Autoindustrie: Mercedes-Benz offen für Einstieg in Rüstungsproduktion

Datum16.05.2026 02:49

Quellewww.zeit.de

TLDRMercedes-Benz erwägt einen Einstieg in die Rüstungsproduktion, da Europa seine Verteidigungsfähigkeit ausbauen müsse. Konzernchef Ola Källenius betonte, dass dies wirtschaftlich sinnvoll sein müsse und man bereit sei, eine positive Rolle zu spielen. Ähnliche Pläne gibt es bei Volkswagen. Die deutsche Autoindustrie steht unter Druck, während die Rüstungsindustrie stark wächst und Fachkräfte sucht.

InhaltEuropa müsse seine Verteidigungsfähigkeit ausbauen, sagt Mercedes-Chef Ola Källenius in einem Interview. Der Autokonzern wäre grundsätzlich bereit zu liefern. Der Autokonzern Mercedes-Benz erwägt einen Einstieg in die Rüstungsproduktion. Ein ⁠solcher Schritt müsse ​jedoch wirtschaftlich sinnvoll sein, ‌sagte ⁠Konzernchef Ola ​Källenius der Zeitung The Wall Street Journal. "Die Welt ist unberechenbarer geworden, und ich denke, es ist ⁠völlig ​klar, dass Europa ‌seine Verteidigungsfähigkeit ausbauen ‌muss", sagte der Manager. "Sollten wir dabei eine positive Rolle spielen können, wären ‌wir dazu ​bereit", fügte Källenius hinzu. Zuvor hatte bereits Volkswagen ähnliche Pläne öffentlich gemacht. Das Unternehmen will laut VW-Chef Oliver Blume noch in diesem Jahr entscheiden, ob es in seinem Osnabrücker Werk künftig militärische Transportfahrzeuge für die Verteidigungsindustrie herstellen soll. Blume hatte im April jedoch betont, dass Volkswagen keine Waffen oder Panzer produzieren werde. Die deutsche Autoindustrie steht unter Druck, unter anderem wegen anhaltender Zolldrohungen aus den USA, Konkurrenz aus China und schwacher Nachfrage in Europa. Bis auf BMW haben alle Autobauer in den vergangenen Monaten Stellenstreichungen an deutschen Standorten beschlossen. Die Rüstungsindustrie dagegen wächst. Laut einem neuen Bericht des Friedensforschungsinstituts Sipri steigerten die 100 größten Waffenhersteller der Welt ihren Gesamtumsatz im Jahr 2024 auf einen neuen Spitzenwert. Der größte deutsche Rüstungskonzern Rheinmetall etwa ewartet für dieses Jahr ein Umsatzplus von bis zu 45 Prozent und kann sich nach eigenen Angaben vor Bewerbungen kaum retten. Allein in Deutschland bewarben sich im vergangenen Jahr rund 250.000 Menschen bei Rheinmetall – gut fünfmal mehr als die 44.000 Menschen, die der Konzern derzeit beschäftigt, sagte Konzernchef Armin Papperberger im April.