Datum23.05.2026 16:48
Quellewww.spiegel.de
TLDREin französisches Paar wurde in Portugal verhaftet und steht unter Verdacht der Kindesaussetzung. Zwei Jungen im Alter von vier und fünf Jahren wurden allein aufgefunden. Der 55-jährige Mann wird zudem der gefährlichen Körperverletzung beschuldigt. Gegen das Paar liegen auch europäische Haftbefehle aus Frankreich vor.
InhaltWeinend standen ein vier- und ein fünfjähriger Junge am Straßenrand. Die Mutter der Kinder und ihr Lebensgefährte sind nun in U-Haft. Ihm wird neben Kindesaussetzung auch gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Im Fall der zwei französischen Kinder, die mutmaßlich in Portugal ausgesetzt wurden, hat ein Richter übereinstimmenden Medienberichten zufolge Untersuchungshaft für die Mutter und den Stiefvater angeordnet. Die beiden Franzosen seien dringend der Kindesaussetzung verdächtig, habe der zuständige Richter António Fialho am Gericht der Stadt Setúbal mitgeteilt. Die Mutter und ihr Lebensgefährte kommen aus Colmar im Elsass nur wenige Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Das Paar aus Frankreich war am Donnerstag festgenommen worden. Ihm wird vorgeworfen, die Jungen im Alter von vier und fünf Jahren allein in einem Wald zurückgelassen zu haben. Der 55-Jährige wird nach Angaben des Gerichts überdies wegen "gefährlicher Körperverletzung" an einem der Kinder beschuldigt. Die beiden Franzosen waren bereits am Freitag mehrere Stunden lang in Setúbal vernommen worden. Die 41-jährige Mutter firmiert im Internet als Sex-Therapeutin. Bei dem Mann soll es sich portugiesischen Medienberichten zufolge um einen früheren französischen Polizisten handeln, der wegen Depressionen aus dem Dienst ausgeschieden sei. Die portugiesische Rundfunkanstalt RTP berichtete, die Mutter der Kinder habe er "vor einigen Monaten" kennengelernt. Die französische Zeitung "Le Parisien" schrieb, der ehemalige Gendarm sei 2010 wegen Belästigung und Gewalt gegen die Mutter seiner Tochter zu neun Monaten Haft mit einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. Auf seiner Facebook-Seite habe er verschwörungstheoretische und antisemitische Inhalte gepostet. RTP und die Zeitung "Correio da Manha" berichteten unter Berufung auf Quellen in der portugiesischen Nationalgarde der Republik (GNR), die Mutter und der Stiefvater hätten sich während eines Gefangenentransports abgesprochen, vor Gericht eine psychische Störung geltend zu machen. Das habe ein Polizist gehört, der die beiden Franzosen während der Fahrt am Freitag bewachte. Während die Mutter vor Gericht geschwiegen habe, sei der Stiefvater eher kooperativ aufgetreten. Das Gericht in Setúbal äußerte sich zunächst nicht zu diesen Berichten. Ein GNR-Sprecher hatte in einem RTP-Interview gesagt, gegen die beiden Franzosen lägen auch zwei europäische Haftbefehle aus Frankreich wegen Kindesentzug und Vernachlässigung eines 16-jährigen weiteren Sohns der Mutter vor. Die beiden müssten deshalb auch vor einem Berufungsgericht erscheinen, das für solche ausländischen Anträge zuständig sei. Ein Autofahrer hatte die beiden weinenden Kinder am Dienstagabend am Rand einer Straße in der Nähe des Dorfs Comporta entdeckt. Sie hatten Rucksäcke mit Wasser, Keksen und Kleidung, jedoch keine Ausweispapiere bei sich. Sie berichteten, dass ihre Mutter sie in einen Wald gebracht und ihnen "für ein Spiel" die Augen verbunden habe. Als die Kinder ihre Augenbinden abnahmen, sei die Mutter verschwunden gewesen. Die portugiesischen Behörden hatten die Mutter und ihren Lebensgefährten am Donnerstag in Fátima im Zentrum Portugals festgenommen. Dabei hätten die beiden "eine sehr distanzierte Haltung zu der Situation" an den Tag gelegt, hatte ein Polizeisprecher gesagt. Die Kinder wurden bei einer Pflegefamilie untergebracht und sollten französischen Medien zufolge von ihrem Vater abgeholt werden, der nach Angaben der portugiesischen Behörden in Frankreich hinsichtlich seiner Kinder "eingeschränkte Besuchsrechte unter Aufsicht" hatte. Der Vater hatte die Mutter und die Kinder am 11. Mai als vermisst gemeldet.