Datum22.05.2026 22:22
Quellewww.spiegel.de
TLDRRussland wirft der Ukraine nach einem mutmaßlichen Angriff auf ein Studentenwohnheim in Luhansk einen "Terrorakt" vor und droht mit Vergeltung. Die Ukraine bezeichnet dies als "Manipulation" und erklärt, ein Hauptquartier einer russischen Spezialeinheit getroffen zu haben. Beide Seiten behaupten, keine zivilen Ziele anzugreifen, doch der Uno-Sicherheitsrat verurteilt Angriffe auf Zivilisten. Unabhängig überprüfbare Opferzahlen liegen nicht vor.
InhaltNach einem mutmaßlichen Angriff auf ein Studentenwohnheim in der von Russland besetzten Region Luhansk droht Wladimir Putin mit Vergeltung. Die Ukraine widerspricht: Man habe eine russische Spezialeinheit getroffen. Auch die Uno reagiert. Kremlchef Wladimir Putin hat nach einem mutmaßlichen Angriff auf ein Studentenwohnheim im von Russland besetzten Gebiet Luhansk von einem "Terrorakt" gesprochen. Nach seinen Angaben gab es mindestens sechs Tote, 39 Verletzte und 15 Vermisste. Das Gebäude einer Berufsschule in Starobilsk sei in der Nacht nach russischen Angaben von einer ukrainischen Drohne getroffen worden. Unabhängig überprüfen lassen sich die Angaben nicht. Auch zu der Zahl der Opfer und Vermissten in dem Wohnheim gibt es keine verifizierten Informationen. Putin forderte das russische Verteidigungsministerium auf, Vorschläge für eine Reaktion vorzubereiten, und stellte den Betroffenen Hilfe in Aussicht. Auf Bitten Russlands kam der Uno-Sicherheitsrat in New York zu dem Thema zusammen. "Jeden Angriff auf Zivilisten und zivile Infrastruktur verurteilen wir scharf, egal wo sie geschehen", sagte ein Sprecher des Uno-Generalsekretärs António Guterres. Dieser habe immer wieder betont, dass solche Angriffe völkerrechtswidrig seien und sofort aufhören müssten. Der ukrainische Generalstab erklärte dagegen, die russische Darstellung sei eine "Manipulation". Es sei kein Studentenwohnheim, sondern ein Hauptquartier der russischen Spezialeinheit "Rubikon" im Raum Starobilsk getroffen worden. Die Einheit habe Drohnen gebaut, die regelmäßig für Angriffe auf Zivilisten und zivile Ziele in der Ukraine eingesetzt würden. Die Militärführung in Kyjiw betonte, man halte sich an das humanitäre Völkerrecht und greife keine zivilen Ziele an. Putin behauptete, in der Nähe des Wohnheims gebe es "keinerlei militärische Einrichtungen" oder Geheimdienststellen. Niemand könne sagen, das Gebäude sei zufällig getroffen worden. Die Ukraine wolle mit solchen "Verbrechen" von der Lage im Land und an der Front ablenken. Russland führt seit 2022 einen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Das annektierte Gebiet Luhansk steht nach russischen Angaben vollständig unter Kontrolle Moskaus. Beide Kriegsparteien behaupten stets, nur militärische Ziele anzugreifen. Trotzdem kommt es auf beiden Seiten immer wieder zu Toten und Verletzten unter Zivilisten sowie zur Zerstörung ziviler Infrastruktur. Die Verluste durch die russischen Angriffe in der Ukraine sind dabei um ein Vielfaches höher. Mehr Rechte, besserer Schutz: Kanzler Merz schlägt vor, die Ukraine zum "assoziierten Mitglied" der EU zu machen. Wieso ein renommierter Politologe aus Kyjiw trotzdem nicht an eine schnelle Lösung glaubt, lesen Sie hier.