USA klagen Kubas Ex-Staatschef Raúl Castro an

Datum20.05.2026 21:29

Quellewww.spiegel.de

TLDRDie USA klagen Kubas Ex-Staatschef Raúl Castro wegen des Abschusses zweier Flugzeuge 1996 an, bei dem US-Bürger starben. Präsident Trump kündigt an, Kuba "befreien" zu wollen. Kuba bezeichnet die Klage als politische, unbegründete Maßnahme. Die Anklage verschärft die Spannungen und die Sorge vor US-Militäraktionen, die seit Jahrzehnten unter Trump zugenommen haben. Dies geschieht trotz laufender Gespräche zwischen Washington und Havanna.

InhaltDie Spannungen zwischen den USA und Kuba verschärfen sich noch einmal deutlich: Die Amerikaner wollen gegen Ex-Machthaber Raúl Castro vorgehen. Präsident Trump sprach zudem davon, Kuba "befreien" zu wollen. Die Vereinigten Staaten erhöhen den Druck auf Kuba: Die US-Regierung hat den ehemaligen Staatschef Raúl Castro angeklagt. Der 94-Jährige soll laut US-Justizminister Todd Blanche in den Abschuss von Flugzeugen durch Kubas Luftwaffe 1996 verwickelt gewesen sein, bei dem auch US-Amerikaner starben. Die Klage wurde bei einem Gericht in Florida eingereicht. US-Präsident Trump sagte wenige Stunden später, die USA würden "Kuba befreien". Er könne nicht sagen, wie es mit dem Inselstaat nun weitergehe. Der kubanische Präsident Miguel Díaz-Canel reagierte auf X : Es handle sich um eine "politische Maßnahme, ohne jegliche rechtliche Grundlage." Zuletzt ist auf Kuba die Sorge vor einem möglichen Militärschlag der USA gewachsen. Die Anklage gegen den ehemaligen Staatschef Castro dürfte die Sorge weiter schüren. Auch der Angriff auf Venezuela und die Gefangennahme von Staatschef Nicolás Maduro wurde mit einer Anklage gegen den Autokraten gerechtfertigt. Droht Kuba ein ähnliches Schicksal? Die Beziehungen zwischen beiden Ländern sind seit der kubanischen Revolution in den Fünfzigerjahren angespannt. Unter Trump verschärften sich die Spannungen durch neue Sanktionen und eine Ölblockade. Kuba leidet unter der schwersten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten. US-Präsident Trump hatte mehrfach eine Übernahme des Karibikstaats ins Spiel gebracht. US-Außenminister Marco Rubio – Sohn kubanischer Einwanderer – hofft seit Langem auf einen Machtwechsel in Kuba. Er gilt als Strippenzieher hinter Trumps Kuba-Politik. Seit einigen Monaten sollen Gespräche zwischen Washington und Havanna laufen. Mutmaßlich spielt ein Enkel von Raúl Castro dort eine zentrale Rolle: Raúl Guillermo Rodríguez Castro, auch "Raulito" oder "die Krabbe" genannt, gilt als der engste Vertraute seines Großvaters. Raúl Castro war fast 50 Jahre lang Verteidigungsminister – und löste seinen Bruder Fidel Castro an der Staatsspitze ab. 2006 übernahm er das Präsidentenamt provisorisch, von 2008 bis 2018 offiziell. Noch bis 2021 stand er an der Spitze der Kommunistischen Partei Kubas. Zeitgleich mit der Bekanntgabe der Anklage in den USA wurden in Kuba Gedenkveranstaltungen zum 95. Geburtstag von Raúl Castro angekündigt für den 3. Juni. Castro gilt als Schlüsselfigur in der Regierung von Präsident Miguel Díaz-Canel und ist im Militär bestens vernetzt. Auf Kuba kontrolliert die Armee einen Großteil der Wirtschaft. In seiner Zeit als Verteidigungsminister schoss die kubanische Luftwaffe 1996 zwei Flugzeuge der Organisation "Hermanos al Rescate" ("Brüder zur Rettung") vor Kubas Küste ab. Drei der vier Todesopfer waren US-Bürger. Die Regierung in Havannah behauptete, die Flugzeuge seien in den kubanischen Luftraum eingedrungen. Die Internationale Organisation für Zivilluftfahrt kam zu dem Schluss, dass sie sich über internationalen Gewässern befanden. Mehrere US-Kongressmitglieder forderten seit Monaten eine Anklage gegen Raúl Castro: Er habe den Abschuss als damaliger Verteidigungsminister angeordnet. Floridas Exilkubaner bereiten die Feiern für den Sturz der Castros vor. Doch viele fürchten: US-Präsident Trump will womöglich keinen Wandel – sondern nur Geschäfte mit einem Regime, das er kontrollieren kann. Mehr über die Situation der Exilkubaner in den USA lesen Sie hier .