Keir Starmer: Die Labour-Rebellen

Datum13.05.2026 17:22

Quellewww.zeit.de

TLDRNach den schlechten Ergebnissen bei Kommunalwahlen wächst der Druck auf Labour-Chef Keir Starmer. Mehrere Abgeordnete fordern seinen Rücktritt, darunter Catherine West. Als potenzielle Nachfolger werden Gesundheitsminister Wes Streeting, die linke Angela Rayner und der Bürgermeister von Greater Manchester, Andy Burnham, gehandelt. Streeting gilt als guter Kommunikator, Rayner ist im linken Flügel vernetzt, Burnham ist derzeit nicht im Parlament. Starmer lehnt einen Rücktritt bisher ab.

InhaltDer Druck auf Keir Starmer ist massiv, auch in seiner Labour-Partei. Wer stellt sich gegen ihn, wer könnte ihm nachfolgen? Die wichtigsten Köpfe im Überblick Noch ist Keir Starmer britischer Premierminister und Chef der Labour-Partei, aber der Widerstand wächst. Nach einem Debakel für Labour bei den britischen Kommunal- und Regionalwahlen mehren sich die Stimmen in der Partei, die eine Ablösung Starmers fordern. Mehrere Staatssekretärinnen der Regierung sind zurückgetreten, Medienberichten zufolge haben auch ranghohe Kabinettsmitglieder, darunter Außenministerin Yvette Cooper und Innenministerin Shabana Mahmood, Starmer die Unterstützung entzogen.  Starmer selbst lehnt einen Rücktritt bislang ab. Britische Buchmacher sehen derweil schon mehrere aussichtsreiche Nachfolgekandidaten. Wer hat Chancen auf den Parteivorsitz und damit auch auf das Amt des Premierministers? Wer organisiert den innerparteilichen Widerstand gegen Starmer? Der Überblick über die wichtigsten Akteure: Die Labour-Abgeordnete Catherine West hat Starmer öffentlich dazu aufgefordert, sein Amt abzugeben. Starmer solle einen Plan für die Wahl eines neuen Premierministers im September vorlegen, schrieb die ehemalige Staatssekretärin auf X. Die Ergebnisse der Kommunalwahlen hätten gezeigt, dass es dem Premierminister nicht gelungen sei, Hoffnung zu wecken. Starmers Rede am Montag sei "too little too late" gewesen, "zu wenig, zu spät". Sie sammle Unterstützung von weiteren Labourabgeordneten für ihre Forderung, schrieb West. Der Nachrichtenagentur Reuters sagte sie am Dienstag, dass sie 80 zustimmende Antworten erhalten habe. Eigene Machtansprüche hat West nicht angemeldet. Der aktuelle Gesundheitsminister wird als möglicher Nachfolger Starmers gehandelt. Unter den Abgeordneten, die den Rücktritt Starmers fordern, sind viele Unterstützer Streetings. Dieser war einer der prominentesten Labour-Politiker im erfolgreichen Wahlkampf 2024 und gilt als herausragender Kommunikator. Er gehört dem rechten Flügel der Labour-Partei an, den ehemaligen Premier Tony Blair lobte er für seinen Führungswillen. Vor der traditionellen Rede von König Charles im britischen Parlament empfing Starmer Streeting in seinem Amtssitz in der Downing Street. Über den Inhalt des 20-minütigen Gesprächs wurde nichts bekannt. Mehrere britische Medien berichten, dass Unterstützer Streetings erwarten, dass dieser in den nächsten Tagen eine Kandidatur gegen Starmer ankündigt und als Gesundheitsminister zurücktritt. Nach den Regeln der Labour-Partei bräuchte Streeting die Unterstützung von 81 Abgeordneten, um eine Abstimmung zu erzwingen. Die ehemalige stellvertretende Premierministerin Angela Rayner ist im linken Parteiflügel gut vernetzt. Der Guardian berichtet, dass Rayner zwar nicht unbedingt darauf aus sei, Starmers Nachfolge anzutreten, aber auf eine mögliche Kandidatur vorbereitet sei. Nach den Kommunalwahlen sprach sie von einer "historischen Niederlage". Was man aktuell tue, funktioniere nicht, das müsse sich ändern. "Es könnte unsere letzte Chance sein." Starmer müsse "dem Ernst der Lage jetzt gerecht werden". Rayner ist allerdings politisch angeschlagen: Im September 2025 trat sie wegen einer Steueraffäre von ihren Posten als stellvertretende Premierministerin und als Ministerin für Wohnungswesen zurück. Sie hatte zugegeben, sich bei der Frage nach der Höhe der Grunderwerbsteuer für eine Immobilie auf Rat verlassen zu haben, der sich als falsch herausstellte. Eine Untersuchung sei zu dem Schluss gekommen, dass sie die "Warnung" eines Rechtsberaters nicht beachtet habe und somit ein Verstoß gegen den Ministerkodex vorliege, teilte Rayner mit. Der Bürgermeister der nordenglischen Metropolregion Greater Manchester, Andy Burnham, gilt schon länger als ein möglicher Herausforderer Starmers. Die aktuellen Quoten britischer Wettanbieter sehen mal ihn, mal Streeting als Favoriten auf die Starmer-Nachfolge. Burnham ist allerdings momentan nicht Mitglied des Parlaments. Im Januar verhinderte die Parteiführung Burnhams Versuch, bei einer Nachwahl anzutreten und so wieder ins Parlament zu kommen. Der BBC zufolge begründete das Gremium die Entscheidung mit Verweis auf hohe Kosten für eine Bürgermeisterwahl in Manchester, die bei einem Wechsel Burnhams nötig werden würden. Angela Rayner spricht mittlerweile davon, dass die Blockade Burnhams ein Fehler der Partei gewesen sei. Burnham, der als Vertreter der "gemäßigten Linken" gilt, wurde 2001 Abgeordneter. Unter Premier Gordon Brown diente er kurzzeitig als Minister, bevor er 2017 Bürgermeister in Manchester wurde. Dort erwarb er sich den Spitznamen "König des Nordens". In der Vergangenheit hat er sich bereits zweimal für den Labour-Parteivorsitz beworben.  Mit Material der Nachrichtenagenturen Reuters und AFP