Datum14.05.2026 19:57
Quellewww.spiegel.de
TLDRDas Warschauer Rathaus hat erstmals eine gleichgeschlechtliche Ehe anerkannt und eine Heiratsurkunde ausgestellt. Dies folgt auf eine Entscheidung des Obersten Verwaltungsgerichts, die eine EU-Vorgabe umsetzt. Demnach müssen in anderen EU-Ländern geschlossene gleichgeschlechtliche Ehen im polnischen Staat anerkannt werden. Dies geschieht trotz der polnischer Verfassung entgegenstehenden Klausel. LGBTQ-Verbände feiern dies als historischen Schritt in dem traditionell katholischen Land.
InhaltDer polnische Staat muss gleichgeschlechtliche Ehen anerkennen, die in anderen EU-Ländern geschlossen wurden. Nun hat das Warschauer Rathaus zum ersten Mal einem schwulen Paar eine Heiratsurkunde ausgestellt. Das Rathaus der polnischen Hauptstadt Warschau hat zum ersten Mal eine gleichgeschlechtliche Ehe anerkannt. "Heute Morgen haben wir die erste Eintragung" vorgenommen, erklärte Bürgermeister Rafał Trzaskowski am Donnerstag vor Journalisten. Die beiden Ehepartner, Jakub Cupriak-Trojan und Mateusz Trojan, bestätigten ihrerseits, eine Kopie der polnischen Heiratsurkunde erhalten zu haben. Das Oberste Verwaltungsgericht Polens hatte im März entschieden, dass in anderen EU-Mitgliedstaaten geschlossene gleichgeschlechtliche Ehen vom polnischen Staat anerkannt werden müssen. Damit setzte das Gericht das entsprechende Urteil des Gerichtshofs der Europäischen Union vom November 2025 in polnisches Recht um. "Wir freuen uns und hoffen, dass die nächsten Urkundenumschreibungen, auf die viele Paare warten, ohne unnötige Verzögerungen ausgestellt werden", sagten die Ehepartner der Webseite OKO.press. Das Paar hatte 2018 in Berlin geheiratet und will sich nun in Polen niederlassen. Ihr Antrag war zuvor abgelehnt worden, da laut polnischer Verfassung die Heirat eine Verbindung zwischen einem Mann und einer Frau ist. Polens Regierungschef Donald Tusk, dessen Mitte-Koalition in Bezug auf die Rechte von LGBTQ-Menschen gespalten ist, hatte am Dienstag angedeutet, dass der Schritt des Verwaltungsgerichts unmittelbar bevorstehe. Die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Paare sei "vor allem eine Frage der Menschenwürde und der Menschenrechte", erklärte Tusk. LGBTQ-Verbände sprachen von einem "historischen Schritt" und einem "Wendepunkt" in dem traditionell sehr katholischen Land. LGBTQ steht für lesbisch, schwul, bisexuell, transgender und queer. Polen ist – neben Bulgarien, Rumänien und der Slowakei – eines der letzten europäischen Länder, das weder die gleichgeschlechtliche Ehe noch eingetragene Partnerschaften legalisiert hat. Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen haben 30.000 bis 40.000 gleichgeschlechtliche Paare aus Polen im Ausland geheiratet. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ipsos aus dem vergangenen Jahr sind nur 31 Prozent der Polen für die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe. 62 Prozent der Befragten befürworten jedoch eine Form der rechtlichen Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften.