Datum15.05.2026 09:27
Quellewww.zeit.de
TLDRDie WHO warnt vor Nikotinbeuteln, deren globaler Absatz 2024 um 50% stieg. Diese kleinen Säckchen setzen Nikotin über die Mundschleimhaut frei und sind in den meisten Ländern kaum reguliert. Die WHO kritisiert Marketingtaktiken, die sich an Jugendliche richten, und fordert strengere Vorschriften wie Aromenverbote, Werbebeschränkungen und Alterskontrollen, um süchtig machende Produkte und damit verbundene Gesundheitsrisiken einzudämmen.
InhaltObwohl der Verkauf in Deutschland verboten ist, werden Nikotinbeutel auch hier zunehmend zum Trend. Weltweit stieg der Absatz 2024 um 50 Prozent. Die WHO ist alarmiert. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat in einem Bericht auf die Risiken sowie die enorm schnelle Ausbreitung von Nikotinbeutel hingewiesen. Dabei handelt es sich um kleine Säckchen, die meist zwischen Zahnfleisch und Lippe platziert werden und Nikotin über die Mundschleimhaut freisetzen. Wie aus dem Bericht hervorgeht, stieg der Einzelhandelsabsatz 2024 um mehr als 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der weltweite Markt belief sich im vergangenen Jahr auf einen Wert von umgerechnet knapp sechs Milliarden Euro. In den meisten Ländern sei der Konsum kaum geregelt, gab die WHO an. 160 Länder verfügten über keine spezifischen Vorschriften, 32 Staaten würden den Verkauf in unterschiedlicher Weise regulieren. Teilweise würden die Aromen – typischerweise enthalten die Beutel neben Nikotin Aromastoffe, Süßungsmittel und weitere Zusatzstoffe – eingeschränkt. Mancherorts sei der Verkauf an Minderjährige oder Werbung verboten. Nur 16 Länder hätten den Verkauf verboten. Dazu zählt auch Deutschland. Durch den Onlinehandel gewinnen Nikotinbeutel hierzulande aber dennoch an Beliebtheit. Mit einem Anteil von 80 Prozent stellen die USA laut Bericht den größten Markt dar. Aber auch in Schweden seien die Produkte beliebt. Die Beutel sind bei Kindern und Jugendlichen begehrt. Das liegt offenbar auch an der Werbestrategie der Anbieter. Diese umwerben dem Bericht zufolge vor allem Jugendliche und junge Erwachsene. Das geschehe etwa mit Aromen wie Kaugummi und Gummibärchen, mit Influencer-Marketing in sozialen Medien sowie durch Botschaften, die zum unauffälligen Konsum in Schulen und rauchfreien Umgebungen ermutigen. "Diese Produkte sind darauf ausgelegt, süchtig zu machen; es besteht ein dringender Bedarf, unsere Jugend vor der Manipulation durch die Industrie zu schützen", sagte Etienne Krug, Direktor der Abteilung für Gesundheitsdeterminanten, Gesundheitsförderung und Prävention bei der WHO. Behauptungen, Nikotinbeutel könnten helfen, mit dem Rauchen aufzuhören, weist die Organisation als unbegründet zurück. Oft konsumierten Raucher sogar mehr Nikotin, weil sie die Beutel dort verwendeten, wo das Rauchen verboten ist, und ansonsten weiterrauchten. Nach Angaben der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) steigert Nikotin das Risiko für Schlaganfälle und koronare Herzerkrankungen, kann die Tumorbildung fördern und steht im Verdacht, die Gefahr von Diabetes zu erhöhen. Die Organisation fordert eine Reihe an Maßnahmen, um den Konsum einzudämmen. Für Aromen sollte es etwa Verbote oder strenge Beschränkungen geben. Außerdem hält die WHO Werbeverbote, strenge Altersüberprüfungen und Kontrollen im Einzelhandel, Gesundheitswarnungen auf Verpackungen sowie Obergrenzen für den zulässigen Nikotingehalt für geboten. Auch eine Besteuerung, um Nikotinbeutel zunehmend unerschwinglich zu machen, wird als Maßnahme genannt. Die Vorschriften müssten darüber hinaus konsequent durchgesetzt werden, fordert die Weltgesundheitsorganisation in dem Bericht. Dieser wird anlässlich des Weltnichtrauchertages am 31. Mai unter dem Titel "Die Enthüllung der Marketingtaktiken und -strategien, die das weltweite Wachstum von Nikotinbeuteln antreiben" veröffentlicht.