Datum23.05.2026 14:37
Quellewww.spiegel.de
TLDRAktivisten der Hilfsflotte "Global Sumud Flotilla" werfen Israel nach der Festnahme auf See schwere Misshandlungen vor, darunter mindestens 15 sexuelle Übergriffe. Israel weist die Anschuldigungen zurück. Die Aktivisten wollten Hilfsgüter nach Gaza bringen. Die Ereignisse haben international Empörung ausgelöst und führen zu Forderungen nach Aufklärung.
InhaltGaza-Aktivisten beschuldigen israelische Beamte massiver Gewalt. Es soll nach ihrer Festsetzung unter anderem zu 15 sexuellen Übergriffen gekommen sein. Die Strafvollzugsbehörde weist die Vorwürfe zurück. Freigelassene Aktivisten einer Hilfsflotte für den Gazastreifen werfen den israelischen Behörden schwere Misshandlungen und sexuelle Gewalt vor. Ein australischer Aktivist schilderte laut dem Sender CNN, er habe ein "ständiges Trommelfeuer an Gewalt" und "Brutalität" erlebt. Eine andere Aktivistin sagte, sie seien "gefoltert" worden. Die Organisatoren der "Global Sumud Flotilla" schreiben bei Telegram: "Mindestens 15 Fälle sexueller Übergriffe, darunter Vergewaltigungen. Aus nächster Nähe mit Gummigeschossen beschossen. Dutzende Menschen erlitten Knochenbrüche." Die israelische Strafvollzugsbehörde wies die Anschuldigungen zurück. Die Vorwürfe lassen sich im Detail nicht überprüfen. Israelische Spezialeinheiten hatten am Dienstag in internationalen Gewässern 50 Schiffe gestoppt und rund 430 Aktivisten festgenommen. Diese wollten Hilfsgüter in den Gazastreifen bringen. Die Aktivisten wurden am Donnerstag über die Türkei abgeschoben und zum Teil in ihre Heimatländer geflogen. Nach Angaben der Aktivisten fanden die Misshandlungen teils noch auf See, teils nach der Festnahme in Israel statt. In einem von der Nachrichtenagentur Reuters verifizierten Instagram-Beitrag einer Aktivistengruppe zeigte der Franzose Adrien Jouen Blutergüsse am Rücken und an den Unterarmen. "Wir wurden entkleidet, zu Boden geworfen und getreten. Viele von uns wurden mit Elektroschockern traktiert, einige wurden sexuell missbraucht, und einigen wurde der Zugang zu einem Anwalt verwehrt", sagte der Italiener Luca Poggi, einer der Aktivisten, Reuters nach seiner Ankunft in Rom. Die australische Aktivistin Juliet Lamont sagte dem Sender CNN, sie sei an Bord eines israelischen Schiffes in einem Container von fünf Männern geschlagen und sexuell missbraucht worden. Ein Sprecher der israelischen Strafvollzugsbehörde erklärte: "Die vorgebrachten Vorwürfe sind falsch und entbehren jeglicher sachlichen Grundlage." Die Festgenommenen würden im Einklang mit dem Gesetz festgehalten und medizinisch versorgt. Auch deutsche Aktivisten waren an Bord der Flotte. Konsulatsbeamte in Istanbul seien mit ihnen in Kontakt, teilte das Auswärtige Amt mit. Einige seien verletzt und würden medizinisch behandelt. Die Anschuldigungen seien zum Teil schwerwiegend. Man erwarte eine umfassende Aufklärung. Zuvor hatte ein Video des rechtsextremen Ministers für nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, international für Empörung gesorgt. In den Aufnahmen ist zu sehen, wie der Minister in einem Gefängnis am Boden fixierte Aktivisten verspottet. Die Europäische Union prüft mögliche Sanktionen gegen Ben-Gvir.