Anschläge auf jüdische Einrichtungen: Mutmaßlicher Drahtzieher angeklagt

Datum16.05.2026 13:29

Quellewww.spiegel.de

TLDREin Iraker, der als hochrangiges Mitglied der Kataib Hisbollah gilt, wurde in den USA angeklagt. Ihm wird vorgeworfen, fast 20 Anschläge auf jüdische und US-Einrichtungen in Europa koordiniert zu haben, darunter ein Brandanschlag auf ein Münchner Restaurant. Er soll auch versucht haben, in den USA zu töten. Die proiranische Tarnorganisation HAYI bekannte sich zu einigen Taten. Der Angeklagte wurde in der Türkei festgenommen.

InhaltMonatelang wurden Synagogen, jüdische Einrichtungen und US-Unternehmen in Europa attackiert. Immer wieder führte die Spur zu einer neuen proiranischen Gruppe. Nun steht ein Verdächtiger in den USA vor Gericht. Die US-Behörden haben einen Iraker angeklagt, der für fast 20 Anschläge auf jüdische und US-Einrichtungen in Europa verantwortlich sein soll. Dazu soll auch ein Brandanschlag auf ein jüdisches Restaurant in München gehören. Der Verdächtige namens Mohammad Baqer Saad Dawood Al-Saadi wurde laut US-Medien in der Türkei festgenommen und an die US-Behörden überstellt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, ein hochrangiges Mitglied der schiitischen Miliz Kataib Hisbollah im Irak zu sein. Sie gilt als Stellvertreterorganisation der iranischen Revolutionswächter. Dem Angeklagten wird unter anderem vorgeworfen, einer ausländischen Terrororganisation materielle Unterstützung geleistet zu haben. Ein veröffentlichtes Foto soll den Iraker zusammen mit Qasem Soleimani zeigen, dem inzwischen getöteten Befehlshaber der iranischen Quds-Brigraden. Der Angeklagte soll fast 20 Angriffe und versuchte Angriffe in ganz Europa und den Vereinigten Staaten koordiniert oder unterstützt haben, "einschließlich seiner Bemühungen, auf US-amerikanischem Boden zu töten", sagte US-Staatsanwalt Jay Clayton für den südlichen Bezirk von New York. Zu einigen der Anschläge hatte sich eine zuvor unbekannte Gruppe namens Harakat Ashab al-Yamin al-Islamia (HAYI) bekannt, darunter auch in München. Die Ermittler gingen schon früh davon aus , dass dahinter womöglich iranische Geheim- und Sicherheitsdienste stecken könnten. Schon zuvor hatte es Ermittlungen wegen mutmaßlich iranischer Anschlagspläne in Europa gegeben. Der Anwalt des nun Angeklagten lehnte es ab, sich inhaltlich zu den Anklagepunkten zu äußern, da es seiner Ansicht nach zu früh sei, Details des Falles zu besprechen. Er warnte jedoch vor voreiligen Schlüssen. "Unsere Hauptsorge gilt derzeit den Haftbedingungen, da er, wie wir erfahren haben, in Einzelhaft gehalten wird, was wir für grausam und unnötig halten", sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. Zu den Taten, für die der Iraker verantwortlich sein soll, gehören Angriffe auf Synagogen in Lüttich (Belgien) und Rotterdam (Niederlande) sowie auf eine jüdische Schule in Amsterdam. Außerdem sollen unter seiner Führung Niederlassungen von US-Banken in mehreren Ländern sowie vier Krankenwagen eines jüdischen Rettungsdienstes in London attackiert worden sein. Die Behörden werfen ihm überdies vor, mögliche Angriffe innerhalb der Vereinigten Staaten erörtert zu haben, etwa auf mögliche Ziele in New York, Kalifornien und Arizona.