Datum15.10.2025 14:56
Quellewww.spiegel.de
TLDRLaut einer IAB-Studie hat sich der Beschäftigtenanteil von ukrainischen Flüchtlingen in Deutschland binnen zwei Jahren auf 0,6 Prozent verdreifacht. Rund 242.000 Geflüchtete waren Ende 2024 erwerbstätig, vor allem in kleinen und mittelständischen Betrieben. Die Forscher warnen jedoch, dass geplante Regelungen der Bundesregierung, die ukrainische Flüchtlinge unter das Asylbewerberleistungsgesetz stellen, den positiven Trend bremsen könnten. Sie fordern, dass Integrations- und Fördermaßnahmen nicht verschlechtert werden, um die erreichten Fortschritte nicht zu gefährden.
InhaltBinnen zwei Jahren haben laut einer Studie deutlich mehr aus der Ukraine geflüchtete Menschen einen Job in Deutschland gefunden. Forscher warnen, die Regierung könnte den positiven Trend durch neue Regelungen bremsen. Der Beschäftigtenanteil von Geflüchteten aus der Ukraine hat sich in Deutschland einer Erhebung zufolge binnen zwei Jahren verdreifacht. Ende 2024 waren rund 0,6 Prozent der Beschäftigten in der Bundesrepublik ukrainische Geflüchtete, wie das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg unter Berufung auf eine eigene Studie mitteilte . 2022 hatte dieser Anteil demnach noch 0,2 Prozent betragen. Die Studie beruht den Angaben zufolge auf Daten aus der IAB-Stellenerhebung, einer regelmäßigen Betriebsbefragung von rund 15.900 Betrieben. Rund 242.000 Geflohene aus der Ukraine waren im vierten Quartal 2024 in Deutschland in Arbeit, wie es hieß. Davon 165.000 in einem sozialabgabenpflichtigen Job. Der Studie zufolge konzentriert sich der Anstieg vor allem auf kleine und mittlere Betriebe. Gut zwei Drittel der beschäftigten Ukrainer waren in Unternehmen mit zehn bis 249 Mitarbeitern tätig. Dem IAB zufolge hatten 14 Prozent der Betriebe in den vergangenen zwölf Monaten als Arbeitgeber Kontakt zu Geflüchteten aus der Ukraine, etwa durch Bewerbungen oder Vorstellungsgespräche. Von den Unternehmen, die Personal suchten, gaben 41 Prozent an, mindestens eine Person aus der Ukraine eingestellt zu haben. Hochgerechnet hätten rund 124.000 Betriebe im vergangenen Jahr mindestens einen ukrainischen Geflüchteten eingestellt. "Gerade die betrieblichen Erfahrungen in Form von Einstellungen haben einen positiven Effekt auf die Einstellungschancen weiterer geflüchteter Menschen", erklärte IAB-Forscher Martin Dietz. Die Forscher warnten jedoch, dass auf die positive Entwicklung ein Dämpfer folgen könnte. Hintergrund ist die von der Bundesregierung geplante Neuregelung. Diese sieht vor, dass neu ankommende ukrainische Geflüchtete unter das Asylbewerberleistungsgesetz fallen – und damit nicht mehr in die Zuständigkeit der Jobcenter. "Trotz dieser Änderung sollten sich die Rahmenbedingungen zur Integration in Arbeit und Gesellschaft, die auch entsprechende Beratungs- und Förderleistungen umfassen, nicht verschlechtern", mahnte IAB-Forscher Dietz. "Ansonsten bestünde die Gefahr, dass die positiven Entwicklungen der vergangenen Jahre einen Dämpfer bekämen. Im Oktober 2023 hatte die damalige Ampelregierung ihre Strategie im Umgang mit Geflüchteten insbesondere aus der Ukraine geändert und den sogenannten Jobturbo gestartet. Fortan sollten diese Menschen schneller und mit mehr Nachdruck in Arbeit kommen. Wer einen Integrationskurs absolvierte, sollte danach schnell eine Beschäftigung aufnehmen können und mit dem Ziel der nachhaltigen Integration parallel weiterqualifiziert werden. Das IAB schreibt, der Anteil des Jobturbos an der positiven Entwicklung lasse sich auf Basis der Studie nur schwer beziffern.