Datum22.05.2026 19:28
Quellewww.spiegel.de
TLDRKevin Warsh wurde als neuer Chef der US-Notenbank, der Federal Reserve, vereidigt. Präsident Trump erwartet von ihm Zinsanpassungen, um die Wirtschaft anzukurbeln, betont aber auch die Unabhängigkeit der Fed. Warsh, Trumps Wunschkandidat, hat sich für Zinssenkungen und eine Bilanzverkürzung ausgesprochen, strebt aber auch engere Abstimmung mit der Regierung an. Er versicherte, unabhängig zu agieren und keine Marionette Trumps zu sein. Die Fed bleibt wegen steigender Inflation und Energiepreisen wachsam.
InhaltEine Marionette Donald Trumps? Das will Kevin Warsh nicht sein. Der neue Chef der US-Notenbank hat sein Amt offiziell angetreten. Bei der Zeremonie machte der US-Präsident klar, dass er von ihm einen Kurswechsel erwartet. Kevin Warsh ist als neuer Chef der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) vereidigt worden. Der 56-Jährige wurde am Freitag im Weißen Haus von US-Präsident Donald Trump für eine vierjährige Amtszeit als Nachfolger von Jerome Powell eingeschworen. Trump sagte bei der Zeremonie, er sei für eine unabhängige Fed. "Schauen Sie nicht auf mich, schauen Sie auf niemanden, machen Sie einfach Ihr eigenes Ding und leisten Sie hervorragende Arbeit", so Trump. Zugleich machte er aber erneut deutlich, dass er Weichenstellungen für einen niedrigeren Leitzins erwarte. "Wie keiner seiner Vorgänger versteht Kevin, dass es eine gute Sache ist, wenn die Wirtschaft boomt", sagte Trump. Der Führungswechsel fällt in eine Phase, in der die Unabhängigkeit der Notenbank unter Druck geraten ist. Warshs Vorgänger Powell war von Trump immer wieder heftig attackiert worden, weil er die Leitzinsen aus Sicht des Präsidenten zu zögerlich gesenkt hatte. Warsh, Trumps Wunschkandidat, für die Fed-Spitze, hat sich offen für die Option von Zinssenkungen gezeigt und will zugleich die Bilanz der Federal Reserve deutlich verkürzen. Außerdem strebt er eine engere Abstimmung mit der Regierung an. Warsh hatte im Bestätigungsverfahren im Senat zugesichert, Zinsentscheidungen strikt unabhängig von politischen Erwägungen zu treffen. Er sei keine Marionette des US-Präsidenten, betonte er. Die Fed treibt die Sorge vor steigender Inflation um. Bei der Sitzung Ende April sprach sich eine wachsende Zahl von Notenbankern dafür aus, die Basis für eine mögliche Zinserhöhung zu schaffen. Eine Mehrheit erklärte, eine Straffung der Geldpolitik könne erforderlich sein, sollte die Inflation anhaltend über dem Ziel der Notenbank von zwei Prozent bleiben. Gestiegene Energiepreise im Zuge des Irankriegs treiben die Teuerung: Die Verbraucherpreise stiegen im April um 3,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Powell leitete Ende April seine letzte Sitzung als Notenbankchef. Er will jedoch als einfaches Mitglied im Board bleiben. Der Streit zwischen Trump und Powell gipfelte in Ermittlungen gegen Powell im Zusammenhang mit der Renovierung der Notenbankzentrale in Washington, die inzwischen eingestellt wurden. Mit Kevin Warsh bekommt US-Präsident Donald Trump einen Notenbankchef nach seinem Geschmack. Wieso Warsh genau der Falsche für eine große Krise ist, lesen Sie hier.