Datum22.05.2026 00:24
Quellewww.spiegel.de
TLDRDie Hinrichtung eines dreifachen Mörders in Tennessee wurde wegen Schwierigkeiten bei der Venenfindung kurz vor der Vollstreckung abgebrochen. Nach 30 Jahren Haft suchten Anwälte vergeblich nach Beweisen für seine Unschuld, während der Bundesstaat die Tödlichkeit der Giftspritze prüfte. Nach dem Vorfall wurde die Hinrichtung vorerst auf ein Jahr verschoben.
InhaltPer Giftspritze sollte das Todesurteil gegen einen dreifachen Mörder in den USA vollstreckt werden. Doch dann kam ein medizinisches Problem dazwischen. Der Mann ist vorerst wieder "von der Trage". In letzter Sekunde ist im US-Bundesstaat Tennessee eine geplante Hinrichtung per Todesspritze gestoppt worden. Ein Zugang sei gelegt worden, doch für den gesetzlich vorgeschriebenen zweiten Zugang sei trotz mehrerer Versuche keine Vene gefunden worden, teilte die zuständige Vollzugsbehörde mit. Der Verurteilte sei derzeit wieder "von der Trage", wurde eine Anwältin beim Sender NBC News zitiert. Der Verurteilte sitzt bereits seit über 30 Jahren im Gefängnis, nachdem er unter anderem wegen dreifachen Mordes verurteilt wurde. Seine Anwälte versuchten bis zuletzt, mit einer DNA-Analyse seine Unschuld zu beweisen. Melanie Verdecia, die den Verurteilten neben anderen rechtlich vertritt, sagte: "Der Bundesstaat Tennessee foltert derzeit im Namen der Gerechtigkeit einen Mann, der seine Unschuld beteuert. So sollte unser System nicht funktionieren." Die Todesstrafe ist in den USA umstritten, bislang haben sie 23 der 50 US-Bundesstaaten abgeschafft. In mehreren anderen Bundesstaaten wird sie de facto nicht mehr vollstreckt. In Tennessee wurde zuletzt über die Tauglichkeit der Giftspritze debattiert. Sie ist USA-weit die häufigste Hinrichtungsmethode. Der Bundesstaat hatte sämtliche Hinrichtungen für drei Jahre ausgesetzt, nachdem bekanntgeworden war, dass er die tödlichen Injektionen nicht ordnungsgemäß auf Wirksamkeit geprüft hatte. Der Gouverneur des Bundesstaates, Bill Lee, zog kurz nach der Nachricht über die abgebrochene Hinrichtung Konsequenzen. Die Exekution werde für ein Jahr aufgeschoben, teilte sein Büro mit. Ein Gnadenersuchen des Verurteilten hatte Lee wenige Tage zuvor noch abgelehnt. Die Zahl der weltweit erfassten Hinrichtungen ist der Menschenrechtsorganisation Amnesty zufolge im vergangenen Jahr massiv gestiegen. Verzeichnet wurden 2025 insgesamt 2707 Hinrichtungen in 17 Ländern – das entspricht im Vergleich zum Vorjahr einem Anstieg von 78 Prozent. Amnesty zufolge ist es der höchste dokumentierte Stand seit 1981. Die tatsächliche Zahl der vollstreckten Todesstrafen dürfte noch deutlich höher liegen (mehr zum Thema hier).