Datum17.05.2026 05:27
Quellewww.zeit.de
TLDRKuba hat ein Handbuch für den Kriegsfall veröffentlicht, das die Bevölkerung auf einen möglichen US-Angriff vorbereiten soll. Angesichts wiederholter Drohungen aus den USA empfiehlt das "Leitfaden für Familien zum Schutz vor einem militärischen Angriff" die Bevorratung von Lebensmitteln und Medikamenten sowie die Suche nach sicheren Orten. Die Veröffentlichung fällt in eine Zeit, in der Kuba unter einer schweren Wirtschafts- und Energiekrise leidet, die durch US-Sanktionen verschärft wird.
InhaltMehrfach hat die US-Regierung gedroht, die Karibikinsel übernehmen zu wollen. Jetzt bereitet Kuba seine Bevölkerung konkret auf einen möglichen Angriff vor. Kuba bereitet seine Bevölkerung mit einem neuen Handbuch auf einen möglichen Krieg vor. Der "Leitfaden für Familien zum Schutz vor einem militärischen Angriff" empfiehlt, einen Rucksack mit Lebensmitteln und Medikamenten bereitzuhalten sowie sich bei Luftalarm sofort an einen sicheren Ort zu begeben. "Mit demselben Eifer und derselben Disziplin, mit denen wir uns auf die Bewältigung von Katastrophen vorbereitet haben, müssen wir uns darauf vorbereiten, Leben zu schützen, falls der Feind uns militärisch angreift", heißt es in der Einleitung. Bei einem Angriff werde sich die sozialistische Karibikinsel entschlossen verteidigen, heißt es weiter. Allerdings könnte ein Großteil der Bevölkerung, darunter Kinder und ältere Menschen, nicht an möglichen Kämpfen teilnehmen und müsste deshalb gemäß den Richtlinien geschützt werden. Das neunseitige Dokument ist digital auf einigen offiziellen Seiten wie dem Bürgerportal der Stadt Havanna zu finden. Der kubanische Zivilschutz veröffentlichte den Leitfaden bereits Ende April – inmitten wachsender Sorge vor einem gewaltsamen Angriff der USA. Andere Regierungsstellen sollen den Text nach der Veröffentlichung wieder zurückgezogen haben, wie das Nachrichtenportal 14yMedio berichtete. In Kommentaren unter Facebook-Posts kubanischer Nachrichtenseiten wie Venceremos erntete der Leitfaden von Bürgern viel Kritik. "Ach wirklich, und woher sollen wir denn die Sachen für den Rucksack nehmen, wenn man derzeit nicht im Krieg ist und bereits jetzt absolut nichts hat?", schrieb eine Frau. "Unverderbliche Lebensmittel! Ist das ein Witz?", hieß es in einem weiteren Kommentar. Kuba leidet unter einer schweren Wirtschafts- und Energiekrise, die sich in den vergangenen Monaten wegen einer Ölblockade der USA noch verschärft hat. Auf der Karibikinsel herrscht Mangel, Medikamente und Essen sind knapp, die Öl- und Dieselvorräte sind nach Angaben der Regierung komplett aufgebraucht. Weitflächig ist das Stromnetz zusammengebrochen. Internationale Fluglinien meiden die Insel, weil sie ihre Jets nicht mehr auftanken können. In der Hauptstadt Havanna gibt es teilweise bis zu 22 Stunden täglich keinen Strom. Die wenigen verfügbaren Lebensmittel verderben im Kühlschrank. Die kubanische Regierung macht dafür das seit mehr als 60 Jahren geltende Handelsembargo der Vereinigten Staaten verantwortlich. Zudem versucht die US-Regierung mit zusätzlichen Drohungen und Boykotten einen wirtschaftlichen und politischen Wandel auf der Insel erzwingen. Die USA drohen jeglichen Ländern mit Zöllen, die versuchen, Kuba mit Öl zu beliefern. Die Versorgung aus Venezuela, dem bisher wichtigsten Öllieferanten Kubas, ist seit der Entmachtung von Staatspräsident Nicolás Maduro durch das US-Militär im Januar abgeschnitten. Mehrfach hat US-Präsident Donald Trump angedeutet, die USA könnten Kuba gewaltsam "übernehmen". Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel warnte die USA im Gegenzug im April davor, den Konflikt zwischen den beiden Ländern militärisch zu eskalieren. "Wenn das passiert, wird es Kämpfe geben, und es wird einen Widerstand geben, und wir werden uns verteidigen, und wenn wir sterben müssen, werden wir sterben", sagte Díaz-Canel in einem Interview des US-Senders NBC News.