Datum21.05.2026 07:18
Quellewww.spiegel.de
TLDRAltkanzlerin Angela Merkel hat das Buch "Auf den Straßen Teherans" von Nila präsentiert, das den Kampf iranischer Frauen beleuchtet. Merkel betonte, dass die Frauenbewegung angesichts des Irankriegs nicht vergessen werden dürfe und sie die Rolle als Altkanzlerin nutze, um Aufmerksamkeit zu generieren. Das Buch thematisiert die Proteste im Iran nach dem Tod von Jina Mahsa Amini und thematisiert die jahrzehntelange Unterdrückung. Die Autorin musste ins Exil fliehen.
InhaltUnter dem Irankrieg sind die Schicksale unterdrückter Frauen im Land ins Abseits geraten. Altkanzlerin Merkel setzt sich nun für verfolgte Iranerinnen ein. Ausschlag gab ein Buch, das sie "in einem Zug" gelesen habe. Die frühere deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat bei einer Buchpräsentation auf den Kampf der Frauenbewegung in Iran aufmerksam gemacht. Im Berliner Ensemble mahnte die 71-Jährige, dass das Engagement der Iranerinnen im Schatten des Irankriegs nicht vergessen werden dürfe. Die CDU-Politikerin stellte das Buch "Auf den Straßen Teherans" vor, das eine iranische Autorin anonym unter dem Namen Nila veröffentlicht hat. "Sehen wir heute Abend gemeinsam hin, damit die Frauen und Mädchen, denen Nila mit ihrem Buch eine Stimme gibt, ihre Sehnsucht nach Freiheit und Menschenwürde, ihr Widerstand gegen Unfreiheit und Unterdrückung nicht vergessen werden", sagte Merkel. "Damit sie spüren, dass sie nicht allein sind." Merkel sagte, sie habe bei der Anfrage für den Termin zunächst gezögert, da sie keine aktive Politikerin mehr ist. "Weder habe ich operative Aufgaben noch operative Möglichkeiten, die auf die Entwicklung im Iran und zum Wohle der Menschen in irgendeiner Weise Einfluss nehmen können", erklärte sie. Dann habe sie das Buch gelesen, "in einem Zug", wie sie sagte. Es habe sie gefesselt und berührt. Schließlich habe sie sich entschieden, ihre Rolle als Altkanzlerin zu nutzen, um Aufmerksamkeit auf den Kampf iranischer Frauen zu lenken. Übersetzt wurde das Buch von der Schriftstellerin Asal Dardan, die ebenfalls an der Veranstaltung teilnahm. Sie erzählte, dass die Autorin Nila noch in diesem Jahr aus Iran fliehen musste und nun im Exil lebt. Ob dies auch mit der Veröffentlichung des Buches zusammenhängt, sei jedoch unklar. Ihre literarisch-politische Chronik erzählt von den Massenprotesten der iranischen Bewegung "Frau, Leben, Freiheit" im Herbst 2022. Ausgangspunkt der Proteste war der Tod der jungen Kurdin Jina Mahsa Amini, die nach ihrer Festnahme durch die iranische Sittenpolizei im Polizeigewahrsam ums Leben kam. Für Nila ist ihr Tod kein Einzelfall, sondern Ausdruck eines Systems. Die Proteste schildert sie nicht als spontanen Ausbruch, sondern als Folge jahrzehntelanger patriarchaler und religiöser Unterdrückung. Wie sich die Revolte anfühlte, zeigt sie auch an Szenen aus ihrem persönlichen Alltag. Zwischen Straßenszenen, Protest, Folter und Hinrichtungen beschreibt die Autorin einen Iran, geprägt von staatlicher Gewalt und Repression. Gegenwart, persische Geschichte und Mythologie verschmelzen dabei zu einer Erzählung über feministischen Widerstand. "Wir haben Angst, aber wir haben unsere Ängste überwunden und sind auf die Straße gegangen", heißt es an einer Stelle – ein Satz, der den Ton des Buches prägt.