Datum15.05.2026 01:43
Quellewww.zeit.de
TLDRKuba meldet das vollständige Aufbrauchen seiner Öl- und Dieselvorräte, was zu großflächigen Stromausfällen und seltenen Protesten führt. Die Regierung führt die Krise auf die US-Blockade und den Wegfall venezolanischer Lieferungen zurück. Kuba sucht dringend nach Treibstoffimporten und erwägt ein US-Hilfsangebot, das jedoch an Bedingungen geknüpft ist. Gleichzeitig fanden Gespräche zwischen US- und kubanischen Vertretern über Geheimdienstkooperation, Sicherheit und Kubas Rolle auf der Terrorismusliste statt.
InhaltDie US-Blockade stürzt die Insel in die Krise. Öl- und Dieselvorräte sind aufgebraucht, das Stromnetz kollabiert. Der US-Geheimdienst ist zu Gesprächen nach Kuba gereist. Auf Kuba spitzt sich wegen der anhaltenden US-Blockade die Energiekrise dramatisch zu. Die Öl- und Treibstoffreserven auf der Insel sind nach Regierungsangaben aufgebraucht. Die Stromversorgung ist großflächig zusammengebrochen. Hunderte Anwohner kamen zu Protesten zusammen, was auf der kommunistisch regierten Karibikinsel selten geschieht. In Teilen der Hauptstadt Havanna brannten Barrikaden. Wütende Anwohner schlugen auf Töpfe und riefen "Schaltet das Licht an". Zuvor hatte der kubanische Energieminister Vicente de la O Levy im Staatsfernsehenn mitgeteilt, die Treibstofflager seien leer. "Wir haben absolut kein Öl und absolut keinen Diesel mehr", sagte de la O Levy. Das nationale Stromnetz befinde sich in einem kritischen Zustand, die Hauptstadt Havanna erlebe die schwersten Stromausfälle seit Jahrzehnten. Viele Stadtteile seien 20 bis 22 Stunden täglich ohne Strom, sagte de la O Levy. Die kommunistische Regierung des Karibikstaates führt die Krise auf eine monatelange US-Ölblockade zurück. US-Präsident Donald Trump droht Staaten mit Zöllen, die Kuba beliefern. Die US-Regierung will mit diesem Boykott einen wirtschaftlichen und politischen Wandel auf der Insel erzwingen. Die Versorgung aus Venezuela, dem bisher wichtigsten Öllieferanten Kubas, ist seit der Entmachtung von Staatspräsident Nicolás Maduro durch das US-Militär abgeschnitten. Die Situation sei "sehr angespannt", sagte der Energieminister und eklärte, Kuba sei "offen für jeden, der uns Treibstoff verkaufen möchte". Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel hatte der US-Regierung am Mittwoch eine "völkermörderische Energieblockade" vorgeworfen. Die Vereinten Nationen bezeichneten Trumps Treibstoffblockade vergangene Woche als rechtswidrig. Seit Anfang des Jahres hat nur ein russischer Tanker mit 100.000 Tonnen Öl die Insel angelaufen. Laut der kubanischen Regierung benötigt das Land mit rund zehn Millionen Einwohnern aber monatlich mindestens acht solcher Lieferungen. Wegen des Treibstoffmangels und seiner insgesamt maroden Infrastruktur kann Kuba nur ein Drittel seines Energiebedarfs decken. Mehrere Fluggesellschaften fliegen die Karibikinsel mittlerweile nicht mehr an, weil sie für den Rückflug dort nicht mehr genug Kerosin bekommen. Kubas Regierung erwägt nun nach eigenen Angaben ein Angebot von US-Außenminister Marco Rubio über Hilfsgelder in Höhe von 100 Millionen Dollar (etwa 85 Millionen Euro). Die US-Regierung hatte allerdings die Bedingung gestellt, das Geld müsse von der katholischen Kirche und anderen unabhängigen Organisationen – nicht von der kubanischen Regierung – verteilt werden. "Wir sind bereit, uns die Einzelheiten des Angebots und die Art und Weise, wie es umgesetzt werden soll, anzuhören", schrieb Außenminister Bruno Rodríguez auf X. Es sei bisher jedoch unklar, ob es sich um Geld- oder Sachhilfe handle. Er forderte erneut die Aufhebung der US-Blockade. Eine US-Delegation um CIA-Direktor John Ratcliffe hat sich unterdessen am Donnerstag in Havanna zu Gesprächen mit hochrangigen kubanischen Regierungsvertretern getroffen, darunter dem Enkel von Ex-Präsident Raúl Castro. Das bestätigten kubanische und US-amerikanische Behörden. Bei den Gesprächen ging es demnach um Geheimdienstkooperation, wirtschaftliche Stabilität und Sicherheitsfragen. Die Zusammenkunft habe auf Antrag der US-Regierung stattgefunden, teilte die kubanische Regierung mit. Kuba hätte eindeutig nachweisen können, dass die Insel "keine Bedrohung für die nationale Sicherheit der USA" darstelle, hieß es weiter. Es gebe keinen Grund, das Land weiterhin auf der US-Liste der staatlichen Sponsoren von Terrorismus zu führen, für die Sanktionen gelten. Kuba finanziere oder dulde keine terroristischen Organisationen und habe "niemals feindliche Aktivitäten gegen die USA unterstützt". Auch Bundeskanzler Friedrich Merz hatte im April betont, dass von Kuba keine Gefahr ausgehe. US-Präsident Donald Trump hatte am Dienstag in seinem Onlinedienst Truth Social geschrieben: "Kuba bittet um Hilfe, und wir werden reden!!!" Weitere Angaben zu den Gesprächen machte er nicht. Trump hatte immer wieder gesagt, die USA wollten Kuba "übernehmen". Das nährte auf der Insel Befürchtungen einer militärischen Intervention. Trotz der Blockade setzt Kuba nach Regierungsangaben die Verhandlungen über Treibstoffimporte fort. Die steigenden Öl- und Transportpreise angesichts des amerikanisch-israelischen Krieges mit dem Iran erschwerten diese Bemühungen jedoch zusätzlich.