Datum21.05.2026 20:20
Quellewww.spiegel.de
TLDRIsrael hat nach dem Abfangen von vier Schiffen einer Gaza-Hilfsflotte etwa 430 ausländische Aktivisten, darunter acht Deutsche, nach Istanbul abgeschoben. Die Aktivisten wollten die Seeblockade des Gazastreifens durchbrechen. Ein Video des israelischen Ministers Ben-Gvir, das die Festnahme der Aktivisten zeigt und international kritisiert wurde, ging der Abschiebung voraus. Die Bundesregierung verurteilte Ben-Gvirs Verhalten.
InhaltIsrael hat zuletzt Dutzende Boote der Gaza-Hilfsflotte gestoppt. Jetzt wurden nach Angaben des Außenministeriums Hunderte ausländische Aktivisten abgeschoben – darunter auch acht Deutsche. Israel hat alle festgenommenen ausländischen Teilnehmer der jüngsten Gaza-Hilfsflotte ausgewiesen. Das teilte das israelische Außenministerium mit. Am Mittwoch hatte das israelische Militär die Aktivistinnen und Aktivisten auf ihren Schiffen in internationalen Gewässern abgefangen und in Gewahrsam genommen. Rund 430 Aktivisten wollten die Seeblockade des Gazastreifens durchbrechen. Laut dem Rechtszentrum für die Rechte arabischer Minderheiten in Israel (Adalah) wurden die Aktivisten von einem zivilen Flughafen nahe der südisraelischen Stadt Eilat ausgeflogen. Auch acht deutsche Aktivisten der in Israel festgesetzten Gaza-Flottille "Global Sumud Flotilla" sind nach Angaben aus dem Auswärtigen Amt in die Türkei ausgeflogen worden. Ursprünglich sei man von einer höheren Anzahl betroffener Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit ausgegangen, teilte das Ministerium in Berlin am Donnerstag mit. Das deutsche Generalkonsulat Istanbul werde die Ausgeflogenen am dortigen Flughafen in Empfang nehmen. Die deutsche Botschaft in Tel Aviv habe die konsularische Betreuung der deutschen Staatsangehörigen übernommen und stehe weiterhin in engem Austausch mit den zuständigen israelischen Behörden und internationalen Partnern, hieß es weiter. Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes werden zu konsularischen Einzelfällen keine weiteren Angaben gemacht. Der Abschiebung ging ein Video des rechtsextremen israelischen Ministers für nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, voraus. Dervon Ben-Gvir auf dem Onlinedienst X mit dem Titel "Willkommen in Israel" veröffentlichte Clip zeigt unter anderem eine Aktivistin, die "Free, free Palestine" ruft und daraufhin am Kopf gepackt und zu Boden gedrückt wird. Zudem zeigt es Aktivisten, die mit auf dem Rücken gefesselten Händen und der Stirn auf dem Boden knien müssen. Auch Ben-Gvir selbst ist zu sehen, während er vor den knienden Aktivisten eine israelische Flagge schwenkt. Der Clip sorgte international für Empörung. Auch die Bundesregierung hat das Vorgehen des Ministers verurteilt. Außenminister Johann Wadephul bezeichnete das Verhalten Ben-Gvirs als "vollkommen inakzeptabel". Polen, Frankreich, Spanien, Portugal, die Niederlande und Kanada bestellten aus Protest gegen das Video den israelischen Botschafter ein. Mehr über die aktuellen Entwicklungen von Israels Vorgehen in Gaza lesen Sie hier.