Datum16.05.2026 04:02
Quellewww.zeit.de
TLDRMinisterpräsident Schulze (CDU) setzt auf gesteuerte Zuwanderung und stärkere Arbeitsmarktintegration, um dem Fachkräftemangel in Sachsen-Anhalt entgegenzuwirken. Er kritisiert die AfD, deren Lösungsansätze zu langfristig seien. Schulze betont die Notwendigkeit kurzfristiger Maßnahmen und sieht Wachstumspotenzial in Branchen wie der Gesundheitswirtschaft. Er fordert zudem eine höhere Erwerbsquote Einheimischer.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Sachsen-Anhalt“. Lesen Sie jetzt „Schulze setzt auf Zuwanderung in den Arbeitsmarkt“. Angesichts einer älter werdenden Bevölkerung und dem Fachkräftemangel setzt Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) auf Zuwanderung. "Natürlich brauchen wir weiterhin eine gesteuerte Zuwanderung in den Arbeitsmarkt aus dem Ausland. Das ist ein Zukunftsthema und das unterscheidet mich von der AfD", sagte Schulze der Deutschen Presse-Agentur. "Die AfD behauptet, sie würde hier massiv Deutsche, die Deutschland verlassen haben, wieder nach Sachsen-Anhalt kriegen", sagte der CDU-Politiker. "Da bin ich mal gespannt, ob der Zahnarzt, der aus Baden-Württemberg in die Schweiz ausgewandert ist, dann, wenn die AfD hier regieren würde, eine Praxis in Sachsen-Anhalt aufmachen würde. Das würde ich bezweifeln." Weiterhin will Schulze dafür sorgen, dass mehr Menschen in Sachsen-Anhalt eine Arbeit aufnehmen. "Wir haben circa 50.000 Menschen, die arbeitsfähig wären und nicht arbeiten. Es muss nicht immer der extrem komplexe Arbeitsplatz sein, sondern es gibt auch viele einfache Arbeitsplätze. Bei der Ernte braucht man kein Fachabitur", so der Regierungschef. "Diejenigen, die weiterhin sagen, ich möchte vollumfänglich nicht arbeiten und vom Staat leben, die werden zukünftig hier in Sachsen-Anhalt mehr Druck bekommen." Im Jahresdurchschnitt 2025 waren in Sachsen-Anhalt 88.574 Personen arbeitslos gemeldet. Die Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeit teilte auf Anfrage mit, die Anzahl schwer vermittelbarer Arbeitsloser könne nicht genau beziffert werden. Hemmnisse, eine Arbeit aufzunehmen, seien etwa schwerwiegende gesundheitliche Einschränkungen, Langzeitleistungsbezug, ein Alter von über 50 Jahren, schlechte Deutschkenntnisse oder auch fehlende Schul- und Ausbildungsabschlüsse. AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund sieht Migration nicht als alleinige Lösung für den Arbeitskräftemangel. "Wir müssen es langfristig wieder aus eigener Kraft schaffen, Fachkräfte zu generieren und durch gute Lebensbedingungen in unserem Land zu halten", erklärte er. Schulze kritisiert die AfD. "Unsere Herausforderungen sind kurzfristig. Die Ideen, die jetzt von der AfD kommen, unter anderem zum Thema mehr Kinder kriegen - selbst wenn das wirken würde, hilft uns das erst in 16, 18 oder 20 Jahren", sagte der Ministerpräsident. "Ich habe aber jetzt die Thematik, dass die Krankenhäuser sagen, wir haben zu wenig Krankenschwestern. Ich habe jetzt die Thematik, dass Unternehmen sagen, wir haben zwar Aufträge, aber wir können sie zum Teil gar nicht abarbeiten." Schulze sieht etwa in der Gesundheitswirtschaft eine Wachstumschance. "Die Pharmabranche hat erkannt, dass wir nicht alles ins außereuropäische Ausland verlegen können. Und was wäre denn besser als Sachsen-Anhalt mitten in der Mitte Europas?", so Schulze. © dpa-infocom, dpa:260516-930-86659/1