Datum14.05.2026 12:14
Quellewww.zeit.de
TLDRAuf der MS »Hondius« wurden acht Infektionen mit der von Mensch zu Mensch übertragbaren Variante des Hantavirus (Andesstamm) bestätigt. Drei Passagiere starben. Die WHO untersucht die Fälle, während das Schiff desinfiziert werden soll. Eine Impfung oder spezifische Medikamente existieren nicht, Schutz bietet die Vermeidung von Nagetierkontakt. Eine Wiederaufnahme des Betriebs ist unklar.
InhaltDie WHO hat acht Fälle der von Mensch zu Mensch übertragbaren Variante des Hantavirus bestätigt. Wann die "Hodius" wieder ihren Betrieb aufnehmen kann, ist unklar. Nach dem Ausbruch des Hantavirus auf dem Kreuzfahrtschiff Hondius ist nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in acht Fällen eine Infektion mit dem von Mensch zu Mensch übertragbaren Andesstamm des Virus nachgewiesen worden. Bis Mittwoch seien insgesamt elf Fälle registriert worden, darunter drei Todesfälle, teilte die WHO mit. Acht dieser Infektionen seien labortechnisch nachgewiesen, zwei weitere Fälle würden als wahrscheinlich eingestuft. Ein weiterer Verdachtsfall werde noch untersucht. Unterdessen ist eine von dem Schiff evakuierte Person in den USA nach anfänglich leichten möglichen Symptomen negativ getestet worden. Die Person befinde sich nicht mehr im abgeschirmten Bereich, hieß es bei einer Pressekonferenz der Gesundheitsbehörde CDC. Die Person gehörte zu insgesamt 18 Menschen von dem Schiff, die nach ihrer Evakuierung zur Beobachtung in Gesundheitseinrichtungen in den Vereinigten Staaten gebracht worden waren. Nach Angaben der CDC wird bei einem weiteren das Ergebnis eines neuen Tests abgewartet, nachdem ein erster Test ein "mild positives" Ergebnis gebracht hatte. An Bord der Hondius war es während einer Kreuzfahrt von Argentinien zu den Kapverden zu einem Hantavirus-Ausbruch gekommen. Drei Passagiere starben – ein niederländisches Ehepaar und eine Deutsche. Mehr als 120 Passagiere und Besatzungsmitglieder verließen am Sonntag und Montag das Kreuzfahrtschiff und traten von Teneriffa aus mit Sondermaschinen die Heimreise an. Das Hantavirus ist ein weltweit verbreiteter Erreger, der vor allem von Nagetieren wie Mäusen übertragen wird. Diese Viren kommen weltweit vor, allerdings gibt es verschiedene Virustypen, die unterschiedlich schwere Krankheitsformen auslösen können. Die Typen, die in Mitteleuropa verbreitet sind, gelten als weniger gefährlich als etwa das Andesvirus, das in Südamerika zu finden ist. Nur in seltenen Fällen kann das Virus von Mensch zu Mensch weitergegeben werden, diese Übertragung ist bisher nur für das Andesvirus bekannt. In der Regel stecken sich Menschen an, die Kontakt zu Nagern oder ihren Ausscheidungen hatten, die das Virus in sich tragen. Dabei kann es schon reichen, wenn man den aufgewirbelten Staub mit Kot- und Urinresten einatmet. Ein erhöhtes Ansteckungsrisiko haben vor allem Menschen, die häufiger mit wild lebenden Nagetieren oder deren Ausscheidungen in Kontakt kommen. Im Fall des Andesvirus sollen infizierte Menschen nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) unmittelbar nach dem Auftreten erster Symptome besonders ansteckend sein. Die Inkubationszeit von Hantaviren beträgt nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) zwei bis vier Wochen, kann im Einzelfall jedoch kürzer oder deutlich länger sein. Die von der WHO empfohlene Quarantäne für Personen, die sich mit dem Virus angesteckt haben könnten, liegt bei sechs Wochen. Gegen das Hantavirus gibt es bislang weder eine Impfung noch eine spezielle antivirale Medikamente. Nach Angaben des RKI wird eine Hantavirus-Erkrankung symptomatisch behandelt. So werden beispielsweise Fieber und Schmerzen gelindert. In schweren Fällen müssen die Nieren- und die Lungenfunktion intensivmedizinisch unterstützt werden. Der wirksamste Schutz vor Infektionen besteht laut dem RKI im Vermeiden von Kontakten mit den Ausscheidungen von Nagetieren. Ein großer Teil der Hantavirus-Infektionen verläuft asymptomatisch oder mit unspezifischen Symptomen. Es können aber, je nach Virustyp, auch hohes Fieber und starke Kopf- und Gliederschmerzen auftreten. Bei einem schweren Krankheitsverlauf können auch die Nieren und ihre Funktion betroffen sein. Das Andesvirus zeichnet sich bei schweren Verläufen neben den grippalen Symptomen eher durch Komplikationen der Herz- und Lungenfunktion aus. Blutuntersuchungen können Hinweise auf eine Hantavirus-Infektion liefern. In der Regel wird die Diagnose durch den Nachweis spezifischer Antikörper gesichert. Derweil gibt es nach Angaben der EU-Gesundheitsbehörde ECDC keinen Hinweis auf eine Mutation des Virus. Das Andesvirus verhalte sich nicht anders als in Gebieten, in denen dieser Hantavirusstamm bereits verbreitet sei, teilte das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) in Stockholm mit. Die Gensequenzen aller bislang erhaltenen Proben von dem Hantavirus-Ausbruch seien "praktisch identisch", sagte der ECDC-Mikrobiologe Andreas Hoefer. Dies bedeute, "dass es wahrscheinlich nur ein einziges Ereignis einer Übertragung von einem infizierten Tier zum Menschen" gegeben habe. Unklar ist, ob eine kurzfristige Wiederaufnahme der Kreuzfahrten mit dem Schiff überhaupt möglich ist. Der Betreiber der Hondius teilte mit, dass es voraussichtlich bis Ende der Woche Klarheit geben werde, ob das Schiff seinen Fahrplan für die kommenden Monate wie ursprünglich geplant einhalten könne. Derzeit befindet sich das Schiff auf dem Weg nach Rotterdam, wo es im Hafen desinfiziert werden soll. Die Ankunft wird für Montag erwartet. Auf der Webseite von Oceanwide Expeditions, dem Betreiber, ist die Hondius für eine Kreuzfahrt Ende Mai in die Arktis gelistet.