Datum15.05.2026 03:12
Quellewww.zeit.de
TLDRHandwerkspräsident Jörg Dittrich kritisiert fehlendes Gesamtkonzept und mangelnde Professionalität der Bundesregierung bei Reformplänen. Er bemängelt übermäßige Umverteilungsdebatten und fordert Anreize für Investitionen sowie die Überwindung von Misstrauen gegenüber Unternehmertum. Der s üddeutsche Handwerkstag betonte die Notwendigkeit, Dokumentationspflichten und Abgaben zu reduzieren. Die Regierung plant ein Reformpaket zu Steuern, Arbeitsmarkt, Rente und Bürokratieabbau, wobei Arbeitgeber und Gewerkschaften eingebunden werden sollen.
InhaltDie Kritik an den Reformplänen der Koalition hält an. Die Arbeit sei unprofessionell, moniert Handwerkspräsident Jörg Dittrich. Es fehle ein "schlüssiges Gesamtkonzept". Die deutsche Handwerksbranche hält die bisherigen Reformschritte der schwarz-roten Bundesregierung für unzureichend. "Ich erwarte ein schlüssiges Gesamtkonzept. Davon ist in diesem Frühling der Reformen leider ebenso wenig zu sehen wie im vergangenen Herbst", sagte Jörg Dittrich, der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Er erwarte von der Bundesregierung außerdem "mehr Qualität und Professionalität" in ihrer Arbeit. "Diese Regierung besteht aus vielen erfahrenen Politikerinnen und Politikern", sagte der Handwerkspräsident. Es sei "eine berechtigte Erwartung, dass dort besser gearbeitet wird", fügte er hinzu. Wenn in seiner Zunft handwerkliche Fehler passierten, werde dies "Pfusch" genannt. Inhaltlich kritisierte Dittrich, dass "viel zu viel über Umverteilung" geredet werde. "Doch Umverteilung schafft kein Wirtschaftswachstum. Weder springt der Export an, noch wird mehr investiert, wenn beispielsweise der Spitzensteuersatz erhöht wird." Der Handwerkspräsident rief dazu auf, "das übertriebene Misstrauen gegenüber Unternehmertum und Eigenverantwortung in Deutschland" zu überwinden. "Überbordende Dokumentationspflichten und zu hohe Steuern und Abgaben nehmen vielen den Antrieb, sich selbstständig zu machen und wirtschaftlich erfolgreich zu sein." Jede Veränderung im Steuersystem müsse Anreize für Investitionen setzen. Darüber hinaus müsse die Sozialversicherungslast für Betriebe und Beschäftigte verringert werden, "so wie es mit der Agenda 2010 unter Kanzler Schröder gelungen ist", sagte Dittrich. Wegen der anhaltenden Streits um Reformpläne der Bundesregierung hat Bayerns SPD-Chef Sebastian Roloff die Koalition zu Kompromissen mit Kritikern aufgerufen. "Reform funktioniert nur mit allen Beteiligten - Gewerkschaften, Arbeitgeber, Länder", sagte Roloff dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Die Bundesregierung müsse diese Vertreter frühzeitig einbinden, forderte Roloff, der zugleich wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion ist. "Wer die erst am Ende einlädt, muss teilweise mit Widerstand rechnen", sagte er. Die Koalition plant, bis zur Sommerpause ein Reformpaket auf den Weg zu bringen. Dieses soll unter anderem die Bereiche Steuern, Arbeitsmarkt, Rente und Bürokratieabbau umfassen. Arbeitgeber und Gewerkschaften sollen dabei in den Prozess eingebunden werden. Nach Angaben von Unionsfraktionschef Jens Spahn und CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann ist für Anfang Juni ein Dialog der Sozialpartner mit dem Koalitionsausschuss im Kanzleramt vorgesehen. Ein konkreter Termin steht noch nicht fest. Am Donnerstag hatte unter anderem bereits der Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger mehr Bereitschaft zu tiefgreifenden Veränderungen angemahnt. Zahlreiche Politiker forderten die Bundesregierung auf, den öffentlichen Streit einzustellen.