Datum21.05.2026 16:15
Quellewww.zeit.de
TLDRHilfsorganisationen fordern verstärkte internationale Unterstützung im Kampf gegen den Ebola-Ausbruch im Kongo. Überfüllte Kliniken und fehlende Schutzausrüstung verschärfen die Lage. Der Ausbruch, ausgelöst durch eine seltene Virusvariante, betrifft auch dicht besiedelte Gebiete wie Goma. Kontexte wie Armut, Konflikte und ein überlastetes Gesundheitssystem begünstigen die Ausbreitung. Der Regierung zufolge ist das Land jedoch gut vorbereitet, auch wenn zugelassene Impfstoffe nicht gegen den aktuellen Virustyp wirken.
InhaltHilfsorganisationen berichten von überfüllten Kliniken und fehlender Schutzausrüstung im Kongo. Sie fordern mehr Hilfe, um den Ebola-Ausbruch eindämmen zu können. Mehrere Hilfsorganisationen zeigen sich angesichts des Ebola-Ausbruchs im Kongo alarmiert und fordern größere internationale Unterstützung. Sowohl Hilfsgüter als auch medizinisches Personal seien nötig, sagte Hama Amado, Koordinator der Hilfsorganisation Alima in der besonders betroffenen Stadt Bunia. Das Virus greife nach wie vor in mehreren Gegenden um sich. "Wir sind noch weit davon entfernt, sagen zu können, dass die Lage unter Kontrolle ist." Die Leiterin des Nothilfeprogramms von Ärzte ohne Grenzen, Trish Newport, sagte, jede Klinik, die ihre Teams bisher kontaktiert hätten, klage über Überfüllung. Vor allem Schutzausrüstung für Gesundheitszentren würde dringend gebracht, um das Virus einzudämmen. Mehr als 130 Menschen sind in den vergangenen Wochen in Kongo sowie in Uganda mutmaßlich an einer seltenen Variante des Ebola-Virus gestorben, Hunderte haben sich infiziert. Der Leiter des Afrika-Referates von Caritas international, Volker Gerdesmeier, sagte, er sei sehr beunruhigend, dass Ebola offensichtlich bereits die weiter südlich gelegene Stadt Goma in der Provinz Nord-Kivu erreicht habe. Ein erster Fall sei dort registriert worden. Laut Gerdesmeier ist es kein Zufall, dass Ebola erneut im Ostkongo ausgebrochen ist. "Es ist eine Armutsseuche, die durch unhaltbare hygienische Zustände und eine völlig überforderte Gesundheitsversorgung ausgelöst wird", sagte er. Die Region müsse "endlich aus ihrer unsäglichen Lage herauskommen, die durch militärische Gewalt immer weiter eskaliert". Doch dafür müsse die Welt endlich hinsehen. Seit Jahren zerrütten Konflikte den Ostkongo. Allein in der Provinz Ituri, deren Hauptstadt Bunia ist, gibt es nach Angaben der Vereinten Nationen mehr als 920.000 Binnenvertriebene. "Die Gemeinden im Osten der Demokratischen Republik Kongo stehen bereits unter enormem Druck durch Konflikte, Vertreibung und einen Zusammenbruch des Gesundheitssystems", sagte Lievin Bangali, leitender Gesundheitskoordinator der Hilfsorganisation IRC vor Ort. Er wies darauf hin, dass jahrelange Unterfinanzierung und jüngste Kürzungen bei Vorsorgeprogrammen die Fähigkeiten geschwächt hätten, Krankheitsausbrüche schnell zu erkennen und darauf zu reagieren. Der kongolesische Gesundheitsminister Samuel Roger Kamaba versicherte dagegen, die Behörden seien für den Ausbruch gut gerüstet. Auch ein Regierungssprecher hob die langjährige Erfahrung des Landes im Umgang mit Ebola-Ausbrüchen hervor. Die bislang verheerendste Ebola-Epidemie im Kongo ereignete sich zwischen 2018 und 2020. Damals starben fast 2.300 der insgesamt rund 3.500 Erkrankten. Auch jetzt fühlen sich viele Menschen von ihrer Regierung im Stich gelassen. Ebola ist eine schwere Infektionskrankheit, die durch Viren der Gattung Ebolavirus ausgelöst wird. Es gibt mehrere Spezies des Virus, darunter Zaire, Sudan und Bundibugyo. Der aktuelle Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo wird vom selteneren Bundibugyo-Typus ausgelöst, mit dem bisher nur zwei Ausbrüche dokumentiert waren. Das Virus wird durch direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten wie Blut, Stuhl oder Erbrochenem von infizierten Personen übertragen. Eine Übertragung durch die Luft, wie bei Sars-CoV-2 oder der Grippe, ist für Ebola-Ausbrüche nicht dokumentiert. Die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Symptome beträgt meist zwei Tage bis drei Wochen. Infizierte sind ab Symptombeginn ansteckend; das Virus kann sich jedoch auch nach dem Tod weiterverbreiten, etwa bei engem Kontakt mit Verstorbenen im Rahmen von Beerdigungsritualen. Symptome und Impfung Zu Beginn ähneln die Beschwerden mit Fieber, Glieder- oder Muskelschmerzen und starker Müdigkeit oft anderen Virusinfektionen. Im weiteren Verlauf können Übelkeit, Erbrechen und Durchfall hinzukommen; schwere Verläufe können unter anderem mit Atemnot, Krampfanfällen und Organversagen einhergehen und zum Tod führen. Ebola ist laut der Weltgesundheitsorganisation WHO in etwa der Hälfte der Fälle tödlich. Die Sterblichkeit variiert jedoch je nach Virusspezies zwischen 25 und 90 Prozent. Ebola-Bundibugyo hat mit schätzungsweise 30 bis 50 Prozent eine etwas geringere Letalität als etwa Ebola-Zaire. Entscheidend für die Überlebenschancen des Einzelnen ist eine frühe unterstützende Behandlung, insbesondere Flüssigkeits- und Elektrolytgabe sowie die Behandlung von Komplikationen. Es gibt zugelassene Ebola-Impfstoffe, allerdings nur gegen Zaire-Ebolavirus, jene Spezies, die sich bei den großen Ebola-Ausbrüchen 2014 und 2018 verbreitet hat. Gegen das aktuell zirkulierende Bundibugyo-Ebolavirus gibt es derzeit keinen zugelassenen Impfstoff; die Entwicklung entsprechender Impfstoffe befindet sich noch in einem frühen Stadium. Ob die bereits gegen Zaire-Ebolavirus zugelassenen Impfstoffe auch gegen Bundibugyo ausreichend schützen, ist derzeit nicht durch belastbare Daten belegt.