Datum15.05.2026 20:28
Quellewww.spiegel.de
TLDRDie WHO findet keine Hinweise auf eine gefährliche Hantavirus-Mutation im Ausbruch auf der MV "Hondius". Der südamerikanische Andes-Typ wurde identifiziert, Übertragung von Mensch zu Mensch war bisher selten. Elf Fälle, darunter drei Verstorbene, sind bekannt. Vermutlich infizierte sich ein Passagier in Südamerika an Land, was zu weiteren Mensch-zu-Mensch-Übertragungen führte. Die genauen Übertragungswege sind noch unklar, Kontrollen laufen.
InhaltBislang galt die Übertragung von Hantaviren von Mensch zu Mensch als sehr selten. Auch deshalb stellt der Ausbruch auf der MV "Hondius" Forschende vor ein Rätsel. Nun gibt es neue Erkenntnisse zu dem gefundenen Virustyp. Die während einer Atlantikkreuzfahrt auf der MV "Hondius" erfolgten Hantavirus-Infektionen sind nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wohl nicht auf eine gefährliche Mutation des Virus zurückzuführen. Genetische Analysen und Vergleiche mit früheren Stichproben hätten bislang keinen Hinweis auf eine leichtere Übertragbarkeit oder schwere Krankheitsfälle im vorliegenden Ausbruch ergeben, sagte WHO-Expertin Maria Van Kerkhove. Im Zusammenhang mit dem Kreuzfahrtschiff gibt es laut den jüngsten Daten der WHO zehn Hantavirus-Fälle, von denen acht in Laboren bestätigt wurden. Bei einer elften Person aus den USA habe sich ein ursprünglicher Infektionsverdacht nach mehreren Tests nicht bestätigt, sagte Van Kerkhove. Drei Infizierte sind gestorben, darunter eine Frau aus Deutschland. Alle drei Fälle sind mittlerweile laborbestätigt auf das Hantavirus zurückzuführen. Auf dem Schiff kursierte der südamerikanische Andes-Typ des Hantavirus; es wird wie alle Typen in der Regel von Nagetieren übertragen, etwa über Kotpartikel in aufgewirbeltem Staub. Beim Andesvirus sind vereinzelt auch Mensch-zu-Mensch-Übertragungen möglich, doch normalerweise braucht es dazu andauernden, engen Kontakt. Es seien aber noch Fragen zu möglichen Infektionen mit weniger intensivem Kontakt offen, räumte Van Kerkhove ein. Es sei nämlich auch ein vergangener Ausbruch im Zusammenhang mit einer Geburtstagsfeier bekannt, sagte sie. Die WHO geht davon aus, dass sich ein Passagier aus den Niederlanden in Südamerika an Land infiziert hatte, bevor er in Argentinien an Bord ging. Erste Erkenntnisse zu seinen Aktivitäten weisen laut der WHO darauf hin, dass er vor der Kreuzfahrt möglicherweise bei Vogelbeobachtungen im Süden Südamerikas mit Nagetieren in Kontakt gekommen war. Gen-Analysen haben den Angaben zufolge ergeben, dass die weiteren Infektionen wohl von Mensch zu Mensch passierten. Der Niederländer und seine Frau sind verstorben. Die "Hondius" mit insgesamt etwa 150 Menschen an Bord hatte zuletzt vor Teneriffa geankert. Die Passagiere wurden evakuiert und in ihre Heimatländer transportiert, wo sie unter Quarantäne gestellt wurden. Wegen der mehrwöchigen Inkubationszeit des Virus könnten unter den ehemaligen Passagieren noch weitere Fälle bekannt werden, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. Dies sei aber kein Zeichen für einen wachsenden Ausbruch, sondern für funktionierende Überwachungsmaßnahmen. Bei der Frage, wie gefährlich der Ausbruch ist, hilft vor allem der erste Patient, bei dem das Virus nach dem Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff in Europa nachgewiesen wurde. Der Schweizer hatte nach seiner Reise Symptome entwickelt und war in einem Krankenhaus in Zürich positiv getestet worden. Mit seinen Blutproben haben Forscher nun erstmals das Erbgut des Virus von dem Kreuzfahrtschiff vollständig entschlüsselt. Mehr dazu lesen Sie hier.