Datum21.05.2026 06:00
Quellewww.zeit.de
TLDRDie Olympia-Kampagne in Hamburg kritisiert fehlende Transparenz und Ehrlichkeit bei den Zahlen. Eine Studie warnt vor steigenden Mieten in Olympia-Gastgeberstädten. Hapag-Lloyd meldet Gewinneinbruch. Die israelische Flagge wurde zum Zeichen gegen Antisemitismus gehisst. Ein Biologe stellt seine Arbeit mit Saitenwürmern vor. Paartherapeuten geben Tipps. Florence Gaub erhält den Helmut-Schmidt-Zukunftspreis.
InhaltDie Elbvertiefung am Donnerstag – Mit zwei israelischen Flaggen, Saitenwürmern und Expertise für Beziehungsstress vor ein paar Tagen kam ich an einem Plakat vorbei, von dem herab ein bärtiges Gesicht mir mitteilte, Olympia sei der Schlüssel zu Hamburgs Zukunft. Die Formulierung hallte nach, während ich weiterfuhr. Die Zukunft ist abschließbar? Geschenkt. Aber was wird aus Hamburg, wenn, sagen wir, die hiesigen Bürgerinnen und Bürger Olympia zwar wollen, aber das Nationale oder das Internationale Olympische Komitee andere Städte vorzieht? Bleibt Hamburgs Zukunft dann auf immer verschlossen? Und stehen wir womöglich im Begriff, München, Berlin oder dem Ruhrgebiet den Weg in die Zukunft zu versperren oder zu eröffnen? Zugegeben, es ist nicht ganz fair, Werbesprüche zu sezieren. Aber kann man sich Fairness im Angesicht dieser Kampagne noch leisten? Offensichtlich will das Olympialager diesen Disput nicht mit Argumenten gewinnen, sondern durch schieren Werbedruck. Gäbe es irgendwo ein Argument, das die begründete Skepsis beim Bund der Steuerzahler ausräumt, man läse es zweifellos überall. "Mir fehlt bei dieser Olympiadebatte vor allem eines: Ehrlichkeit und Transparenz bei den Zahlen", sagt der Steuerzahler-Vorsitzende Sascha Mummenhoff. Stattdessen: Chancen, Hoffnung, Zukunft, Inklusion und strahlende Gesichter auf allen Plakatwänden. Anzeigen, Karten, Werbespots, Slogans, eine Drohnenshow, ein Bürgermeisterbrief. Die Wucht dieser Kampagne wirkt, als sollten Skeptiker einfach überrannt werden. Politisch macht mich die Olympiadebatte heimatlos, weil sich die politische Mitte der Stadt in Begeisterungsbekundungen übertrifft, aber naheliegende Einwände ignoriert. Was ein Fußballverein mit einem Leichtathletikstadion soll zum Beispiel, das wüsste ich gerne. Noch ein Plakat, an dem ich vorbeikam: "Ja, ich will" stand darauf. Der Spruch wirkte geradezu subkutan. Ja, ich will, dachte es in mir. Aus reinem Selbstbehauptungswillen zwang ich mich zu denken: Nein, ich will nicht. Haben Sie einen schönen Tag! Ihr Frank Drieschner Am Rathaus wurde gestern die israelische Flagge gehisst. Damit will die Hamburgische Bürgerschaft ein Zeichen gegen Antisemitismus setzen. Hintergrund ist ein Vorfall vom vergangenen Wochenende, bei dem während einer propalästinensischen Demonstration auf dem Rathausmarkt eine israelische Flagge verbrannt worden war. Eine neue Studie des Deutschen Bundestages warnt vor steigenden Mieten und Immobilienpreisen in den Gastgeberstädten der Olympischen Spiele. Zugleich weisen die Wissenschaftler darauf hin, dass diese Effekte nicht einheitlich aufträten. In Auftrag gegeben hatte die Studie die Hamburger Bundestagsabgeordnete Cansu Özdemir (Linke). Die Hamburger Reederei Hapag-Lloyd gibt einen Gewinneinbruch bekannt und hat die Dividende für ihre Aktionäre deutlich zusammengestrichen. Die Stadt Hamburg erhält als Anteilseignerin nach Angaben der Reederei 73,1 Millionen Euro. Der ZEIT-Autor Philipp Daum ist für seine Reportage "Du bist wie ein Vater für mich. Nicht so ein Arsch wie mein letzter" mit dem Egon-Erwin-Kisch-Preis ausgezeichnet worden. Eine zwölf Jahre alte Hündin ist in Harvestehude mutmaßlich mit einer Druckluftwaffe angeschossen worden und musste einige Tage später eingeschläfert werden, wie die Polizei mitteilte. Sie ermittelt nun wegen des Verdachts der Tötung eines Wirbeltieres. Ein altes und umstrittenes Bebauungsverfahren im Bezirk Wandsbek tritt in seine nächste Phase: Wie die Bezirksverwaltung mitteilt, sollen voraussichtlich im Juni die Pläne für drei zusätzliche Hochhausringe in dem von 22 ringförmig angeordneten Hochhauskomplexen geprägten Problemstadtteil Steilshoop öffentlich ausgelegt werden. Abweichend vom sonst in Hamburg üblichen Drittelmix, der ein Drittel Eigentumswohnungen, ein Drittel frei finanzierten Mietwohnungsbau und ein Drittel Sozialwohnungen vorsieht, sind in dem zukünftigen Neubaugebiet ausschließlich relativ günstige Mietwohnungen geplant. