Datum23.05.2026 06:58
Quellewww.spiegel.de
TLDRDer ehemalige schleswig-holsteinische Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) schlägt eine strategische Zusammenarbeit mit der AfD vor, inspiriert vom dänischen Modell. Albig argumentiert, dass Minderheitsregierungen, die themenbezogen Mehrheiten suchen, die SPD-Wählerschaft zurückgewinnen könnten. Er betont, dies sei keine ideologische Annäherung, sondern ein Signal des Verständnisses für Wähler, die sich von der SPD abgewandt haben. Angesichts steigender AfD-Umfragewerte in Ostdeutschland sieht Albig im Fortbestand der aktuellen Strategie eine existenzielle Gefahr für die SPD.
InhaltDie AfD liegt in Umfragen vorn, die SPD verliert. Der frühere Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, Torsten Albig, sieht einen Ausweg: Warum nicht probieren, was den Sozialdemokraten in Dänemark gelingt? Der frühere Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, Torsten Albig, hat seiner SPD empfohlen, sich auch auf von der AfD tolerierte Minderheitsregierungen einzulassen. "Wahrscheinlich wäre es sogar einfacher, wenn wie in Dänemark Sozialdemokraten die Ersten wären, die auch mit den Rechtspopulisten bei bestimmten Themen zusammenarbeiten, die unsere Wähler heute in deren Arme treiben", sagte der 62-Jährige der "Neuen Osnabrücker Zeitung" . Für ihn wäre es vorstellbar, "wenn also nach der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern beispielsweise Manuela Schwesig sagen würde: ›Ich suche mir meine Mehrheiten im Landtag je nach Thema‹." Vielparteienbündnisse mit CDU, Linken, Grünen oder BSW belasteten die Leistungsfähigkeit der Demokratie "und lassen nur noch frustrierte Wähler zurück", sagte Albig. Ex-Ministerpräsident Torsten Albig Eine Zusammenarbeit bedeute nicht, dass "wir das ideologische Gedankengut von Rechtspopulisten teilen, sondern weil wir unseren verloren gegangenen Wählern zeigen: Wir haben verstanden – kommt wieder nach Hause", sagte Albig. Alte Genossen träten eins zu eins in die AfD ein – "und das sicher nicht, weil die alle Nazis geworden sind, sondern weil sie bei uns etwas vermissen". "Wenn 30 Prozent diese Partei wählen, können wir nicht auf Dauer so tun, als wäre das die Ausgeburt der Hölle." So weiterzumachen wie bisher, berge die Gefahr, "dass es die Sozialdemokratie hierzulande bald nicht mehr gibt", so Albig. Vor den Landtagswahlen in Mecklenburg Vorpommern im September liegt die AfD in einer Erhebung von Infratest dimap bei 36 Prozent. Die SPD käme dort auf 27 Prozent. In Sachsen-Anhalt baut die AfD ihren Vorsprung vor der CDU aus. Laut einer Umfrage kommen die Rechtsextremen wenige Monate vor der Landtagswahl auf 41 Prozent und nähern sich einer Regierungsmehrheit an. Die SPD sehen die Meinungsforscher derzeit bei 7 Prozent. Albig war von 2009 bis 2012 Oberbürgermeister von Kiel und danach bis 2017 Ministerpräsident von Schleswig-Holstein. Nach einer verlorenen Landtagswahl zog er sich aus der aktiven Politik zurück und ging in die Wirtschaft. Nach leitenden Funktionen bei der Deutschen Post DHL und beim Bundesverband Deutscher Postdienstleister wechselte er 2023 als Lobbyist zum Tabakkonzern Philip Morris. Union und SPD warnen davor, dass die AfD an die Macht kommen könnte. Mit ihrem Geraune spielen sie den Rechtsextremen in die Hände. Wie es besser gehen kann, lesen Sie in diesem SPIEGEL-Leitartikel . Die AfD im Nordosten bereitet sich auf die Macht vor. Ein interner Programmentwurf zeigt, wie radikal der Umbau von Migration, Bildung und Kulturpolitik nach einem möglichen Wahlsieg der Partei ausfallen könnte.