Staat und Kirche: Katholikentag diskutiert über Missbrauchs-Aufarbeitung

Datum14.05.2026 16:02

Quellewww.zeit.de

TLDRDie Missbrauchsbeauftragte Kerstin Claus kritisiert die mangelnde Unterstützung der Kirchen beim Aufbau staatlicher Missbrauchsaufarbeitungsstrukturen in den Bundesländern. Sie fordert ausdrücklich landesweite Kommissionen. Bischof Franz Jung kontert, dass die bayerischen Bischöfe Gespräche mit der Staatsregierung geführt hätten, Claus betont jedoch die fehlenden Strukturen. Ein Betroffenenvertreter beklagt weiterhin eine "Mantel des Schweigens" über sexuellem Missbrauch in der Kirche. Studien belegen eine hohe Zahl von Fällen sexualisierter Gewalt in den Kirchen, was zu einem gesellschaftlichen Problem geworden ist.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Staat und Kirche“. Lesen Sie jetzt „Katholikentag diskutiert über Missbrauchs-Aufarbeitung“. Die Missbrauchsbeauftragte des Bundes, Kerstin Claus, vermisst die Unterstützung der Kirchen, um in den Ländern staatliche Strukturen zur Missbrauchsaufarbeitung zu schaffen. "Ich verstehe nicht, warum ich die Kirchen hier nicht an meiner Seite habe", sagte sie bei einer Podiumsdiskussion auf dem Katholikentag in Würzburg.  Konkret müsse es beispielsweise Landesaufarbeitungskommissionen geben. Hier vermisse sie den Einsatz der Kirche, solche Strukturen in den Ländern zu installieren.  Der Würzburger Bischof Franz Jung erklärte, die bayerischen Bischöfe - organisiert in der Freisinger Bischofskonferenz - hätten mit der Staatsregierung mehrfach über dieses Thema gesprochen.  Darauf erwiderte Claus: Bayern habe keinerlei Strukturen auf diesem Feld. Sie erwarte von den Kirchen, dass sie entsprechende Strukturen forderten.  Jung sagte, er wünsche sich generell mehr Engagement des Staates bei der Aufarbeitung. Dies wäre eine große Entlastung für die Kirche gewesen. Manfred Schmitz vom Betroffenenbeirat der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) kritisierte, dass über das Thema sexueller Missbrauch in der Kirche oft noch "der Mantel des Schweigens" gebreitet werde. Das erlebe er immer wieder. Es gebe Menschen, die ihren eigenen Glauben beschädigt fühlten, "die mit den krassen Schilderungen nicht umgehen können". Das sei ein großes gesellschaftliches Problem: "Es wird nicht öffentlich darüber gesprochen." Studien und öffentlich gewordene Fälle haben in den vergangenen Jahren sowohl die katholische als auch die evangelische Kirche erschüttert. Demnach gab es in den vergangenen Jahren zahlreiche Fälle sexualisierter Gewalt in den Kirchen. © dpa-infocom, dpa:260514-930-80660/1