Datum17.05.2026 00:02
Quellewww.zeit.de
TLDRIsrael hat trotz einer verlängerten Waffenruhe neue Angriffe im Südlibanon gestartet, die Infrastruktur der Hisbollah seien angegriffen worden, so Israels Armee. Ein israelischer Soldat sei getötet worden. UN-Generalsekretär Guterres mahnt zur Einhaltung der Feuerpause. Die Hisbollah lehnt die Waffenruhe ab. Der Konflikt fordert auf libanesischer Seite fast 3.000 Tote. Die USA vermitteln Gespräche für dauerhaften Frieden.
InhaltDie israelische Armee bestätigt neue Angriffe auf das Nachbarland. Ein Soldat wurde getötet. Der UN-Generalsekretär fordert, die jüngst verlängerte Feuerpause zu wahren. Israel hat trotz einer gerade verlängerten Waffenruhe neue Angriffe im Libanon begonnen. Das bestätigte die israelische Armee. Die Streitkräfte hätten "in mehreren Gebieten im Süden des Libanon" Infrastruktur der proiranischen Miliz angegriffen. Nach Angaben der libanesischen Staatsnachrichtenagentur NNA beschoss Israel rund 20 Dörfer. Die israelische Armee hatte zuvor Bewohner aufgefordert, mehrere Orte in den Regionen Sidon und Nabatije zu verlassen. Auch die Hisbollah setzte ihre Drohnenangriffe auf den Norden Israels fort, darunter in der grenznahen Stadt Naharija. Im Südlibanon wurde nach israelischen Angaben ein israelischer Soldat getötet. UN-Generalsekretär António Guterres rief "alle Akteure nachdrücklich auf, die Einstellung der Kampfhandlungen uneingeschränkt zu respektieren". Israel und der Libanon hatten sich erst am Freitag unter Vermittlung der USA darauf geeinigt, eine Feuerpause um 45 Tage zu verlängern. Die proiranische Hisbollah-Miliz aber lehnt die Waffenruhe wie auch die direkten Gespräche der beiden Nachbarländer ab. Kaum Stunden nach Bekanntgabe der vereinbarten Feuerpause waren bei einem israelischen Luftangriff auf eine Klinik der Hisbollah-nahen Organisation Islamisches Gesundheitskomitee in der Ortschaft Haruf mindestens sechs Menschen getötet und 22 verletzt worden. Unter den Toten waren nach libanesischen Angaben auch drei Rettungssanitäter. Die Zahl der getöteten Israelis in dem Konflikt hat sich seit dem 2. März auf 21 erhöht – 19 Soldaten und ein Zivilbeschäftigter der Streitkräfte. Nach libanesischen Angaben wurden im selben Zeitraum fast 3.000 Menschen im Libanon durch israelische Angriffe getötet. Israel und der Libanon unterhalten offiziell keine diplomatischen Beziehungen und befinden sich formell seit 1948 im Kriegszustand. Die jüngsten Gespräche unter Vermittlung der USA sind daher bemerkenswert. Doch noch während der zweitägigen Gespräche in Washington rief die israelische Armee die Bevölkerung der südlibanesischen Stadt Tyros dazu auf, die Stadt wegen bevorstehender Angriffe auf Hisbollah-Infrastruktur zu verlassen. Bei anschließenden Angriffen auf Tyros wurden laut dem libanesischen Gesundheitsministerium mindestens 37 Menschen verletzt, darunter sechs Krankenhausmitarbeiter, neun Frauen und vier Kinder. US-Außenamtssprecher Tommy Pigott hatte am Freitag eine Fortsetzung der Gespräche am 2. und 3. Juni angekündigt. Er äußerte die Hoffnung auf "dauerhaften Frieden" zwischen Israel und dem Libanon, eine vollständige Anerkennung der Souveränität und territorialen Integrität beider Länder und "echte Sicherheit entlang ihrer gemeinsamen Grenze". Bereits am 29. Mai will das US-Verteidigungsministerium Militärvertreter aus beiden Ländern zusammenbringen. Der israelische Botschafter in Washington, Yechiel Leiter, hatte nach den Gesprächen eine Garantie für die Sicherheit seines Landes gefordert. "Es wird Höhen und Tiefen geben, aber das Potenzial für Erfolg ist riesig", sagte er mit Blick auf mögliche künftige Beziehungen zwischen beiden Staaten. Auch die libanesische Delegation äußerte die Hoffnung auf "dauerhafte Stabilität". Libanons Regierungschef Nawaf Salam warf der vom Iran finanzierten Hisbollah vor, den Libanon in einen neuen "unverantwortlichen" Krieg hineingezogen zu haben. Die Hisbollah, deren erklärtes Ziel die Vernichtung Israels ist, lehnt eine Beteiligung an den Gesprächen wie auch die Waffenruhe ab. Die Gruppe hatte in Reaktion auf die Tötung des obersten iranischen Führers Ayatollah Ali Chamenei Anfang März Raketen auf Israel gefeuert. Israel flog daraufhin massive Angriffe auf Teile des Libanon und schickte Bodentruppen über die Grenze.