Iran droht bei erneutem US-Angriff mit »vernichtender« Reaktion

Datum23.05.2026 15:00

Quellewww.spiegel.de

TLDRTrotz einer brüchigen Waffenruhe im Irankrieg droht Teheran mit einer "vernichtenden" Reaktion auf erneute US-Angriffe. Pakistan versucht zu vermitteln, doch zentrale Streitpunkte wie das Atomprogramm bleiben ungelöst. Iran betont die Bereitschaft zur Diplomatie, behält sich aber das Recht auf Verteidigung vor. US-Präsident Trump erwägt Medienberichten zufolge trotz laufender Verhandlungen neue Militäraktionen.

InhaltSeit Anfang April gilt im Irankrieg eine fragile Waffenruhe. Doch sowohl aus Washington als auch aus Teheran gibt es Signale Richtung Eskalation. Der Überblick. Noch hält die Waffenruhe im Krieg der USA und Israels gegen Iran. US-Präsident Donald Trump hat aber angedeutet, die Kampfhandlungen womöglich bald fortsetzen zu wollen, Teheran reagiert nun darauf. Wie ist die Lage gerade? Es laufen diplomatische Bemühungen, eine friedliche Lösung für den Krieg zu finden. Irans Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf ‌trifft sich derzeit in Teheran mit dem pakistanischen Armeechef Asim Munir. Munir ​will bei seinem Besuch in Iran zudem Präsident Masoud Pezeshkian und Außenminister Abbas ​Araghchi treffen. Am Freitag hieß es aus pakistanischen Sicherheitskreisen gegenüber der Nachrichtenagentur dpa, Munir sei unterwegs, um den Entwurf für eine Vereinbarung zwischen den USA und Iran zu besprechen. In pakistanischen Sicherheitskreisen war Optimismus verbreitet worden, dass eine Vorvereinbarung zwischen den USA und Iran greifbar sei. Munir hätte demnach eigentlich am Donnerstag nach Teheran reisen sollen. Er habe jedoch auf grünes Licht der iranischen Verhandler gewartet, dass tatsächlich eine erste Einigung erzielt werden kann. Um welche Punkte es dabei genau geht, ist nicht bekannt. Munir werden gute Kontakte zu US-Präsident Donald Trump nachgesagt und er gilt als Vermittler zwischen den Kriegsparteien. Die Gespräche über eine dauerhafte Friedenslösung gestalten sich bislang schwierig. Zentrale Streitpunkte sind die Straße von Hormus und das iranische Atomprogramm. Trump hat wiederholt bekräftigt, Iran dürfe niemals in den Besitz einer Atombombe gelangen. Teheran beteuert, keine Atomwaffen anzustreben und Uran nur zu zivilen Zwecken anzureichern. Das iranische Außenministerium dämpfte die Erwartungen an eine mögliche Annäherung zwischen Teheran und Washington. Ministeriumssprecher Esmaeil Baqaei bezeichnete Munirs Reise beim Staatssender Irib als Fortsetzung eines laufenden diplomatischen Prozesses, nicht aber als Hinweis auf eine bevorstehende Einigung mit den USA. Im Mittelpunkt der aktuellen Gespräche stehe weiterhin ein sofortiges Ende des Krieges, betonte Baghai. Streitpunkte zwischen Iran und den USA – insbesondere das Atomprogramm und der Verbleib hochangereicherten Urans – könnten erst nach Kriegsende verhandelt werden. Andernfalls würden die Gespräche wie in früheren Runden erneut ohne konkrete Ergebnisse bleiben, so der Sprecher. Auch der iranische Außenminister Araghchi beteuerte, sein Land fühle sich der Diplomatie verpflichtet, trotz des "wiederholten Verrats an der Diplomatie" durch die USA und der "militärischen Aggression gegen Iran". Trotz des Misstrauens gegenüber Washington sei Teheran mit einer "verantwortungsvollen Herangehensweise" und "aller Ernsthaftigkeit" in die Gespräche gegangen, sagte Araghchi laut der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim. Ghalibaf reagierte indes mit scharfen Worten auf die Drohungen Trumps, die Kampfhandlungen in der Region wieder aufzunehmen. "Sollte Trump erneut eine Dummheit begehen und einen neuen Krieg beginnen, wird der Gegenangriff der iranischen Streitkräfte für die USA noch vernichtender sein", sagte Ghalibaf bei dem Treffen mit Munir. Der iranische Verhandlungschef betonte, sein Land werde den diplomatischen Weg "klug und entschlossen" weiterverfolgen. Dies bedeute jedoch nicht, dass Teheran die Rechte des iranischen Volkes zugunsten einer Einigung aufgeben werde, so Munir laut dem Staatssender Irib. US-Außenminister Marco Rubio sagte am Rande eines Nato-Treffens in Schweden, es gebe zwar "Fortschritte", aber noch keine Einigung für einen Frieden. "Wir haben es mit einer sehr schwierigen Gruppe von Leuten zu tun. Und für den Fall, dass sich nichts ändert, hat der Präsident (Trump) klargestellt, dass er andere Optionen hat." Trump erwägt Medienberichten zufolge neue Angriffe auf die Islamische Republik. Der US-Sender CBS und das Nachrichtenportal "Axios" berichteten unter Berufung auf zwei US-Regierungsvertreter am Freitag, die USA würden sich auf eine mögliche Wiederaufnahme der Militärangriffe vorbereiten. Demnach habe Trump am Freitagmorgen eine Sitzung mit seinen engsten Sicherheitsberatern abgehalten. Der Präsident sei zunehmend "frustriert" über die Verhandlungen mit Teheran – und tendiere inzwischen eher zu neuen Angriffen als zu einer Fortsetzung der Diplomatie. CBS berichtete unter Berufung auf anonyme Quellen, US-Militär- und Geheimdienstvertreter hätten ihre Reisepläne für das lange Wochenende angesichts möglicher Angriffe gestrichen. CBS wie auch "Axios" berichteten aber auch, eine Entscheidung für eine Wiederaufnahme der Kampfhandlungen sei noch nicht getroffen worden. Trump selbst hatte am Freitag auf seiner Onlineplattform Truth Social erklärt, er könne wegen "Umständen" nicht an der bevorstehenden Hochzeit seines ältesten Sohnes Donald Trump Jr. teilnehmen. "Ich halte es für wichtig, während dieser wichtigen Zeit in Washington, D.C., im Weißen Haus, zu bleiben" Nähere Angaben zu den von ihm genannten Umständen machte der US-Präsident nicht. Das Weiße Haus gab bekannt, dass Trump anders als ursprünglich geplant das Wochenende nicht in seinem Golfclub im Bundesstaat New Jersey verbringen, sondern in der Hauptstadt Washington bleiben werde. Nach einem Besuch im Bundesstaat New York nahm Trump keine Fragen mitreisender Journalisten entgegen. Sowohl Iran als auch die USA behaupten von sich, die Meerenge gesperrt zu haben. Die Marine der iranischen Revolutionswächter gab bekannt, dass 25 Schiffe allein in den vergangenen 24 Stunden die Straße von Hormus passiert hätten. Unabhängige Belege dafür gibt es derzeit nicht. Der bislang erfolglos geführte Irankrieg setzt Donald Trump unter Druck – gleichzeitig nimmt sein Interesse daran womöglich ab. Hören Sie hier unseren Podcast: "Trump ist gelangweilt vom Irankrieg"