Ebola im Kongo: WHO erhöht Ebola-Risikostufe auf »sehr hoch«

Datum23.05.2026 12:09

Quellewww.spiegel.de

TLDRDie WHO hat die Risikostufe für Ebola im Kongo auf „sehr hoch“ erhöht, mit fast 750 Verdachtsfällen und über 80 bestätigten Infektionen. Die Ausbreitung wird durch bewaffnete Konflikte und viele Flüchtlinge erschwert. Die USA fordern, dass die kongolesische Fußballnationalmannschaft vor der WM 21 Tage unter Quarantäne gestellt wird, um eine Einschleppung nach Amerika zu verhindern.

InhaltBeim schweren Ebolaausbruch in der Demokratischen Republik Kongo gibt es fast 750 Verdachtsfälle. Die USA fordern vor der Fußball-WM 21 Tage Isolation für das kongolesische Team. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat das Risiko einer nationalen Ausbreitung des Ebolavirus in der Demokratischen Republik Kongo hochgestuft. ​Für den Kongo gelte nun die Risiko-Stufe "sehr hoch", für die Region die Stufe "hoch" und auf globaler Ebene die Stufe "niedrig", sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Freitag. Laut WHO waren bis Freitag im Kongo 82 Infektionen und sieben Todesfälle offiziell bestätigt. Zudem gebe es 177 ungeklärte Todesfälle und fast 750 Verdachtsfälle. Das Nachbarland Uganda meldete am Samstag drei weitere neue Ebolafälle, womit jetzt fünf Fälle in dem Land bestätigt sind. Zwei davon standen in direktem Kontakt zum ersten Krankheitsfall. Die Bekämpfung des Ebolaausbruches in der Demokratischen Republik Kongo wird auch dadurch erschwert, dass die östlichen Provinzen des Landes seit Jahrzehnten von schweren Kämpfen erschüttert werden. Teilweise werden Gebiete von Rebellengruppen kontrolliert. Zudem lebt eine große Zahl von Binnenflüchtlingen oft unter sehr beengten Verhältnissen in provisorischen Lagern. Allein in der Provinz Ituri, die die Mehrzahl der Krankheitsfälle verzeichnet, leben nach Uno-Angaben mehr als 920.000 Binnenflüchtlinge. Insgesamt gibt es im Ostkongo bis zu vier Millionen Binnenflüchtlinge. Ein Ebolaausbruch in einem dieser Flüchtlingslager wäre für Experten ein Schreckensszenario. "Die Arbeit findet statt in einem Kontext, wo es ständig Gewalt gibt", sagt der Berliner Epidemiologe Maximilian Gertler, der für die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) schon mehrfach im Ebola-Einsatz war. Das gilt aber nicht nur für Helfer, sondern auch für die Menschen vor Ort. "Das Verlassen des Dorfes oder die Reise zur nächsten Stadt mit einer medizinischen Einrichtung kann unter Umständen lebensgefährlich sein", betont er – abgesehen davon, dass sich viele Menschen das nicht leisten könnten. Eine besondere Lage besteht in Gebieten, in denen die Rebellengruppe M23 teils seit Jahren eigene Verwaltungsstrukturen haben und nun auch das Gesundheitswesen betreiben. So gab es in Goma, der Provinzhauptstadt von Nord-Kivu, zwei Ebolafälle, ein weiterer Fall wurde in Süd-Kivu bestätigt. Der Sprecher der Miliz informierte in Kommuniqués und über soziale Medien über Fallzahlen. Offiziell reden Regierung und Rebellen zwar nicht miteinander, und eine formelle Zusammenarbeit gibt es auch nicht bei Ebola. In einem Statement des politischen Arms der Miliz wurde allerdings betont, Leben und Gesundheit der Kongolesen müssten über allen politischen Gräben stehen. Eine Epidemie kenne keine Verwaltungsgrenzen, Kampflinien und politischen Zugehörigkeiten, betonte Corneille Nangaa, Chef der Congo River Alliance, dem politischen Flügel der M23. Derweil forderte die USA die Fußball-Nationalmannschaft der Demokratischen Republik Kongo auf, sich vor der Weltmeisterschaft 21 Tage lang zu isolieren. Andernfalls würde das Team die Einreise riskieren, wie Andrew Giuliani, Leiter der Task Force des Weißen Hauses für die WM, beim Fernsehsender ESPN sagte. Bislang plant das Team, sein Quartier ab dem 11. Juni in Houston aufzuschlagen. Die USA hätten dem Weltverband FIFA sowie der kongolesischen Nationalmannschaft und Regierung unmissverständlich mitgeteilt, dass das Team in Belgien eine abgeschottete Umgebung einhalten müsse, so Giuliani. Dort trainiert das Team derzeit und bestreitet zwei Vorbereitungsspiele. Er betonte, die USA nähmen die Gesundheit und Sicherheit der Weltmeisterschaft äußerst ernst: "Wir möchten sicherstellen, dass auf diesem Wege nichts in unsere Nähe oder in die Nähe unserer Grenzen gelangt."