Debatte um Rentenreform: Laut Rentenkommission ist »noch keine Empfehlung fertig entschieden«

Datum21.05.2026 12:25

Quellewww.zeit.de

TLDRDie Rentenkommission hat Berichte über eine beschlossene Rente mit 70 entschieden zurückgewiesen und betont, dass noch keine Empfehlungen finalisiert seien. Dies löste Kritik von Gewerkschaften und der Linken aus, die vor Altersarmut warnen. Andere Stimmen, wie CDU-Politiker Müller, unterstützen die Idee zur Stabilisierung des Rentensystems. Die Kommission, die bis zum 30. Juni Empfehlungen vorlegen soll, befasst sich mit Finanzierung, Beitragssätzen und der Einbeziehung weiterer Gruppen in die Rentenversicherung.

InhaltDie Chefin der Rentenkommission bestätigt einen "Bild"-Bericht nicht. Noch sei nichts entschieden – auch nicht zur Rente mit 70. Erste Reaktionen fallen kritisch aus. Ein Bericht der Bild-Zeitung über vermeintliche Entscheidungen, die die Rentenkommission bereits getroffen haben soll, hat eine Diskussion über die Anhebung des Renteneintrittsalters ausgelöst. Eine der zwei Vorsitzenden der Kommission, die Universitätsprofessorin Constanze Janda, sagte der ZEIT, dass sie den Bericht, wonach die Kommission die schrittweise Anhebung des Renteneintrittsalters auf 70 Jahre empfehlen werde, nicht bestätige. "Details zu unserem Arbeitsstand und Zwischenergebnissen kommentiere ich nicht, da wir in der Kommission strikte Vertraulichkeit vereinbart haben", sagte Janda, die an der Universität Speyer lehrt. Derzeit seien noch keine Empfehlungen "fertig entschieden". Weitere Mitglieder der Kommission verwiesen auf ZEIT-Anfrage ebenfalls auf die vereinbarte Vertraulichkeit. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Pascal Reddig sagte der Nachrichtenagentur AFP, der Bericht treffe "schon deshalb nicht zu, weil bislang über die beschriebenen Punkte noch keine Beschlüsse getroffen wurden". Das von SPD-Chefin Bärbel Bas geführte Bundesarbeitsministerium reagierte verhalten auf den Bericht. Das Ministerium kommentiere "⁠keine vermeintlichen Zwischenstände", hieß es auf ZEIT-Anfrage: "Der Auftrag der Kommission ist es, Beschlüsse im Konsens zu fassen. Die Rentenkommission arbeitet daran professionell und vertrauensvoll unter der Leitung der Vorsitzenden Prof. Dr. Constanze Janda und Frank-Jürgen Weise." Die Bundesregierung vertraue "auf die hohe Kompetenz und Expertise der Kommissionsvorsitzenden, einvernehmliche Empfehlungen der gesamten Kommission zu erreichen". Kanzleramtschef Thorsten Frei (CDU) sprach bei Welt-TV von "Spekulationen". Man müsse mit solchen "Wasserstandsmeldungen" sehr vorsichtig sein, sagte er. Die Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), Yasmin Fahimi, äußerte sich kritisch zur möglichen Anhebung des Renteneintrittsalters. "Ich finde das interessant, dass sozusagen unter Reform verstanden wird: Es muss möglichst viele Schmerzen auslösen", sagte Fahimi im ARD-Morgenmagazin. Die Rentenpolitik sei "nicht ein mathematisches Problem". Entscheidend sei vielmehr, mehr Menschen in Arbeit oder Vollzeit zu bringen, unter anderem Frauen, die in Teilzeit arbeiteten. Hans-Jürgen Urban aus dem IG-Metall-Vorstand sagte, statt einer solidarischen Reform drohe "der Abbau der gesetzlichen Rente mit harten Folgen für Jung und Alt". Ein höheres gesetzliches Renteneintrittsalter ​bedeute eine Rentenkürzung. Der Arbeitnehmerflügel der CDU übte ebenfalls deutliche Kritik. Eine pauschale Anhebung des Renteneintrittsalters auf 70 Jahre wäre "der falsche Schritt", sagte der Vorsitzende Dennis Radtke der Nachrichtenagentur AFP. "Wir haben schon heute Menschen, die aufgrund der Belastung keine Chance haben, überhaupt bis 67 zu arbeiten", fügte er an. Unionsfraktionsvize Sepp Müller (CDU) signalisierte dagegen Unterstützung für die Idee. "Ich finde es richtig, wenn unsere Generation in den 2050er-Jahren bis 70 arbeiten geht", sagte der 37-Jährige den Sendern RTL und ntv. Es gehe darum, das Rentenniveau zu stabilisieren und dafür zu sorgen, "dass unsere Generation überhaupt noch Rente erleben darf". Die Chefin der Linksfraktion im Bundestag, Heidi Reichinnek, sprach dagegen von einer "unfassbar sozial kalten Empfehlung". Diese werde immer mehr Menschen in die Altersarmut treiben. "Eine pauschale Erhöhung des Renteneintrittsalters bedeutet ein weiteres Auseinanderdriften zwischen oben und unten", sagte sie. Der Grünen-Rentenexperte Armin Grau warnte vor steigender Altersarmut. "Im internationalen Vergleich sind die Renten in Deutschland heute schon sehr niedrig, und wir geben gemessen an unserer Wirtschaftsleistung unterdurchschnittlich wenig für die Renten aus", sagte er. Die Rentenkommission war im Dezember 2025 an den Start gegangen und will ihre Reformempfehlungen am 30. Juni vorlegen. Nach Angaben der Regierung sollen die Vorschläge auch umgesetzt werden. Die Beschlüsse in der Kommission sollen im Konsens getroffen werden, bei Meinungsverschiedenheiten kann aber ein Mehrheitsbeschluss möglich sein. Inhaltlich geht es mit Blick auf die festgelegten Fragestellungen der Kommission vor allem darum, Lösungen zu finden, wie ein stabiles Rentenniveau langfristig finanziert werden kann, wie für die nächsten zehn Jahre stabile Beitragssätze gesichert werden können und ob weitere Gruppen in die gesetzliche Rentenversicherung einbezogen werden sollten. Auch die mögliche Verlängerung der Lebensarbeitszeit hatte sich die Kommission als Thema auf die Agenda gesetzt.