Datum23.05.2026 05:58
Quellewww.zeit.de
TLDRDie USA verlangen von der Fußballnationalmannschaft der Demokratischen Republik Kongo eine 21-tägige Isolation, bevor sie zur WM einreisen darf. Dies ist Folge des Ebolaausbruchs im Kongo. Die Mannschaft befindet sich derzeit in Belgien. Die aktuelle Ebolavariante Bundibugyo ist sehr gefährlich und hat eine hohe Sterblichkeitsrate, gegen sie existiert kein Impfstoff.
InhaltTrotz des Ebolaausbruchs in der Demokratischen Republik Kongo hatten die USA dem Team eine Einreise zur WM zugesichert. Vorher müssen sie 21 Tage "isoliert" gewesen sein. Die US-Regierung hat die Fußballnationalmannschaft der Demokratischen Republik Kongo aufgefordert, sich wegen des Ebolaausbruchs in ihrer Heimat vor der Weltmeisterschaft in Isolation zu begeben. Wenn das Team in die USA einreisen wolle, müssten sich alle Mitglieder für 21 Tage wie in einer "Blase" isolieren, sagte der WM-Verantwortliche des Weißen Hauses, Andrew Giuliani. "Wir haben uns gegenüber dem Kongo sehr deutlich ausgedrückt, dass sie vollständig 21 Tage lang in ihrer Blase bleiben müssen, bevor sie nach Houston kommen können", sagte Giuliani dem Fernsehsender ESPN. In Houston will die Mannschaft ihr Quartier bei ihrer historisch zweiten WM-Teilnahme aufschlagen. Bisher hatte die US-Regierung es so dargestellt, als würde sie der kongolesischen Mannschaft die Einreise ohne Auflage gewähren. Das Außenministerium hatte erst vor wenigen Tagen mitgeteilt, dass den Spielern die Einreise gewährt werde, weil viele bereits zum Training in Europa seien. Nicht-US-Bürger dürfen wegen des Ebolaausbruchs in der Demokratischen Republik Kongo, in Uganda und im Südsudan derzeit nicht in die Vereinigten Staaten einreisen, wenn sie sich in den vergangenen 21 Tagen in einem der Länder aufgehalten haben. Dies gilt nun analog für die kongolesische Mannschaft. Das Team befindet sich derzeit zur Turniervorbereitung in Belgien. Es hatte ein dreitägiges Trainingslager in der kongolesischen Hauptstadt Kinshasa abgesagt und dort auch auf eine geplante Abschiedsveranstaltung mit Fans verzichtet. Der Ebolaausbruch wurde nicht offiziell als Grund dafür genannt. Die Fußball-WM findet in diesem Jahr vom 11. Juni bis 19. Juli in den USA, Mexiko und Kanada statt. Die Mannschaft der Demokratischen Republik Kongo soll am 17. Juni in Houston ihr erstes Gruppenspiel gegen Portugal bestreiten. Weitere Vorrundenspielorte für das Team aus dem afrikanischen Land sind Guadalajara in Mexiko und die US-Großstadt Atlanta. Im Kongo bereitet sich derzeit das Ebolavirus aus, laut Weltgesundheitsorganisation WHO ist die Gefahr für die öffentliche Gesundheit "sehr hoch". Die Zahl der Verdachtsfälle liegt inzwischen bei mehr als 700. Die aktuelle Epidemie wird von der erstmals 2007 nachgewiesenen seltenen Bundibugyo-Variante des Ebola-Virus verursacht. Gegen sie gibt es keinen Impfstoff und keine gezielte Therapie. Die Sterblichkeitsrate liegt bei 30 bis 50 Prozent. Ebola ist eine schwere Infektionskrankheit, die durch Viren der Gattung Ebolavirus ausgelöst wird. Es gibt mehrere Spezies des Virus, darunter Zaire, Sudan und Bundibugyo. Der aktuelle Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo wird vom selteneren Bundibugyo-Typus ausgelöst, mit dem bisher nur zwei Ausbrüche dokumentiert waren. Das Virus wird durch direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten wie Blut, Stuhl oder Erbrochenem von infizierten Personen übertragen. Eine Übertragung durch die Luft, wie bei Sars-CoV-2 oder der Grippe, ist für Ebola-Ausbrüche nicht dokumentiert. Die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Symptome beträgt meist zwei Tage bis drei Wochen. Infizierte sind ab Symptombeginn ansteckend; das Virus kann sich jedoch auch nach dem Tod weiterverbreiten, etwa bei engem Kontakt mit Verstorbenen im Rahmen von Beerdigungsritualen. Zu Beginn ähneln die Beschwerden mit Fieber, Glieder- oder Muskelschmerzen und starker Müdigkeit oft anderen Virusinfektionen. Im weiteren Verlauf können Übelkeit, Erbrechen und Durchfall hinzukommen; schwere Verläufe können unter anderem mit Atemnot, Krampfanfällen und Organversagen einhergehen und zum Tod führen. Ebola ist laut der Weltgesundheitsorganisation WHO in etwa der Hälfte der Fälle tödlich. Die Sterblichkeit variiert jedoch je nach Virusspezies zwischen 25 und 90 Prozent. Ebola-Bundibugyo hat mit schätzungsweise 30 bis 50 Prozent eine etwas geringere Letalität als etwa Ebola-Zaire. Entscheidend für die Überlebenschancen des Einzelnen ist eine frühe unterstützende Behandlung, insbesondere Flüssigkeits- und Elektrolytgabe sowie die Behandlung von Komplikationen. Es gibt zugelassene Ebola-Impfstoffe, allerdings nur gegen das Zaire-Ebolavirus, jene Spezies, die sich bei den großen Ebola-Ausbrüchen 2014 und 2018 verbreitet hat. Gegen das aktuell zirkulierende Bundibugyo-Ebolavirus gibt es derzeit keinen zugelassenen Impfstoff; die Entwicklung entsprechender Impfstoffe befindet sich noch in einem frühen Stadium. Ob die bereits gegen Zaire-Ebolavirus zugelassenen Impfstoffe auch gegen Bundibugyo ausreichend schützen, ist derzeit nicht durch belastbare Daten belegt.