Miami Beach: »We are no Nazi boys«

Datum21.05.2026 18:38

Quellewww.zeit.de

TLDRZwei deutsche Touristen (62 und 58) wurden in Miami Beach festgenommen, nachdem sie ein Hakenkreuz und "Adolf was here" auf eine Regenbogenbank malten. Die Bank im Lummus-Park ist ein Symbol gegen Hass, besonders nach der Entfernung eines Regenbogen-Zebrastreifens. Die Männer gestanden und nannten es einen Witz. Sie sind gegen Kaution frei und die Strafverfolgung prüft, ob es sich um ein Hassverbrechen handelt. Der deutsche Generalkonsul verurteilte die Tat.

InhaltZwei deutsche Touristen sind in Miami Beach festgenommen worden. Sie sollen ein Hakenkreuz auf eine Bank in Regenbogenfarben geschmiert haben. Zwei Männer in Shorts sitzen auf einer Bank in den Farben des Regenbogens. Die beiden fühlen sich offenbar unbeobachtet. Auf einem Video einer Überwachungskamera direkt hinter ihnen sind sie aber recht deutlich zu sehen: Am Montag wurden zwei deutsche Touristen in Miami Beach dabei gefilmt, wie einer von ihnen ein Hakenkreuz auf die Bank kritzelte, dazu den Spruch "Adolf was here". Der andere, so wirkt es, schirmte seinen Begleiter vor den Blicken von Passanten ab. Wenig später nahm die Polizei die beiden Männer fest. So schildert es ein Polizeisprecher dem amerikanischen Sender CBS News, der auch das Video der Überwachungskamera ausgestrahlt hat. Sie sollen 62 und 58 Jahre alt sein und aus Hessen stammen. Mittlerweile sind sie auf Kaution wieder auf freiem Fuß. Die Staatsanwaltschaft prüft Medienberichten zufolge, ob die Tat nur als Ordnungswidrigkeit oder aber als Hassverbrechen zu bewerten ist. Eine Anfrage der ZEIT ließ die Polizei von Miami Beach unbeantwortet. Die Bank im Lummus-Park direkt am Strand hat eine symbolische Bedeutung für Miami Beach. Sie war erst im April aufgestellt worden. Die Stadt wollte damit ein Zeichen setzen, nachdem die republikanische Regierung des Bundesstaats Florida einen berühmten Zebrastreifen in Regenbogenfarben in der Nähe entfernen lassen hatte. "Es ging nicht nur um die LGBT-Gemeinschaft", sagte Stadtrat Joe Magazine nach der Tat dem TV-Sender WSVN. "Es ging darum, für jeden einzustehen, gegen Hass zu kämpfen." Magazine hatte die Bank gestiftet. Den Berichten zufolge haben die Deutschen die Tat in einem Polizeiverhör eingeräumt und als Witz bezeichnet. In einem TV-Beitrag sind die beiden in orangener Gefängniskleidung zu sehen. Einer der beiden läuft nach seiner Haftentlassung vor einer Reporterin davon, die ihn mit den Vorwürfen konfrontiert. Der andere Mann sagte einem lokalen Fernsehsender vor dem Gefängnistor, es tue ihm leid. Es sei ein großer Fehler gewesen und: "We are no Nazi boys." Der deutsche Generalkonsul in Miami, Christofer Burger, äußerte sich am Dienstag auf Instagram zu dem "idiotischen Akt des Vandalismus". Er sei entsetzt von den Meldungen, die ihn während einer Zeremonie erreichten, bei der Nachfahren von Holocaustüberlebenden wieder die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen hätten. Auf Englisch erklärte Burger in der Videobotschaft, dass die Verwendung von NS-Symbolen wie dem Hakenkreuz in Deutschland unter Strafe stehe. Das Konsulat habe Kontakt zur Stadt und der jüdischen Gemeinde aufgenommen und wolle sich daran beteiligen, den Schaden zu beheben. Die Parkbank wurde mittlerweile abtransportiert und soll gereinigt an ihren Platz zurückkehren.