Trumps Kürzungen bei der Entwicklungshilfe: Studie zeigt dramatische Folgen

Datum14.05.2026 21:57

Quellewww.spiegel.de

TLDREine Studie zeigt, dass Trumps Kürzungen bei der US-Entwicklungshilfe zu einem deutlichen Anstieg von Gewalt in mehreren afrikanischen Regionen geführt haben. Untersucht wurden betroffene Gebiete, die zuvor viel Unterstützung erhielten. Die abrupten Einschnitte entzogen nicht nur Ressourcen, sondern führten auch zum Verlust von Fachwissen in der Konfliktprävention. Die Folgen dieser Mittelkürzungen sind gravierend und könnten langfristig kaum rückgängig gemacht werden.

InhaltNach dem abrupten Ende der US-Entwicklungshilfe hat die Gewalt in mehreren afrikanischen Ländern deutlich zugenommen. Das belegt eine neue Studie. Die Folgen könnten kaum rückgängig zu machen sein. Die massiven Einschnitte bei der US-Entwicklungsbehörde USAID  haben laut einer Studie dafür gesorgt, dass die Gewalt in mehreren afrikanischen Ländern deutlich gestiegen ist. Ein Team um den Wirtschaftsforscher Dominic Rohner vom Hochschulinstitut für internationale Studien und Entwicklung im schweizerischen Genf berichtet über die Ergebnisse im Fachmagazin "Science" . Die Forschenden hatten sich 870 einzelne Regionen auf dem afrikanischen Kontinent angesehen. Konkret hatten sie die Datensätze zweier Datenbanken verknüpft. In der einen waren Entwicklungshilfe-Auszahlungen und Projektstandorte erfasst worden, in der anderen Gewaltereignisse. So konnten sie frühere Muster der USAID-Hilfsverteilung mit anschließenden Konfliktdaten in Zusammenhang bringen. Dabei zeigte sich, dass gerade in den Gebieten, die zuvor besonders viel Unterstützung erhalten hatten, die Gewalt zunahm. "Betroffen waren sowohl die Häufigkeit als auch die Schwere der Vorfälle, darunter bewaffnete Auseinandersetzungen, Proteste und Unruhen", so die Forschenden. Die Auswirkungen seien sofort eingetreten und hätten über mehrere Monate angehalten. Schwache staatliche Institutionen hätten die negativen Folgen zusätzlich verstärkt. Die Beziehung zwischen Entwicklungshilfe und Konflikten sei seit Langem umstritten, schreibt Wirtschaftsforscher Axel Dreher von der Universität Heidelberg in einem Begleitkommentar in "Science" . Eine Sichtweise besage, dass Entwicklungshilfe Gewalt mindert, unter anderem, indem sie materielle Not lindere. Eine andere Sichtweise sage das genaue Gegenteil, auch weil Ressourcen womöglich erst Anreize schaffen könnten, um die es sich zu kämpfen lohne. Beide Argumente seien plausibel und würden durch die wissenschaftliche Literatur gestützt. Die aktuelle Studie, so Dreher, dürfe nicht als Beweis verstanden werden, dass mehr Hilfe grundsätzlich Konflikte mindert. Das, so der Forscher, wäre "irreführend". Was die Autoren feststellten, sei vielmehr die Auswirkung eines plötzlichen und unerwarteten Stopps von Hilfe. Wenn Unterstützung entzogen werde, sei auch die Art und Weise wichtig, so Dreher. Ein abrupter Rückzug entziehe nicht nur Ressourcen, sondern bringe zum Beispiel Verträge und Personalplanung zum Erliegen. Entwicklungsexperte Nathaniel Raymond von der Yale School of Public Health, der nicht an der Studie beteiligt war, sagte, die Ergebnisse zeigten die langfristigen Auswirkungen von Mittelkürzungen. Das bleibende Problem bei der Schließung von USAID werde wahrscheinlich darin bestehen, dass für einen Großteil der Arbeit im Bereich der Konfliktprävention – selbst wenn man alle Mittel wieder bereitstellen würde – die Erfahrung verloren gegangen ist, so der Forscher. US-Präsident Donald Trump hatte zu Beginn seiner zweiten Amtszeit Anfang 2025 rund 90 Prozent aller Verträge der Organisation für Hilfe im Ausland gekappt, konkret ging es um rund 60 Milliarden Dollar. USAID war zuvor in mehr als 100 Ländern aktiv gewesen und hatte unter anderem Programme in den Bereichen Gesundheit, Landwirtschaft, Bildung und Krisenprävention finanziert. Frühere Studien hatten die Kürzungen bereits in Zusammenhang mit schwerwiegenden humanitären Folgen gebracht. Wissenschaftler sagen bis zum Jahr 2030 mindestens 14 Millionen vermeidbare Todesfälle  voraus.