Datum21.05.2026 06:45
Quellewww.spiegel.de
TLDRAusländische Direktinvestitionen in Deutschland sind zum achten Mal in Folge gesunken, ein Tiefststand seit 2009. EY warnt vor "Reformunfähigkeit" Deutschlands, wodurch das Land im Vergleich zu anderen europäischen Nationen abgehängt wird. Hauptgründe sind hohe Kosten, Bürokratie und mangelnde Digitalisierung. Deutsch-ausländische Investitionen im Ausland brachen ebenfalls ein. Frankreich und Großbritannien bleiben trotz Rückgängen führende Investitionsstandorte.
InhaltSchon zum achten Mal in Folge sinkt laut einer Studie die Zahl der in Deutschland angekündigten Direktinvestitionen. Weltweit habe sich die "Reformunfähigkeit" des Landes herumgesprochen, warnen die Autoren. Ausländische Unternehmen haben im vergangenen Jahr erneut weniger Investitionsprojekte in Deutschland angekündigt. Das geht aus einer Auswertung der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY hervor. Demnach sank die Zahl 2025 im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozent auf 548 Projekte. Es handele sich bereits um den achten Rückgang in Folge und den niedrigsten Stand seit 2009. "Das ist ein Alarmsignal für den Standort Deutschland", sagte der Chef von EY in Deutschland, Henrik Ahlers. Nach eigenen Angaben erhebt EY die Zahlen seit 2006. Erfasst würden Investitionsprojekte, "die zur Schaffung neuer Standorte und neuer Arbeitsplätze führen", teilte die Gesellschaft mit. Angaben zum Investitionsvolumen machte EY nicht. Die Zahlen für Deutschland basieren einem Sprecher zufolge unter anderem auf Daten von German Trade and Invest sowie auf eigenen Recherchen. Für andere Länder stützt sich EY ebenfalls auf eigene Recherchen sowie auf Daten nationaler Wirtschaftsförderungsinstitutionen und Behörden. Die Bundesrepublik werde abgehängt, andere europäische Standorte entwickelten sich deutlich besser, sagte Ahlers. "In Deutschland wird seit Jahren über notwendige Reformen geredet – echte und wirksame Reformschritte gab es allerdings kaum." Andere europäische Länder hätten in dieser Zeit ihre Hausaufgaben gemacht und beispielsweise die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung vorangetrieben, ihre Steuersysteme vereinfacht und attraktiver gestaltet. "In Deutschland bremsen die hohe Steuerbelastung, hohe Arbeitskosten, die teure Energie und gleichzeitig eine lähmende Bürokratie das Investitionsgeschehen", sagte Ahlers. Die "Reformunfähigkeit Deutschlands" habe sich inzwischen weltweit herumgesprochen. "Vom Image als starker Qualitätsstandort und ökonomischer Fels in der Brandung ist leider nicht viel übrig geblieben." Es müsse dringend gegengesteuert werden. Auch die Zahl der Investitionsprojekte deutscher Unternehmen im europäischen Ausland sank der Untersuchung zufolge im vergangenen Jahr massiv. Sie ging demnach um 24 Prozent auf 484 zurück – der stärkste Einbruch seit Beginn der Erhebung im Jahr 2006. Europaweit wurden laut EY im vergangenen Jahr 5026 Neuansiedlungs- und Erweiterungsprojekte ausländischer Investoren angekündigt – sieben Prozent weniger als im Vorjahr. Dazu zählen etwa Investitionsankündigungen aus den USA oder China, aber auch Projekte deutscher Unternehmen im Ausland, etwa in Frankreich. Mit 852 Projekten lag Frankreich wie schon in den Vorjahren auf Platz eins, gefolgt von Großbritannien mit 730 Projekten. Beide Länder verzeichneten prozentual allerdings noch stärkere Rückgänge als Deutschland auf Rang drei.