Datum14.05.2026 14:23
Quellewww.zeit.de
TLDRAltkanzlerin Angela Merkel verteidigt politische Debatten und mahnt vor einer Abwertung von Kompromissen. Sie rät Friedrich Merz, der SPD gegenüber "ein weites Herz" zu zeigen. Merkel betont, dass Lösungsfindung Debatten erfordert und Kompromisse Vielfalt ermöglichen. Sie appelliert an die Bevölkerung, die Leistung der Regierung unter schwierigen äußeren Bedingungen anzuerkennen und fair zu beurteilen.
InhaltKeine Lösungsfindung ohne Debatte: Angela Merkel verteidigt das Ringen der Koalition und mahnt, Kompromisse nicht zu entwerten. Der Bevölkerung rät sie zu mehr Fairness. Altkanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich für mehr Toleranz gegenüber politischen Debatten ausgesprochen. "Die Debatte wird heute immer sofort ›Streit‹ genannt", sagte sie dem Nachrichtenmagazin Focus. "Ich finde, Politiker müssen klarmachen: Es gibt keine Lösungsfindung, die nicht über irgendeine Debatte geht." Kanzler Friedrich Merz empfahl sie, gegenüber dem Koalitionspartner SPD "ein weites Herz" zu haben. Merkel verteidigte die schwarz-rote Koalition gegen den Vorwurf der Zerstrittenheit. Dass bei komplexen Themen wie der Gesundheitsreform alle Beteiligten einer Meinung seien, sei "schier ausgeschlossen". Besonders besorgt zeigte sie sich über den schwindenden Rückhalt für politische Einigungen: "Der Kompromiss wird dann auch noch niedergemacht, dabei liegt es in der Natur der Sache." Kompromisse seien das, "was Vielfalt möglich und mehrheitsfähig macht." Entscheidend sei zudem eine persönliche Vertrauensbasis zwischen den Koalitionsspitzen, sagte Merkel, die von 2005 bis 2021 Bundeskanzlerin war. Unabhängig von der Parteifarbe sei es für sie stets essenziell gewesen, einen Gesprächsraum mit den Parteivorsitzenden zu haben, in dem eine "Vertrauens-Grundbasis" herrsche. An die Bevölkerung richtete Merkel einen Appell zur Fairness. "Jeder Bürger sollte mit Maß und Mitte versuchen, das, was die Regierung schon geschafft hat, zu ermessen", sagte sie. "Es ist ja nicht so, dass da gar nichts passiert ist." Sie habe den Eindruck, dass sich alle Beteiligten "der unglaublichen Verantwortung bewusst" seien. Die Regierung arbeite "unter wirklich schwierigen äußeren Bedingungen", sagte sie mit Verweis auf die Kriege in der Ukraine und im Iran. Und: "Ich wünsche dieser Regierung Erfolg."