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft Saga soll sie errichten. Geplant ist das Neubaugebiet seit 2015. Gegen das Vorhaben hatte sich eine Bürgerinitiative gegründet, die sich dafür aussprach, für eine bessere soziale Durchmischung der Gegend auch attraktive Wohnungen für eine besserverdienende Klientel zu schaffen. Dagegen erklärte der Senat seinerzeit, es würde zwar stadtweit ein vielfältiges Angebot an Wohnformen angestrebt, doch könne dabei auf eine "standortbezogene Differenzierung" nicht verzichtet werden. Die verfallende Infrastruktur und die schlechte ärztliche Versorgung (Z+) der Hochhaussiedlung lösen unter den Anwohnern immer wieder Unmut und Protest aus. Der rot-grüne Hamburger Senat setzt darauf, dass der Stadtteil eine positive Entwicklung nehmen wird, wenn in der ersten Hälfte der 2030er-Jahre ein Anschluss an die im Bau befindliche U-Bahn-Linie 5 geschaffen wird. Von Frank Drieschner In unserer Serie "1 von 1,9 Millionen" stellt sich regelmäßig ein Bewohner Hamburgs selbst vor. Dieses Mal: Niemand weiß so viel über Saitenwürmer wie Andreas Schmidt-Rhaesa. Der Biologe hat schon etliche neue Arten entdeckt – und fünf nach seinen Kindern benannt. Lesen Sie hier einen Auszug aus seinem Protokoll. "Als Kind war es mein sehnlichster Wunsch, Zoodirektor zu werden. Ich erinnere mich, wie ich in meinem Zimmer die Grundrisse von Gehegen entwarf, während sich um mich herum Sachbücher über Giraffen, Tiger und Elefanten stapelten. Als viele meiner Mitschüler noch rätselten, was sie studieren wollten, war ich mir sicher: etwas mit Tieren! Nach der Schule machte ich ein Praktikum beim Tierarzt. Dort wurde mir klar, dass ich in diesem Beruf viel Zeit damit verbringen würde, den Besitzern die Hand zu halten. Also schrieb ich mich für Biologie ein. Im Studium merkte ich: Nicht nur die großen Tiere sind faszinierend, oft sind die kleinsten sogar noch spannender! Als ich zum ersten Mal durch ein Mikroskop blickte und einen Plattwurm betrachtete, war es, als würde ich in ein anderes Universum schauen. Ich war völlig irritiert von den ungewohnten Körperformen. Würmer sind wie kleine Aliens. Wussten Sie, dass wirbellose Tiere fast 95 Prozent aller bekannten Arten ausmachen? Zu ihnen zählen Schwämme, Korallen, Quallen, Seesterne, Seeigel, Insekten, Spinnen, Seegurken und natürlich Würmer. Diese Arten sind wichtig für die Ökosysteme, denn sie bilden die Grundlage fast aller Nahrungsketten. Damit es Leben auf der Erde geben kann, braucht es diese kleinen Tiere. Warum sich Andreas Schmidt-Rhaesa letztendlich auf Saitenwürmer fokussierte, lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung. → Zum Artikel (Z+) Spoiler: Die besten muss man nicht mal laut aussprechen. ZEIT-Redakteurin Cora Wucherer hat Paartherapeuten unter anderem aus Hamburg gefragt, wie man neue Perspektiven gewinnt und deeskaliert. → Zum Artikel (Z+) Am 17. Juni wird zum fünften Mal der Helmut-Schmidt-Zukunftspreis "Living Democracy" vergeben. In diesem Jahr erhält den Preis Florence Gaub, Direktorin der Forschungsabteilung am NATO Defense College in Rom, verliehen von der ZEIT und der Bundeskanzler-Helmut-Schmidt-Stiftung. Die Jury würdigt ihre Beiträge zu Sicherheit, Geopolitik und strategischer Vorausschau sowie ihr Plädoyer für Handlungsmut und europäische Gestaltungsfähigkeit. Helmut-Schmidt-Zukunftspreis, 17.6., 19 Uhr; Thalia Theater, Alstertor 1; Tickets erhalten Sie hier Im Alstertal schnarrt ein Star zur Freude der Spaziergänger lauthals sein Lied vor sich hin. Eine mithörende Spaziergängerin wendet sich lachend uns zu: "Das ist ja fast wie im Fernsehen: Ich bin ein Star, nur lasst mich hier!" Gehört von Marilies Brinkmann Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren.