Wildtiere in der Großstadt: Wölfe häufiger mal in Hamburg

Datum23.05.2026 05:30

Quellewww.zeit.de

TLDRWölfe werden vermehrt in Hamburg gesichtet, mit 20 Nachweisen in den letzten fünf Jahren. Ein Wolf wurde zuletzt sogar mitten in der Innenstadt aus der Binnenalster gerettet. CDU-Politiker kritisiert, dass der Senat zu zögerlich agiere und keinen klaren Managementplan habe, was er als fahrlässig bezeichnet, da es auch eine verletzte Person gab. Der Senat sieht den Wolf als scheu und reaktiviert und verweist auf die Komplexität eines übergreifenden Managementplans.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Wildtiere in der Großstadt“. Lesen Sie jetzt „Wölfe häufiger mal in Hamburg“. Schon bevor ein Wolf Ende März in der Hamburger Innenstadt auftauchte, gab es zahlreiche Sichtungen und Nachweise dieser Wildtiere in der Hansestadt. In seiner Antwort auf eine Schriftliche Kleine Anfrage aus der CDU-Fraktion listet der Senat für die vergangenen fünf Jahre 20 Wolfsnachweise, einen bestätigten Hinweis sowie 36 unbestätigte Hinweise auf. Im September vergangenen Jahres waren zwei Schafe in Hamburg-Marmstorf nachweislich von einem Wolf gerissen worden. Einen bestätigten Wildtierriss gab es laut Senatsantwort zuvor schon im April in Neuenfelde. Die meisten Wolfsnachweise wurden aus dem Naturschutzgebiet Duvenstedter Brook am nördlichen Stadtrand gemeldet. So weit ins Zentrum wie der junge Wolf, der in Altona zunächst in einer Einkaufspassage aufgetaucht und schließlich von der Polizei am Jungfernstieg mitten in der Innenstadt aus der Binnenalster geholt und eingefangen worden war, hatte es vor ihm aber wohl noch kein Tier geschafft. Für Ralf Niedmers, den jagdpolitischen Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion, hätte es so weit nicht kommen dürfen, zumal der Wolf bereits zuvor mehrfach gesehen worden sei. Die Antworten des Senats auf seine Anfrage zeigten "ein irritierendes Missverhältnis zwischen Sicherheitsinteressen der Bevölkerung und dem Schutz einzelner Tiere", sagte er der Deutschen Presse-Agentur.  "Obwohl ein Wolf tagelang durch dicht besiedelte Stadtgebiete streifte und sogar in einer Einkaufspassage auftauchte, wird nahezu reflexartig jede Form konsequenter Eingriffsmöglichkeiten relativiert." So führt der Senat in seiner Antwort aus, dass das Tier kein Interesse an Menschen gezeigt, sondern sich "ausnahmslos scheu und ausweichend" gezeigt habe. Auch habe es sich bei dem Vorfall in der Einkaufspassage, bei dem eine Frau verletzt worden war, nach Expertenmeinung nicht um einen Angriff gehandelt, "sondern um eine aus einer Stresssituation heraus erfolgte rein defensive Fluchtreaktion". Für Niedmers, der wissen wollte, ob man nicht früher gegen den Wolf hätte vorgehen müssen, eine fragwürdige Aussage. "Wer erst handeln will, wenn ein Wolf aktiv Menschen attackiert, handelt fahrlässig", sagte er. "Besonders kritisch ist, dass der Senat bis heute offenbar noch keinen fertigen Managementplan vorlegen kann, obwohl die Ausbreitung des Wolfes seit Jahren bekannt ist und Hamburg längst von Wanderbewegungen betroffen ist." Andere Bundesländer beschäftigten sich seit Jahren mit klaren Regelwerken, technischen Möglichkeiten und rechtssicheren Eingriffsbefugnissen. Da nicht damit zu rechnen sei, dass sich Wölfe dauerhaft auf dem Hamburger Stadtgebiet niederlassen, sei auch keine reguläre Bejagung des Wolfes im Sinne eines Bestandsmanagements vorgesehen, schreibt der Senat. Dennoch werde in Abstimmung mit den Nachbarländern an einem solchen Plan gearbeitet:   "Aufgrund der Komplexität der Materie ist derzeit noch kein konkreter Termin für die Vorlage des revierübergreifenden Managementplans benennbar." © dpa-infocom, dpa:260523-930-119327/1