Datum15.05.2026 05:51
Quellewww.spiegel.de
TLDRDer Artikel beleuchtet die aktuelle politische Lage: US-Präsident Trump und Chinas Staatschef Xi treffen sich in Peking; britischer Premier Starmer kämpft um den Erhalt seines Amtes angesichts interner Machtkämpfe; Kanzler Merz diskutiert beim Katholikentag mit Jugendlichen. Zudem wird über Biontech berichtet, das nach dem Erfolg mit dem Corona-Impfstoff nun mit Standortschließungen und Stellenabbau konfrontiert ist.
InhaltUS-Präsident Trump und Chinas Staatschef Xi ringen beim Gipfel in Peking um Ergebnisse. Der britische Premier Starmer kämpft um sein Amt. Und Kanzler Merz diskutiert beim Katholikentag mit Jugendlichen. Das ist die Lage am Freitagmorgen. Während Sie diese Zeilen lesen, sitzen US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping möglicherweise noch beim bilateralen Arbeitsessen in Zhongnanhai, dem Machtzentrum der Kommunistischen Partei nahe der Verbotenen Stadt. Es ist ein Besuch, bei dem sich die beiden mächtigsten Männer der Welt mühen, sich als Freunde zu inszenieren. Goldenes Besteck, goldgerändertes Porzellan, goldene Säulen: Beim Staatsbankett in der Großen Halle des Volkes bot Xi seinem Gast gestern Trump-tauglichen Pomp. An den Straßen waren Jubelkinder drapiert, für den US-Präsidenten gab es Salutschüsse. Der US-Präsident ist für so etwas empfänglich. Er revanchierte sich mit einer Einladung Xis nach Washington für den 24. September. Hohe Zölle? Handelskonflikte? Spielten eine Nebenrolle, Xi versprach US-Unternehmen bessere Geschäfte. "Was ist das für eine fröhliche Schleimerei heute Abend in Peking", schrieb meine Kollegin, China-Korrespondentin Maria Stöhr (mehr hier ). Eine entscheidende Ausnahme gibt es: beim faktisch unabhängigen, aber von Peking als Staatsgebiet reklamierten Taiwan. Da drohte Xi bei der ersten Begegnung mit Trump. Taiwan habe das Potenzial, die Beziehungen zwischen den USA und China "in eine gefährliche Lage" zu bringen. Eine taiwanische Unabhängigkeit sei mit Frieden so wenig vereinbar "wie Feuer und Wasser". Trump ging gestern nicht darauf ein, was für Spekulationen sorgt. Die schriftlichen Zusammenfassungen der Zusammenkunft unterscheiden sich in wichtigen Details. Die US-Amerikaner nennen Taiwan darin nicht. Iran schrumpft im chinesischen Handout zu einer "Situation Nahost", wie Maria berichtet: "Dabei hofft Trump doch so sehr, dass die Chinesen in Zukunft mehr Druck auf das Regime in Teheran machen. Man ist sich also bei Weitem uneiniger zwischen Washington und Peking, als die liebe Show es inszenierte." Wer den Gipfel als der Stärkere verlässt, wird sich heute zeigen. Nach dem Arbeitsessen mit Xi steigt Trump wieder in sein Regierungsflugzeug. Der Katholikentag ist auch eine politische Veranstaltung, ablesen lässt sich das am Großaufgebot von Parlamentariern in Würzburg, vor allem aus den beiden C-Parteien. Gemeinsam haben Kirche und Unionspolitiker: Sie müssen um Vertrauen kämpfen. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) war am Eröffnungstag da. Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) rief gestern zu mehr Optimismus auf. Heute Nachmittag debattiert Julia Klöckner (CDU) über Kompromisssuche in einer aufgeheizten Gesellschaft. Neulich hatte die Bundestagspräsidentin über ihre frühen Erfahrungen als weibliches Mitglied der katholischen Kirche gesagt, es mache sie "kirre", wenn sie aus Prinzip etwas nicht dürfe. "Ich war aktiv in der Kirche und durfte nicht Messdienerin werden" (mehr hier ). Friedrich Merz war in seiner Jugend tatsächlich Messdiener. Im politischen Katholizismus lässt sich der Bundeskanzler dennoch nicht verorten. Er ist keiner, der seinen Glauben wie eine Monstranz (Katholikinnen wissen, was das ist) vor sich herträgt. Heute Vormittag tritt er beim Katholikentag auf. "Bundeskanzler Friedrich Merz im Gespräch mit jungen Menschen", so steht es im Programm. Klingt unspektakulär, denken Sie? Ich bin da nicht sicher. Als der CDU-Chef das letzte Mal mit jüngeren Menschen diskutierte, löste er eine größere Krise bei US-Präsident Donald Trump aus. Bei einem Gespräch mit Schülern am Carolus-Magnus-Gymnasium in Marsberg hatte Merz Ende April gesagt, die Amerikaner hätten keine Strategie, um den Irankrieg zu beenden. Was folgte, war ein Wutausbruch Trumps in den sozialen Medien – bis hin zur Drohung, US-Truppen aus Deutschland abzuziehen. Ob der britische Premierminister Keir Starmer nächste Woche noch im Amt ist? Allzu viel Geld würde ich nicht darauf verwetten. Starmer ist die Kontrolle über seine Labour-Partei entglitten. Nach nicht einmal zwei Jahren an der Macht zerlegt sich seine Regierungspartei (mehr hier ). Bei Labour hat der Machtkampf begonnen. Seit gestern bringen sich diejenigen in Position, die sich möglicherweise als Nachfolger sehen. Am Morgen brachte sich Angela Rayner zurück ins Gespräch, frühere Vizepremierministerin und lange wichtigste Figur des linken Labour-Flügels. Am Mittag erklärte Gesundheitsminister Wes Streeting seinen Rücktritt – und seinen Bruch mit Starmer. Seit Tagen galt er als der Mann, der den Parteichef herausfordern könnte. Schon anlässlich der Kabinettssitzung am vergangenen Dienstag warfen ihm Journalisten die britisch-süffisante Frage zu, ob er in Downing Street 10 bereits die Vorhänge ausmesse, wie mein Kollege Christoph Giesen berichtet. Offiziell erklärt hat sich Streeting zur Nachfolgefrage noch nicht. Einige Stunden nach Streetings Abgang legte der Labour-Abgeordnete Josh Simons sein Mandat im Unterhaus nieder, um einem anderen, einem großen Favoriten auf Starmers Nachfolge den Weg zu ebnen: dem bisherigen Bürgermeister von Greater Manchester, Andy Burnham. Für einen Sprung in den Regierungssitz braucht Burnham einen Sitz im Parlament. "Dieser Weg dürfte jedoch Wochen dauern – und käme womöglich zu spät, falls Streeting auf ein rasches Duell drängt", schreibt Christoph. Noch mehr Rätsel wie Viererkette, Wordle und Paarsuche finden Sie bei SPIEGEL Games. …ist das Unternehmen Biontech, das heute in Mainz seine virtuelle Hauptversammlung abhält. Der Impfstoffhersteller wird künftig um eine große Erzählung und einige Standorte ärmer: Im März hatte das Gründerpaar Uğur Şahin und Özlem Türeci angekündigt, dass es Biontech zum Jahresende verlassen wolle, um anderswo neu anzufangen. 2008 hatten die beiden Wissenschaftler mit Einwanderungsgeschichte das Unternehmen gegründet, das den ersten zugelassenen mRNA-Impfstoff der Welt entwickelte – und damit eine entscheidende Waffe gegen die Coronapandemie. Es war eine deutsche Heldengeschichte. Inzwischen ist klar, dass das Unternehmen offenbar keinen richtig guten Plan für die Zeit nach der Pandemie hatte und Entscheidungen verschlief. Die Werke in Idar-Oberstein, Marburg und Tübingen stehen vor der Schließung, bis zu 1860 Stellen sind in Gefahr. Lachen, streiten, zünftig essen – und der Ort dafür? Das Gasthaus. Doch immer mehr Betriebe müssen schließen. Diese acht stemmen sich gegen den Trend . Ich wünsche Ihnen einen prächtigen Start in den Tag. Ihre Cornelia Schmergal, Ressortleiterin Wirtschaft