Elon Musk gegen OpenAI: Wenn Sam Altman von Wohltätigkeit spricht

Datum14.05.2026 18:52

Quellewww.zeit.de

TLDRDer Newsletter vom 14. Mai 2026 berichtet über den Rechtsstreit zwischen Elon Musk und OpenAI, bei dem Sam Altman seine Organisation als Wohltätigkeitsorganisation verteidigt, trotz Kritik an den Trainingsdaten für ChatGPT. Ein KI-Experiment zum Podcast-Humor schlug fehl. Zuvor hatte Trump angekündigt, mit China über KI zu sprechen, inmitten zunehmender US-Chinesischer Spannungen im KI-Bereich. Zudem plant Google, Android mit "Gemini Intelligence"-Funktionen selbstständiger zu machen.

InhaltNächste Runde im Prozess Elon Musk gegen OpenAI. Trump soll mit China über KI sprechen. Und Google will Smartphones mit KI selbstständiger machen. Der KI-Newsletter Sie lesen den KI-Newsletter "Natürlich intelligent" vom 14. Mai 2026. Um den Newsletter jeden Donnerstag per Mail zu erhalten, melden Sie sich hier an. Künstliche Intelligenz kann vieles, aber witzig ist sie nicht. Das zeigte einmal mehr ein Experiment der Universität Tübingen, die mithilfe von KI eine komplette Folge vom Podcast Ufo erstellten, einem der ältesten und erfolgreichsten Comedypodcasts Deutschlands. Das Ergebnis war … nun ja, humoristisch so durchwachsen, dass viele Fans sich einigermaßen entsetzt über die Folge äußerten, bevor die Macher am Tag nach der Veröffentlichung auflösten, dass es sich um einen KI-generierten Inhalt gehandelt habe. Was man als Zeichen lesen kann, dass zumindest professionelle Comedians noch um einiges amüsanter sind als generative KI – oder wie es die Projektleiterin der Universität Tübingen gegenüber dem Spiegel formulierte: "Die Zukunft der Laberpodcasts ist gesichert." Ein Job weniger, den die KI einfach so übernehmen kann: Ein Griesgram ist, wer darin nicht etwas Tröstliches erkennen kann. Im kalifornischen Oakland verfolgt unser KI-Korrespondent Nicolas Killian weiter den Prozess zwischen OpenAI und Elon Musk. Sie erinnern sich, das ist die Verhandlung, in der sich OpenAI-Vertreter und Musk wüst mit Schmutz bewerfen. Elon Musk hatte OpenAI mitgegründet, verklagt es aber inzwischen, weil es ihre einst gemeinsame Vision verraten habe, eine sichere künstliche Intelligenz zum Wohle der Menschheit zu entwickeln. OpenAI widerspricht dieser Darstellung. Vor Gericht präsentierte sich OpenAI-Chef Sam Altman Anfang der Woche als "ehrlicher und vertrauenswürdiger Geschäftsmann", auch wenn er einräumte, schon wahrgenommen zu haben, dass Menschen ihn auch als Lügner und Täuscher bezeichnet hätten. Der britische Guardian zitiert Altman außerdem mit den Worten, Musk sei der festen Überzeugung gewesen, dass er im Falle der Gründung eines gewinnorientierten Arms des Unternehmens "die vollständige Kontrolle" haben müsse. Was meiner Meinung nach allerdings besonders tief blicken lässt: Auf die Frage, was er denn dazu zu sagen habe, dass ihm vorgeworfen werde, eine Wohltätigkeitsorganisation gestohlen zu haben, antwortete Altman: "Wir haben die größte oder eine der größten Wohltätigkeitsorganisationen der Welt geschaffen." Wohinter man ein einigermaßen bemerkenswertes Verständnis von Gemeinnützigkeit oder Wohltätigkeit sehen kann – wenn man sich Berichte von Menschen in Erinnerung ruft, die im Globalen Süden Tausende Textausschnitte mit Gewalt- und Missbrauchsdarstellungen gelesen haben, im Dienste von Trainingsdaten für ChatGPT. Oder wenn man an die Künstler denkt, die sich ihres Werkes und der Wertigkeit ihrer Arbeit beraubt sehen, weil ChatGPT ganz Ähnliches generiert. Was künstliche Intelligenz angeht, könnte der Graben zwischen China und den USA kaum tiefer sein. Von einem kalten Krieg um KI war zwischenzeitlich sogar die Rede, so vehement wird das Wettrennen um die globale technologische Vormacht ausgetragen. Umso überraschender, dass es nun im Rahmen von Trumps Staatsbesuch in China auch um den Umgang mit KI gehen soll. Laut einem Bericht des US-amerikanischen Nachrichtenportals Axios sollen Trump und Xi das Thema heute erörtern, genauer: Es soll laut dem Bericht ausgelotet werden, ob es "formelle Kommunikationskanäle zu Sicherheits- und Risikofragen zu KI" geben könnte. Hintergrund dürfte die neue KI "Mythos" vom US-amerikanischen KI-Unternehmen Anthropic sein. Das Unternehmen hatte im April angekündigt, Mythos erst einmal nicht der breiten Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen – weil es einfach zu gut darin sei, binnen kürzester Zeit Sicherheitslücken und Schwachstellen aufzuspüren, und damit zu riskant. Seitdem kursieren Gerüchte, die US-Regierung könnte, entgegen ihrem bislang betont lockeren Umgang mit KI, strengere Kontrollverfahren einführen. Dass es überhaupt zu einem Dialog über KI zwischen den Konkurrenten USA und China kommt, ist schon allein deshalb bemerkenswert, weil man sich an anderer Stelle kaum über den Weg traut: Erst kürzlich hatten die USA China beschuldigt, systematisch Wissen von US-amerikanischen KI-Unternehmen abgeschöpft zu haben. Google will sein mobiles Betriebssystem Android mit neuen KI-Funktionen aufmotzen: Der Konzern hat am Dienstag bekannt gegeben, dass er dort unter dem Namen "Gemini Intelligence" demnächst neue agentische Fähigkeiten integrieren will. Was ja im KI-Sprech bedeutet: Auf Basis des Sprachmodells Gemini soll das Smartphone auch eigenständig bestimmte Aufgaben erledigen können. Ganz konkret soll das intelligentere Betriebssystem etwa die Einkaufsliste, die man mal eben in seiner Notiz-App erstellt hat, eigenständig bestellen oder Ihnen den Platz in der ersten Reihe eines Spinningkurses reservieren können. Eingesprochenes soll es bei der Verschriftlichung besser verstehen und feinpolieren können – ohne dabei Verhaspler und "Ähms" wiederzugeben. In der Mobilversion von Googles Browser Chrome sollen sich zudem Formulare besser ausfüllen lassen, wenn Nutzer Gemini und die Funktion "Autofill with Google" aktivieren. Schrittweise soll all das ab Sommer auf den neuesten Samsung-Galaxy- und Google-Pixel-Smartphones möglich werden, danach soll Gemini Intelligence auch für Laptops, Smartglasses, Smartwatches und Autos zur Verfügung stehen. Also: in den USA. Wann wir das alles auch in Deutschland ausprobieren können, ist noch nicht bekannt.