Datum17.05.2026 04:01
Quellewww.zeit.de
TLDRDie Terminservicestelle in Sachsen-Anhalt vermittelte 2025 fast 60.000 Facharzttermine, ein Rekord. Die Nachfrage, besonders bei Internisten, Psychotherapeuten, Neurologen und Psychiatern, übersteigt jedoch oft die verfügbaren Termine, obwohl Praxen zusätzliche Stunden anbieten. Patienten nutzen den Service, da sie selbst keine Termine finden. Geplante Sparmaßnahmen der Regierung könnten die Situation verschärfen. Viele gesetzlich Versicherte empfinden die Wartezeiten bei Fachärzten als zu lang.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Ärztemangel“. Lesen Sie jetzt „Fast 60.000 Facharzttermine über Servicestelle gebucht“. Die Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung hat den gesetzlich versicherten Sachsen-Anhaltern im vergangenen Jahr zu so vielen Facharztterminen verholfen wie nie zuvor. Patienten hätten auf diesem Weg 59.949 Termine gebucht, wie die Kassenärztliche Vereinigung (KV) mitteilte. Im Jahr zuvor waren es knapp 56.100 gewesen, 2023 etwa 54.150 Termine. Die Zahl der Terminmeldungen von Arzt- und Psychotherapeutenpraxen stieg den Angaben im Jahr 2025 auf 90.426. Einen Platz in der Sprechstunde ergattern Patienten für die meisten Arztgruppen oder Psychotherapeuten entweder online oder per Telefon über die bundesweit einheitliche Telefonnummer 116117. Im vergangenen Jahr gab es laut KV knapp 204.800 Terminsuchen, wobei es Mehrfachsuchen gab und erfolglose Vermittlungen. Einen Anspruch auf einen bestimmten Arzt gibt es nicht, die Patienten müssen auch weitere Wege in Kauf nehmen. Die angebotenen Termine und die nachgefragten passen nicht immer zusammen - sowohl mit Blick auf die Fachrichtung als auch regional. Die meisten Termine wurden den Angaben zufolge im vergangenen Jahr für Fachinternisten wie Gastroenterologen, Kardiologen, Pneumologen und Rheumatologen vergeben. "Anhand der Buchungsquote, die aus gemeldeten und gebuchten Terminen ermittelt werden kann, lässt sich bei den Internisten ein zunehmender Bedarf feststellen", so eine KV-Sprecherin. Auch bei Psychotherapeuten, Neurologen und Psychiatern seien steigende Terminbuchungen zu beobachten. "Trotzdem übersteigt in den genannten Fachgebieten die absolute Anzahl der gemeldeten Termine die Terminwünsche", hieß es weiter. "Offensichtlich können durch zeitliche oder räumliche Präferenzen der Terminsuchenden nicht alle angebotenen Termine genutzt werden." Die Patienten nehmen den KV-Terminservice in Anspruch, weil sie aufgrund des Ärztemangels selbst keinen Termin finden. Zugleich schlägt sich der Ärztemangel bei den von den Praxen gemeldeten Termine nieder. "Die gemeldeten Termine werden von den Arzt- und Psychotherapeutenpraxen häufig zusätzlich zur bereits vollen Sprechstunde angeboten, um die ambulante Versorgung sicherzustellen", stellt die KV fest. Die geplanten Sparmaßnahmen der Bundesregierung mit dem Ziel, den Anstieg der Krankenkassenbeiträge zu bremsen, könnten Arzttermine noch rarer machen, warnt die Kassenärztliche Vereinigung. Das Missverhältnis zwischen Terminangebot und Vermittlungswünschen in der Terminservicestelle werde voraussichtlich verschärft. Bei Ärzten und Kliniken sollen Vergütungsanstiege begrenzt werden. Bei Praxen sollen mehrere Extra-Zahlungen wegfallen. Etwa jeder dritte gesetzlich Versicherte in Deutschland empfindet die Wartezeit für einen Facharzttermin als zu lang, wie eine Anfang des Jahres veröffentlichte Umfrage des Krankenkassen-Spitzenverbands ergab. Positiv beurteilen die Krankenversicherten Wartezeiten bei ihren Hausarztpraxen. Bei Fachärzten hingegen sind für 30 Prozent der Versicherten die Wartezeiten "zu lang" oder "viel zu lang". 30 Prozent der befragten Versicherten gaben an, dass es zuletzt schwierig war, einen Termin bei einem Facharzt zu erhalten. Bei den Befragten mit einem schlechten Gesundheitszustand waren es sogar 35 Prozent. © dpa-infocom, dpa:260517-930-89362/1