palast zu sehen war. An dem ansonsten weitgehend friedlichen Protestmarsch nahmen auch führende Vertreter der oppositionellen konservativen Volkspartei (PP) sowie der rechtsextremen Vox teil. Beide Parteien hatten zu den Protesten aufgerufen. Nach Angaben der Organisatoren beteiligten sich 80.000 Menschen, während die Regierungsvertretung in Madrid die Zahl auf etwa 40.000 schätzte. Die Demonstranten trugen spanische Flaggen und Transparente mit Aufschriften wie "Rücktritt der sozialistischen Mafia". Hintergrund der Proteste ist eine Reihe von Korruptionsskandalen, die die linke Regierung belasten. Der wohl prominenteste Fall betrifft den früheren sozialistischen Ministerpräsidenten José Luis Rodríguez Zapatero. Am vergangenen Dienstag hatte ein spanisches Gericht mitgeteilt, dass gegen Zapatero ermittelt werde. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Sozialisten Zapatero vor, unter anderem gemeinsam mit seinen Töchtern illegale Provisionen kassiert zu haben, in einer Höhe von bis zu zwei Millionen Euro. Das Geld soll im Umfeld der Rettung einer spanischen Airline geflossen sein. Zapatero war von 2004 bis 2011 im Amt und gehört wie der amtierende Premierminister Sanchez der Partei PSOE an. Die Sozialisten stehen auch im Zentrum weiterer Korruptionsskandale. Sanchez hat eine riskante Strategie gewählt. Er rief öffentlich zu Verteidigung des "guten Namens" seines Vorgängers Zapatero auf. Nun wächst die Kritik an ihm selbst.