Datum13.05.2026 20:12
Quellewww.spiegel.de
TLDRDer Oberste Gerichtshof South Carolinas hat die Mordurteile gegen Alex Murdaugh aufgehoben und ein neues Verfahren angeordnet. Dies geschah, weil eine Gerichtsmitarbeiterin namens Becky Hill die Geschworenen beeinflusst haben soll, um ein schuldiges Urteil zu erreichen. Sie hoffte offenbar, damit den Verkauf ihres Buches über den Fall zu steigern. Murdaugh verbüßt bereits eine Strafe wegen Diebstahls, leugnet aber die Doppelmorde an Frau und Sohn.
InhaltDer Doppelmordprozess gegen Alex Murdaugh wird neu aufgerollt. 2023 befand eine Jury ihn für schuldig, seinen Sohn und seine Frau erschossen zu haben. Doch offenbar hatte eine Gerichtsschreiberin Einfluss genommen. Sein Fall bewegte die USA: Jetzt hat ein Gericht in South Carolina die Mordurteile gegen Alex Murdaugh aufgehoben. Murdaugh, ein in Ungnade gefallener Anwalt, war 2023 wegen der Tötung seiner Frau und seines Sohnes verurteilt worden. Der Oberste Gerichtshof des Bundesstaates ordnete am Mittwoch ein neues Verfahren an. Die Begründung: Murdaugh habe Anspruch auf ein neues Verfahren, da eine Gerichtsmitarbeiterin die Geschworenen in unfairer Weise gegen ihn aufgebracht haben soll. Die Richter befanden, dass Becky Hill, die als Gerichtsschreiberin während des Prozesses für die Beweisaufnahme und die Geschworenen zuständig war, die Geschworenen dazu beeinflusst habe, Murdaugh für schuldig zu befinden. Der Vorwurf: Sie hoffte, damit den Absatz eines Buches zu steigern, das sie über den Fall schrieb. Hill veröffentlichte ein Buch über den Fall, es wurde allerdings aus dem Verkehr gezogen, nachdem Plagiatsvorwürfe laut geworden waren. Murdaugh war 2023 in einem aufsehenerregenden Doppelmordprozess zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Es sei einer der beunruhigendsten Fälle, die er je erlebt habe, sagte Richter Clifton Newman damals im Gerichtssaal in Walterboro im US-Bundesstaat South Carolina. Eine Geschworenenjury hatte Murdaugh damals für schuldig befunden, seine 52 Jahre alte Ehefrau und den gemeinsamen 22-jährigen Sohn umgebracht zu haben. Beide waren im Juni 2021 auf dem Grundstück der Familie tot aufgefunden worden. Murdaugh wird nicht aus dem Gefängnis entlassen. Der 57-Jährige hatte sich schuldig bekannt, rund 12 Millionen Dollar von seinen Mandanten gestohlen zu haben, und verbüßt derzeit eine 40-jährige Haftstrafe in einem Bundesgefängnis. Trotzdem ist das Urteil ein Sieg für den 57-Jährigen. Dieser gibt zwar zu, ein Dieb, Lügner, Versicherungsbetrüger und schlechter Anwalt zu sein, aber vor Gericht hatte er immer wieder beteuert, seine Familie nicht getötet zu haben. Murdaugh hatte nach der Tat selbst die Polizei alarmiert und erklärt, die Leichen gefunden zu haben. Später geriet er aber in Verdacht – und wurde schließlich des Doppelmordes angeklagt. Murdaugh hatte vor der Tat Millionen Dollar von seiner Anwaltskanzlei, von Mandanten und selbst von der Familie einer früheren Hausangestellten gestohlen, die nach dem Tod der Frau bei einem Sturz eine Versicherungssumme kassiert hatte. Mit dem Geld hatte er unter anderem seine Opioid-Abhängigkeit finanziert. Der Prozess gegen den Anwalt löste in den USA gewaltiges Medieninteresse aus. Die Befragung des Angeklagten wurde über Tage live im Fernsehen übertragen. Der Streamingdienst Netflix widmete dem Fall eine Serie.