Datum21.05.2026 19:22
Quellewww.zeit.de
TLDRRund 30 Autoren distanzieren sich vom Westend Verlag wegen der Publikation des Buches "Links – Deutsch / Deutsch – Links". Sie werfen dem Verlag eine ideologische Neuausrichtung vor, da er Beiträge enthält, die der AfD nahestehen. Die Autoren kündigen an, künftig keine Bücher mehr dort zu veröffentlichen. Der Verlag bedauert den Schritt und betont, eine Plattform für kritische Perspektiven zu sein, die auch abweichende Standpunkte im demokratischen Rahmen ernst nimmt.
InhaltWegen der Publikation eines Buches von Julian Reichelt und Pauline Voss gibt es Kritik am Westend Verlag. Mehrere Autoren wollen ihre Zusammenarbeit mit dem Haus beenden. Rund 30 Autorinnen und Autoren haben sich in einem offenen Brief vom Westend Verlag distanziert. Sie werfen ihm darin eine ideologische Neuausrichtung vor und kündigen an, künftig keine Bücher mehr dort veröffentlichen zu wollen. Zu den Unterzeichnenden zählt auch der Linken-Politiker Gregor Gysi. Auslöser ist die Veröffentlichung des Buches Links – Deutsch / Deutsch – Links, das von Julian Reichelt und Pauline Voss herausgegeben wurde, die zum Führungsteam des Onlinemediums Nius gehören. Der Westend Verlag teilte mit, man nehme den offenen Brief mit Bedauern zur Kenntnis. Zunächst hatte der Spiegel über den Vorgang berichtet. Die Unterzeichner werfen dem Verlag vor, mit dieser Veröffentlichung sein Programm "bis hin zur extremen Rechten" geöffnet zu haben. In dem Brief kritisieren sie unter anderem, dass der Sammelband Beiträge von Autorinnen und Autoren enthalte, deren Positionen der AfD nahestünden, "einer aus unserer Sicht demokratiebedrohenden Partei". "Wir erkennen ausdrücklich Ihr selbstverständliches Recht an, zu veröffentlichen, was Sie wollen, auch wenn Sie damit rechten Kulturkämpferinnen und -kämpfern eine weitere Plattform bieten", teilten die Autorinnen und Autoren in ihrem offenen Brief mit. "Wir nehmen allerdings für uns das Recht in Anspruch, unsere publizistische Arbeit nicht in dieser ideologischen Nachbarschaft fortzusetzen." Der in Neu-Isenburg bei Frankfurt ansässige Verlag teilte mit, dass auch abweichende Standpunkte innerhalb des demokratischen Rahmens nicht delegitimiert werden sollten. Solche Positionen seien vielmehr als Teil einer offenen Debatte ernst zu nehmen. "Gerade unterschiedliche, auch gegensätzliche Ansätze helfen, und dies halten wir für wesentlich dabei, favorisierte Analysen zu schärfen und weiterzuentwickeln", teilte das Publikationshaus mit. Nach Darstellung der Autorinnen und Autoren hatte der Verlag zuvor nicht auf eine Aufforderung zu Gesprächen reagiert. Der Westend Verlag wies das zurück und teilte mit, die Türen für einen Austausch stünden immer offen. Man verstehe sich ausdrücklich als Plattform für kritische Perspektiven auf gesellschaftliche Entwicklungen – "ohne Anspruch auf ideologische Geschlossenheit".