Korruption in der Ukraine: Selenskyjs Ex-Stabschef muss in Untersuchungshaft

Datum14.05.2026 09:41

Quellewww.zeit.de

TLDRDas Oberste Anti-Korruptions-Gericht der Ukraine hat Untersuchungshaft gegen Andrij Jermak, Ex-Stabschef Selenskyjs, angeordnet. Ihm und fünf weiteren Personen werden Geldwäsche und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung im Zusammenhang mit illegalen Millionengeschäften bei einem Luxusbauprojekt vorgeworfen. Jermak weist die Anschuldigungen zurück und sieht sich vorübergehend außerstande, die Kaution zu bezahlen. Der Fall ist Teil einer breiteren Korruptionsuntersuchung in der Ukraine.

InhaltDas Oberste Anti-Korruptions-Gericht der Ukraine hat Untersuchungshaft gegen Andrij Jermak angeordnet. Dem früheren Vertrauten Selenskyjs wird Geldwäsche vorgeworfen. In der Ukraine hat das Oberste Anti-Korruptions-Gericht Untersuchungshaft gegen den früheren Stabschef von Präsident Wolodymyr Selenskyj, Andrij Jermak, angeordnet. Jermak war lange ein enger Vertrauter Selenskyjs. Die Haft gilt laut dem Richter für zunächst 60 Tage, Jermak hat demnach die Möglichkeit, gegen Kaution von umgerechnet 2,72 Millionen Euro auf freien Fuß zu kommen. Jermak teilte mit, dass er nicht über die Mittel verfüge, um die Kaution zu bezahlen. Der 54-Jährige muss sich wegen des Verdachts der Geldwäsche und der Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung verantworten. Ihm und fünf weiteren Verdächtigen werden illegale Millionengeschäfte bei einem Luxusbauprojekt vorgeworfen. Insgesamt sollen rund neun Millionen Euro gewaschen worden sein. Jermak weist die Vorwürfe zurück. Der Fall ist Teil einer umfassenden Korruptionsuntersuchung, die im vergangenen November öffentlich wurde. Damals wurde einem früheren Geschäftspartner Selenskyjs vorgeworfen, bei der staatlichen Atomenergiebehörde ein Schmiergeldsystem im Umfang von rund 87 Millionen Euro betrieben zu haben. Im Dezember machten die Behörden zudem Ermittlungen gegen mehrere Abgeordnete öffentlich. Bei Jermak gab es damals Durchsuchungen, doch erst seit dieser Woche wird er offiziell als Verdächtiger geführt. Bei der Verhandlung in Kyjiw ließ die Anklage auch Chatnachrichten zwischen Jermak und einer Frau verlesen, die in seinen Telefonkontakten als "Veronika Feng-Shui Büro" verzeichnet war. Demnach sprach Jermak mit der 51-jährigen aus Kyjiw, die sich selbst als astrologische Beraterin bezeichnet, über die Besetzung von Spitzenposten. Er habe ihr Geburtsdaten von Kandidaten geschickt und um Rat gebeten. Das Präsidentenbüro distanzierte sich umgehend. Man beschäftige sich nicht mit Esoterik, Numerologie, Feng-Shui oder Ähnlichem, hieß es in einer Mitteilung. Selenskyjs Berater Dmytro Lytwyn sagte, er habe derartige Vertreter nie in der Präsidialkanzlei gesehen. Jermak galt bis zu seinem Rücktritt im November als zweitmächtigster Mann der Ukraine und führte für sein Land Verhandlungen über ein Ende des russischen Angriffskriegs. In der ukrainischen Politik war sein Einfluss schon lange vor den Korruptionsvorwürfen umstritten. Präsident Selenskyj zählt bislang nicht zu den Beschuldigten.