French Open: Für manche Profis kann Tennis ein Minusgeschäft sein

Datum23.05.2026 12:39

Quellewww.zeit.de

TLDRTop-Tennisprofis bei den French Open boykottieren TV-Interviews, um mehr Preisgeld für tiefer platzierte Spieler zu fordern. Sie verlangen eine höhere Beteiligung am Turnierumsatz, nicht für sich selbst, sondern um Spielern am unteren Ende der Rangliste und solchen nach Verletzungen zu helfen. Die Spieler wollen auch mehr Mitspracherecht bei Slam-Entscheidungen. Die Turnierleitung lehnt derzeit Verhandlungen ab, betont aber Preisgelderhöhungen der letzten zehn Jahre.

InhaltVor dem Start der French Open boykottieren die weltbesten Profis TV-Interviews. Sie fordern mehr Preisgeld – allerdings nicht für sich. Aryna Sabalenka beendete noch ihren Gedankengang. Dann brach die Nummer eins im Tennis ihre Konferenz mit der Weltpresse eigenständig ab. Eine Aufgabe, die sonst den Pressesprechern der Tennistouren vergönnt ist. "Es ist jetzt Zeit für Fragen der nationalen Medien", sagte Sabalenka und bedankte sich noch bei den dutzenden Journalisten. Die Berichterstatter verließen daraufhin artig, aber durchaus diskutierend den größten Pressekonferenzsaal in den Katakomben des Court Philippe Chatrier – dem größten Stadion der French Open in Paris. Sabalenka setzte ihre Frage-Antwort-Runde mit den wenigen Pressevertretern ihres Heimatlandes Belarus fort und boykottierte dann wie alle Topspieler die obligatorischen TV-Interviews. Es ist das bestimmende Thema vor dem am Sonntag beginnenden Grand Slam:Der von den besten Tennisspielern der Welt – unter ihnen Sabalenka, Jannik Sinner und Alexander Zverev – umgesetzte Medienboykott ist der Kampf gegen die Verantwortlichen der French Open um mehr Preisgeld. Die Topspieler limitierten sich auf 15 Minuten, sprachen vor der schreibenden Weltpresse und boykottierten anschließend die sonst üblichen, zahlreichen TV-Interviews mit den zahlenden übertragenden Sendern. Das sollte die Verantwortlichen aus Frankreich ärgern. Es geht ums Geld. Ein auch im Tennis kompliziertes Thema. Zwar ist das Gesamtpreisgeld, das der französische Verband (FFT) als Ausrichter in Roland Garros ausschüttet, im Vergleich zum Vorjahr um neun Prozent auf 61,7 Millionen Euro brutto gestiegen. Das entspricht allerdings nur rund 15 Prozent der Gesamteinnahmen, die der FFT mit diesem Großereignis generiert. Die Topspieler wollen mehr vom Kuchen, forderten bereits im vergangenen Jahr 22 Prozent. Allerdings nicht, so sagen sie, um sich selbst zu bereichern. "Es geht um die Spieler, die in der Rangliste weiter unten stehen, die zu kämpfen haben", sagte Sabalenka am Freitag. Als Nummer eins der Welt habe sie das Gefühl, dass sie sich einsetzen und für diese Spieler kämpfen müsse. "Für Spieler aus den unteren Rängen, für Spieler, die nach Verletzungen zurückkommen, für die kommende Generation. Ich finde, unser Standpunkt ist ziemlich klar." Alexander Zverev sagte auf Anfrage: "Es geht uns darum, einen fairen Weg zu finden, damit die Tour wächst. Nicht nur die Topspieler sollen reicher werden, auch Spieler, die auf 200 in der Weltrangliste stehen, die super Tennisspieler sind. Der 200. beste Fußballspieler oder Basketballspieler ist wahrscheinlich Multimillionär." Die Forderung lautete damals wie heute: mehr Geld in den ersten Runden ausschütten und in die Rücktrittsfonds der Spieler einzahlen, damit mehr Tennisprofis von ihrem Sport leben können. Zudem wollen die Stars der Szene als Hauptakteure des Turniers und Hauptgrund für die hohen Einnahmen mehr Mitspracherecht bei Entscheidungen bei den Slams. Die unzureichende Kommunikation vonseiten der Turnierdirektorin Amélie Mauresmo und des FFT-Präsidenten Gilles Moretton sowie die in Paris 2026 ausgeschütteten 15 Prozent empfanden die meisten Spieler im Gesamtkontext als respektlos. Doch Mauresmo erklärte bereits nach der Boykottandrohung am Donnerstag in diesem Jahr nicht mit den Spielern verhandeln zu wollen. Der Boykott belaste die Situation. "Aber wir werden nicht nachgeben. Das Preisgeld hat sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt."