Datum13.05.2026 07:29
Quellewww.spiegel.de
TLDRJuso-Chef Türmer kritisiert die geplante Einführung einer Wochenarbeitszeit, da sie die tägliche Höchstarbeitszeit aufheben und Arbeitnehmer gefährden würde. Er sieht darin einen sozialpolitischen Rückschritt und eine Verschärfung der Erschöpfung im Land. Die Union und SPD planen im Koalitionsvertrag, den Achtstundentag neu zu regeln, während Arbeitsministerin Bas sich davon distanziert und einen Dialog mit Sozialpartnern fordert.
InhaltSchwarz-Rot will die tägliche Höchstarbeitszeit kippen, zum Ärger von Juso-Chef Türmer. Er sieht in der geplanten Wochenarbeitszeit einen sozialpolitischen Rückschritt. Kanzler Merz verschärfe die Erschöpfung im Land. Juso-Chef Philipp Türmer hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) vorgeworfen, mit dem Drängen auf die Einführung einer Wochenarbeitszeit die Bedürfnisse von Arbeitnehmern zu missachten. "Merz sieht die Erschöpfung in diesem Land nicht, er verschärft sie", sagte der Vorsitzende der SPD-Nachwuchsorganisation dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). "Den Acht-Stunden-Tag zu schleifen ist kein Aufbruchssignal, das ist eine Frechheit", fügte Türmer hinzu. Die Höchstarbeitszeit schütze Menschen davor, mit 50 Jahren arbeitsunfähig zu werden, weil sie ausgebrannt oder ihre Gelenke kaputt seien. "Wir dürfen Arbeitnehmer nicht der Willkür ihrer Chefs ausliefern", sagte Türmer. Es gehe unter anderem um Menschen, die nach Doppelschichten kaum noch schlafen, die nach Jahrzehnten körperlicher Arbeit mit kaputtem Rücken in Rente gehen. "Fast 13 Stunden Arbeit am Stück zu ermöglichen, ist sozialpolitischer Rückschritt", so Türmer. Er forderte, Merz sollte zunächst selber mehr arbeiten. "Angesichts der handwerklichen Fehler, die sich seine Regierung tagtäglich leistet, sollte er diesen Anspruch zuallererst an sich selbst richten", sagte er. Union und SPD wollen nach den bisherigen Plänen statt des üblichen Acht-Stunden-Tags einen wöchentlichen Rahmen für die Arbeitszeit einführen. "Zur konkreten Ausgestaltung werden wir einen Dialog mit den Sozialpartnern durchführen", heißt es im Koalitionsvertrag. Der Acht-Stunden-Tag gilt seit 1918 in Deutschland. Im Arbeitszeitgesetz heißt es heute: "Die werktägliche Arbeitszeit der Arbeitnehmer darf acht Stunden nicht überschreiten." Nur in Ausnahmen sind zehn Stunden pro Tag möglich. Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) hatte sich aber am Dienstag von der geplanten Abschaffung des Acht-Stunden-Tags distanziert. "Wenn es nach der SPD und mir persönlich geht, fassen wir das Thema gar nicht erst an, aber es steht im Koalitionsvertrag", sagte Bas, die auch SPD-Chefin ist. Auf dem Bundeskongress des Deutschen Gewerkschaftsbundes rief sie dazu auf , gemeinsam mit Arbeitgebern und Gewerkschaften eine Lösung zu finden.