SPD: Heftiger Widerspruch gegen Albigs Öffnung zur Zusammenarbeit mit AfD

Datum23.05.2026 14:16

Quellewww.spiegel.de

TLDRDer frühere SPD-Ministerpräsident Torsten Albig hat für eine Annäherung an die AfD plädiert, was auf heftige Kritik aus seiner eigenen Partei stößt. SPD-Politiker verteidigen die "Brandmauer" zur AfD und betonen deren Widerspruch zu sozialdemokratischen Werten. Albig, nun Tabaklobbyist, schlug vor, Minderheitsregierungen zu tolerieren, die von der AfD gestützt werden. Die AfD lobte diesen Vorschlag als realistisch.

InhaltDer frühere Spitzen-Genosse Torsten Albig will die SPD für eine Zusammenarbeit mit der AfD öffnen. Aus den Reihen seiner eigenen Partei kommt heftige Kritik für den Vorstoß. Für seinen Vorstoß, die Politik der Brandmauer zur AfD zu überdenken, ist der frühere schleswig-holsteinische Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) in den eigenen Reihen scharf kritisiert worden. "Alles daran ist falsch und verheerend. Für Sozialdemokraten kann es niemals eine Zusammenarbeit geben mit den ideologischen Nachfahren einer Partei, die uns verfolgt hat", sagte Nordrhein-Westfalens SPD-Fraktionschef Jochen Ott am Samstag der "Bild" (mehr zu Albigs Forderung lesen Sie hier). "Der Feind steht rechts. Das sehen der Bundeskanzler und führende Christdemokraten zum Glück genau so", fuhr Ott fort. Mecklenburg-Vorpommerns SPD-Fraktionschef Julian Barlen sagte der Zeitung, sein Landesverband brauche "keine Ratschläge von jemandem, der die Politik vor Jahren verlassen hat, sondern eine stabile Regierung mit klarer Haltung". Der Berliner SPD-Chef und Spitzenkandidat für die Wahl im September, Steffen Krach, sagte der "Bild", die AfD stehe "im absoluten Widerspruch zu allem, wofür wir als SPD seit Jahrzehnten arbeiten". Es gebe da keinen gemeinsamen Nenner. "Sie ist in weiten Teilen rechtsextrem, macht Politik nur für Reiche, sie bekämpft die Rechte von Frauen und Arbeitnehmern, will unsere Demokratie zerstören und sie klebt an Putins Stiefel." Albig, der zwischen 2012 und 2017 Regierungschef in Schleswig-Holstein war, ist mittlerweile Tabaklobbyist beim Zigarettenkonzern Philip Morris. Albig hatte der "Neuen Osnabrücker Zeitung" gesagt: "Wenn 30 Prozent diese Partei wählen, können wir nicht auf Dauer so tun, als wäre das die Ausgeburt der Hölle." Mit Blick auf die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern im Herbst empfahl Albig der SPD, Minderheitsregierungen zu akzeptieren, die von der AfD toleriert werden. Lob dafür kam erwartungsgemäß von der AfD selbst. "Demokratie funktioniert", sagte Parlamentsgeschäftsführer Bernd Baumann dem "Handelsblatt". "Früher oder später erzwingt der Wählerwille entweder eine Veränderung der Politik oder den Untergang der Parteien, die sich dagegen sperren." Albig habe "verstanden, dass es für die SPD höchste Zeit ist, das zu erkennen".