Iran soll Ermordung von Josef Schuster und Volker Beck geplant haben

Datum21.05.2026 13:18

Quellewww.spiegel.de

TLDRDie Bundesanwaltschaft hat Anklage gegen zwei Männer wegen geplanter Anschläge im Auftrag des iranischen Geheimdienstes erhoben. Ein Däne soll im Auftrag der Revolutionswächter Informationen über Josef Schuster und Volker Beck beschafft und Anschläge vorbereitet haben. Ein mutmaßlicher Komplize soll sich zur Beschaffung einer Waffe und Anheuerung eines Killers bereit erklärt haben. Die geplante Tat scheiterte wegen der Verhaftung des mutmaßlichen Agenten. Der Verfassungsschutz warnt seit Längerem vor iranischen Terroraktivitäten in Deutschland.

InhaltEin mutmaßlicher iranischer Agent soll Attentate auf die Chefs des Zentralrats der Juden und der Deutsch-Israelischen Gesellschaft vorbereitet haben. Nun wurde er nach SPIEGEL-Informationen angeklagt. Dieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde. Im Fall einer mutmaßlich geplanten Anschlagsserie des iranischen Geheimdienstes in Deutschland hat die Bundesanwaltschaft nach SPIEGEL-Informationen Anklage gegen zwei Männer erhoben. Laut der Anklage, die vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht in Hamburg erhoben wurde, soll der aus Afghanistan stammende Däne Ali S. für den Geheimdienst der iranischen Revolutionswächter gearbeitet und mögliche Attentate in Deutschland vorbereitet haben. Zudem habe der 54-Jährige in engem Kontakt zu den Quds-Brigaden gestanden, einer Spezialeinheit der Revolutionswächter. Diese ist auf Operationen außerhalb des iranischen Staatsgebiets spezialisiert. Anfang 2025 erhielt S. den Ermittlungen zufolge aus Teheran den Auftrag, Informationen über zwei potenzielle Zielpersonen zu beschaffen, auf die offenbar Mordanschläge verübt werden sollten: Josef Schuster, den Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, und Volker Beck, ehemaliger Grünenpolitiker und Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gesellschaft. Überdies sollte Ali S. nach Erkenntnissen der Ermittler einen jüdischen Lebensmittelhändler und einen koscheren Supermarkt in Berlin ausspähen. Die Spionageaktionen hätten laut Ermittlern der "Vorbereitung von Mord- und Brandanschlägen" gedient. Der Anklage zufolge kundschaftete der mutmaßliche Iran-Agent im Frühjahr 2025 in Berlin auftragsgemäß mehrere Adressen aus, die in Verbindung mit den potenziellen Attentatszielen standen. Zudem suchte er nach möglichen Komplizen. Spätestens im Mai 2025 habe er Kontakt zu dem 52-jährigen Afghanen Tawab M. aufgenommen, der nun ebenfalls angeklagt wurde. Laut den Ermittlern habe sich M. bereit erklärt, eine Waffe zu beschaffen und einen Auftragskiller anzuheuern, der Volker Beck töten sollte. Zur Ausführung der mutmaßlich geplanten Attentate kam es indes nicht: Im Juni 2025 wurde Ali S. im dänischen Aarhus verhaftet und später nach Deutschland überstellt. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm unter anderem Spionage für Iran und "Agententätigkeit zu Sabotagezwecken" vor. Sein mutmaßlicher Komplize Tawab M., der ebenfalls in Untersuchungshaft sitzt, muss sich voraussichtlich wegen des Vorwurfs der versuchten Beteiligung an einem Mord verantworten. Zuständig für die Entscheidung über die Zulassung der jetzt erhobenen Anklage ist der 8. Strafsenat des Hanseatischen Oberlandesgerichts in Hamburg. Der Verteidiger von Ali S., der Hamburger Rechtsanwalt Shahryar Ebrahim-Nesbat, erklärte auf SPIEGEL-Anfrage, dass man den Vorwürfen der Anklage entgegentreten werde. Für seinen Mandanten gelte uneingeschränkt die Unschuldsvermutung. Der Verteidiger von Tawab M. wollte sich gegenüber dem SPIEGEL nicht äußern. Das iranische Regime hat Anschlagsplanungen in Deutschland in der Vergangenheit wiederholt bestritten. Volker Beck forderte Außenminister Johann Wadephul (CDU) auf, als Reaktion den iranischen Botschafter auszuweisen. "Deutschland darf nicht tatenlos zusehen, wie ausländische Staaten sich hierzulande an die Ermordung von Juden und Israelfreunde machen." Zentralratspräsident Josef Schuster war wegen des beginnenden jüdischen Schawuot-Festes nicht erreichbar. Der Verfassungsschutz warnt bereits seit längerer Zeit vor "staatsterroristischen Aktivitäten" Teherans in Deutschland. Ende 2023 verurteilte das Oberlandesgericht Düsseldorf einen Deutsch-Iraner, der einen Brandanschlag auf eine Synagoge in Bochum  verüben wollte. Die Strippen im Hintergrund sollen auch in diesem Fall die Quds-Brigaden gezogen haben. Vor wenigen Tagen klagten die USA einen Iraker an, der enge Verbindungen zu der iranischen Spezialeinheit haben soll. Die US-Ermittler sehen ihn als Strippenzieher einer Serie von Angriffen auf jüdische und israelische Einrichtungen in Europa , die im Frühjahr begann – darunter ein Brandanschlag auf ein israelisches Restaurant in München im April.