Datum21.05.2026 15:09
Quellewww.zeit.de
TLDRDresdens Brücke Budapester Straße ist nach der Carolabrücke erneut marode und muss gestützt werden. Notpfeiler sollen zehn Jahre Zeit verschaffen, bevor ein teurer Neubau über Bahngleise nötig wird. Die Kosten für die Abstützung liegen im Millionenbereich. Die Brücke ist eine wichtige Verkehrsader. Die Stadt plant zudem den Neubau der Carolabrücke ab 2028, Bürgerbeteiligung ist geplant, aber der Stadtrat entscheidet letztlich frei über die Entwürfe.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Infrastruktur“. Lesen Sie jetzt „Dresden hat ein neues Brücken-Problem“. Dresden steht vor einem weiteren massiven Brückenproblem. Nach Vollsperrung der maroden Brücke Budapester Straße, die auch über die Bahngleise unweit des Hauptbahnhofes führt, sollen nun Notpfeiler zur Abstützung installiert werden, sagte Simone Prüfer, Chefin des Straßen- und Tiefbauamtes der Landeshauptstadt. "Diese Maßnahmen werden uns auf jeden Fall zehn Jahre Zeit schenken, um über weitere Maßnahmen, über einen Ersatzneubau der Brücke nachzudenken." Nach Einschätzung von Brückenexperte Steffen Marx liegen die Kosten für einen Neubau der Brücke Budapester Straße in einer Größenordnung wie bei der 2024 teilweise eingestürzten und dann abgerissenen Carolabrücke. Sie soll ab Mai 2028 wieder aufgebaut werden und 140 Millionen Euro kosten. Da im neuerlichen Fall Bahngleise überbrückt werden müssten, sei das ein sehr komplexes Bauvorhaben mit Kosten jenseits der 100 Millionen Euro, betonte Marx. Die Kosten für die Abstützung bezifferte er auf einen "hohen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Millionenbetrag." Die Brücke Budapester Straße ist eine der wichtigsten Verkehrsadern in Dresden. Sie entstand noch vor der Carolabrücke in gleicher Bauweise mit Spannbeton. Nach dem Teileinsturz der Elbbrücke hatte man auch die anderen Brückenbauwerke in Dresden und ganz Sachsen unter die Lupe genommen. Dazu wurden unter anderem Schallsensoren angebracht. Am 8. Mai wurde der Verkehr auf der Brücke in Dresden auf eine Spur in jeder Richtung und Fahrzeuge bis 7,5 Tonnen begrenzt. Dennoch seien weiter 40-Tonner über die Brücke gefahren, hieß es. Man könne nicht rund um die Uhr kontrollieren. Als neue Schadensbilder bekannt wurden, zog die Stadt die Notbremse und legte den Verkehr auf der Brücke am 13. Mai lahm. Wenn man den Verkehr weiter zugelassen hätte, wäre das Bauwerk eingestürzt, stellte Marx unmissverständlich klar. Der Brückenbereich über die Bahngleise sei sicher. Zugleich stellte die Stadt das weitere Vorgehen zum Neubau der Carolabrücke vor. Am kommenden Dienstag müssen die vier beauftragten Planungsbüros ihre Entwürfe abgeben. Ab 13. Juni sollen die Bürger der Stadt beteiligt werden. Sie können sie über ein Online-Format namens "carolaVOTE" einbringen. Wenn der Stadtrat am 3. September über den Entwurf befindet, muss er aber weder das Votum der Bürger noch die Empfehlungen einer international besetzten Expertenkommission beachten. Dresdens Baubürgermeister Stephan Kühn (Grüne) stellte klar, dass der Stadtrat in seiner Entscheidung frei sei. Kühn kann sich nicht vorstellen, dass alle vier Entwürfe bei den Experten durchfallen. Eine "Weiterqualifizierung" der Entwürfe könne vom Stadtrat jedoch beauftragt werden. Nach bisheriger Planung soll die Brücke dann ab Mai 2028 wiedererrichtet und 2031 vollendet werden. © dpa-infocom, dpa:260521-930-111794/1